Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer blickt optimistisch auf die zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Wirtschaft und Arbeitswelt. Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) machte sie deutlich, dass die Technologie nach ihrer Einschätzung ein entscheidender Treiber für Produktivität, Wachstum und Wohlstand werden könnte – wenn Politik, Unternehmen und Arbeitnehmer die Umstellung aktiv gestalten.
Mehr Produktivität – auch mit weniger Arbeitskräften
„Durch die KI könnten wir mit weniger Menschen trotzdem sehr produktiv arbeiten“, erklärte Schnitzer. Angesichts des demografischen Wandels, der den Fachkräftemangel in Deutschland weiter verschärfen dürfte, sieht sie in der KI eine zentrale Antwort auf die Frage, wie die Wirtschaft auch mit schrumpfender Erwerbsbevölkerung leistungsfähig bleiben kann. Höhere Produktivität könne sich zudem in höheren Löhnen niederschlagen – ein positiver Effekt für Beschäftigte wie für die Binnenkonjunktur.
Kein Massenabbau, aber Verschiebungen
Den vielfach geäußerten Sorgen, KI werde massenhaft Arbeitsplätze vernichten, trat Schnitzer entgegen. „Es ist nicht zu erwarten, dass die KI alle Tätigkeiten überflüssig macht“, sagte sie. Zwar werde es in einzelnen Bereichen Verdrängungseffekte geben – insbesondere bei einfachen, stark standardisierten Tätigkeiten. Doch gleichzeitig entstünden neue Aufgaben und Berufsfelder, die oft eine höhere Qualifikation erforderten. „Nicht jedem Job muss man hinterherweinen“, so Schnitzer. Entscheidend sei, dass Politik und Unternehmen Weiterbildung und Umschulung konsequent fördern.
Struktureller Wandel unvermeidbar
Die Wirtschaftswissenschaftlerin erwartet, dass KI vor allem Routinearbeiten in Verwaltung, Callcentern oder in der Datenauswertung übernimmt. Gleichzeitig könnten sich neue Arbeitsfelder in Bereichen wie KI-Training, Datenmanagement, Cybersicherheit oder spezialisierte Beratung entwickeln. Beschäftigte müssten daher zunehmend bereit sein, ihre Kompetenzen anzupassen und zu erweitern. Für die Unternehmen wiederum bedeute dies, in Qualifizierung zu investieren und Belegschaften auf den Wandel vorzubereiten.
KI als Wachstumsmotor für den Standort Deutschland
Schnitzer betonte, dass Deutschland und Europa die Chance hätten, von KI erheblich zu profitieren – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören klare Regeln für den Einsatz, Datenschutzstandards und Investitionen in Forschung und Infrastruktur. „Mit der richtigen Regulierung und gezielten Investitionen kann KI helfen, den Fachkräftemangel abzufedern, die Produktivität zu steigern und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, sagte sie.
Risiken: Ungleichheit und Anpassungsdruck
Gleichzeitig warnen Experten davor, dass der technologische Umbruch auch soziale Spannungen verschärfen könnte. Wer über digitale und analytische Fähigkeiten verfügt, werde von der Entwicklung profitieren. Wer dagegen in Tätigkeiten arbeitet, die sich leicht automatisieren lassen, könnte unter Druck geraten. Hier sieht Schnitzer die Politik in der Pflicht, Bildung und Weiterbildung als Kernaufgabe zu verstehen.