Der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht für Juli hat die Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Stabilisierung in den USA erheblich gedämpft. Statt der erwarteten 105.000 neuen Arbeitsplätze wurden lediglich 73.000 geschaffen. Noch gravierender: Die Zahlen für Mai und Juni wurden um insgesamt 258.000 Stellen nach unten korrigiert – der schwächste Dreimonatsdurchschnitt seit Ende der COVID-19-Rezession 2020.
Die Wirtschaft verzeichnet damit nur noch durchschnittlich 35.000 neue Stellen pro Monat – ein dramatischer Rückgang.
Präsident Trump entlässt Statistik-Chefin
Kurz nach Bekanntgabe des Berichts verkündete Präsident Donald Trump die Entlassung der Leiterin des Amtes für Arbeitsstatistik, Erika McEntarfer, und warf ihr vor, die Zahlen aus „politischen Motiven“ manipuliert zu haben. Einen Beweis dafür legte er nicht vor.
Handelszölle belasten die Konjunktur
Ein wesentlicher Grund für die Eintrübung der wirtschaftlichen Lage sind die umfassenden Importzölle, die Trump zuletzt weiter ausgeweitet hat. Sie sorgen für steigende Preise, sinkende Unternehmensgewinne und zurückhaltende Konsumausgaben – insbesondere in den Bereichen Einzelhandel, Logistik und verarbeitende Industrie.
Auch das Investitionsverhalten der Unternehmen leidet unter der Unsicherheit. Viele Firmen reagieren mit Zurückhaltung bei Neueinstellungen, niedrigeren Löhnen und Entlassungen nach Leistungskriterien.
Auswirkungen auf die Börsen und Zinspolitik
Die Märkte reagierten prompt: Der Dow Jones verlor über 600 Punkte, der S&P 500 gab um 1,5 % nach. Analysten von Morgan Stanley gehen davon aus, dass die US-Notenbank im September eine Leitzinssenkung vornehmen wird, um gegenzusteuern. Die Wahrscheinlichkeit dafür stieg laut Fed-Funds-Futures auf 85 %.
Mögliche Rezession im Herbst?
Mehrere Ökonomen warnen vor einer beginnenden Rezession. Josh Bivens vom Economic Policy Institute sieht im aktuellen Arbeitsmarktbericht „ein klares Bild dessen, wie eine Rezession beginnt“. Auch Moody’s-Chefökonom Mark Zandi hält einen Wirtschaftsabschwung für „sehr wahrscheinlich“, sofern Trump die Zölle nicht vor dem Labor Day (2. September) zurücknimmt.
Künstliche Intelligenz verdrängt erste Jobs
Ein weiterer Faktor: In der IT- und Dienstleistungsbranche sinkt die Beschäftigung seit zwei Jahren. Im Juli wurden dort 14.000 Stellen abgebaut – darunter viele Einsteigerjobs in der Computertechnik. Laut Goldman Sachs ersetzt KI zunehmend menschliche Arbeitskräfte in diesen Bereichen, auch wenn dies aktuell nur ein Nebeneffekt sei.
Fazit: Der US-Arbeitsmarkt gerät zunehmend unter Druck. Zwischen steigenden Zöllen, wachsender Verunsicherung und technologischen Umwälzungen könnte sich die amerikanische Wirtschaft in Richtung Rezession bewegen. Die nächsten Wochen – insbesondere Trumps Kurs bei den Importabgaben – könnten entscheidend sein.