Im laufenden Bundesprozess gegen den US-Rapper und Musikmogul Sean „Diddy“ Combs hat eine zentrale Zeugin, die unter dem Pseudonym „Jane“ auftritt, schwerwiegende Vorwürfe erhoben. Sie berichtet von einer von Luxus, Abhängigkeit und mutmaßlichem Missbrauch geprägten Beziehung, die von 2021 bis 2024 andauerte.
Die Frau sagte vor Gericht aus, dass sie während der Beziehung Geschenke im Wert von über 150.000 US-Dollar erhielt, darunter Designer-Handtaschen, Schmuck von Van Cleef & Arpels sowie die Miete eines 5.300 Quadratfuß großen Hauses, deren monatliche Kosten 10.000 Dollar betragen – bis heute von Combs bezahlt.
Luxus mit Schattenseiten
Laut Jane war diese finanzielle Großzügigkeit Teil eines Systems der Kontrolle. So zahlte Combs laut ihrer Aussage unter anderem eine Kaution von 40.000 US-Dollar für ein neues Mietobjekt im April 2023.
„Die Miete war wie eine kleine Erinnerung daran, dass er die Macht hatte“, sagte Jane.
Trotz der materiellen Zuwendungen sei die Beziehung geprägt gewesen von körperlicher Gewalt, sexueller Ausbeutung und psychischem Druck. Jane berichtet unter anderem von Situationen, in denen sie geschlagen, gewürgt und an den Haaren gezogen worden sei.
Vorwürfe sexueller Ausbeutung
Ein zentraler Punkt ihrer Aussage sind sogenannte „Hotel Nights“, bei denen sie laut eigenen Angaben von Combs dazu gedrängt wurde, mit mehreren Männern nacheinander Geschlechtsverkehr zu haben – über Zeiträume von bis zu drei Tagen.
„Wie viel kostet mein Körper?“, entgegnete sie provokant auf die Frage von Combs’ Verteidigerin nach dem Preis ihrer Designer-Taschen.
Geburtstagsgeschenke und „Freak-Off“
Einen besonders traumatischen Moment beschreibt Jane in Zusammenhang mit einem angeblichen „Freak-Off“ – einer mutmaßlich drogen- und sexuell aufgeladenen Gruppensituation, die Combs zu ihrem Geburtstag 2023 organisiert haben soll. Obwohl sie sich Romantik gewünscht habe, sei sie laut eigener Aussage mit einem Beruhigungsmittel im Hotelzimmer zurückgelassen worden, während Combs einen weiteren Mann eingeladen habe.
„Ich hatte gerade mein Geschenk bekommen, ein Armband und eine Kette, und wartete auf den ‚Entertainer‘“, sagte sie im Zeugenstand.
Karriereeinschränkungen durch Combs
Obwohl Combs rund 20.000 US-Dollar in Janes eigene Modekollektion investierte, habe er ihre Tätigkeit als Online-Influencerin stark eingeschränkt. Besonders negativ äußerte sich Combs demnach über ihre Aktivität auf OnlyFans, wo Jane nach eigenen Angaben erst 2024 aktiv wurde, nachdem sie sich zunehmend von Combs distanzierte.
Sie schätzt, dass sie nur etwa 10 % ihres potenziellen Einkommens als Influencerin erzielen konnte, da sie ihre berufliche Selbstständigkeit Combs zuliebe zurückstellte.
Hintergrund des Verfahrens
Jane tritt im Verfahren gegen Sean Combs als Zeugin der Anklage auf, nachdem sie im September 2024 vorgeladen wurde. Bemerkenswert: Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe erklärte sie, dass sie keine zivilrechtliche Klage gegen Combs anstrebt – und dass er weiterhin ihre Anwaltskosten übernimmt.
Die Bundesanwaltschaft wirft Combs unter anderem sexuelle Gewalt, Menschenhandel und organisierte Ausbeutung vor. Der Prozess zieht international Aufmerksamkeit auf sich – nicht zuletzt, weil er das Image des mehrfach Grammy-prämierten Superstars erschüttert.