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#Skinnytok und der digitale Kampf gegen Essstörungen: TikTok sperrt Hashtag – aber das Problem bleibt

Pexels (CC0), Pixabay

Essstörungen zählen zu den ernsten psychischen Erkrankungen unserer Zeit – besonders unter Jugendlichen. Seit der Corona-Pandemie haben sich die Fallzahlen laut Fachleuten weiter verschärft. Während strukturgebende Elemente wie Schule und soziale Kontakte wegbrachen, wuchs die Bildschirmzeit – und mit ihr der Einfluss sozialer Medien. Plattformen wie TikTok sind dabei längst mehr als Unterhaltungsräume: Sie sind Teil des Alltags junger Menschen, aber auch ein Nährboden für gefährliche Trends. Der mittlerweile gesperrte Hashtag #Skinnytok steht exemplarisch dafür.

TikTok reagiert – endlich

Unter dem Hashtag #Skinnytok hatten Nutzerinnen – überwiegend junge, sehr schlanke Frauen – Inhalte gepostet, die radikale Diäten, krankhaftes Untergewicht und Essstörungen wie Anorexie oder Bulimie romantisierten. Der Hashtag fungierte dabei als virtueller Treffpunkt sogenannter Hunger-Communities, in denen sich Nutzerinnen mit Essstörungen gegenseitig antrieben, ihre Körper weiter zu reduzieren – häufig mit Tipps zum Hungern, Kalorienzählen oder zur Verschleierung der Symptome gegenüber dem Umfeld.

Auf Druck der Öffentlichkeit und auch nach politischen Forderungen hat TikTok nun reagiert: Wer heute nach dem Hashtag sucht, sieht statt solcher Inhalte einen Hinweis mit einer positiven Botschaft – und einem Link zu Hilfsangeboten für Betroffene. Doch damit ist das Problem längst nicht gelöst.

Digitale Communities mit doppeltem Gesicht

Bereits lange vor TikTok hatten sich sogenannte „Pro-Ana“-Bewegungen im Netz formiert – in Foren, auf Blogs, später auf Instagram. Sie befürworteten Magersucht nicht nur, sie inszenierten sie als Lebensstil. Schon 2009 warnte der Philologenverband vor tausenden solcher Seiten. Plattformen wie Instagram reagierten mit Löschungen und Warnhinweisen – doch die Codes passten sich an: Aus „#proanorexia“ wurde „#ana“, aus „#bulimia“ wurde „#bulima“. TikTok erlebt heute denselben Effekt.

Denn während der Austausch über eine Krankheit hilfreich sein kann, verschwimmen bei Essstörungen häufig die Grenzen: Wo endet solidarischer Austausch, wo beginnt gefährliche Verherrlichung? Die Antwort ist nicht einfach. Einige Nutzerinnen berichten, dass sie sich durch Gleichgesinnte im Netz verstanden fühlen – andere rutschen erst durch solche Inhalte in eine Erkrankung hinein.

Ein strukturelles Problem

Die Sperrung von #Skinnytok ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch sie kratzt nur an der Oberfläche eines komplexen Problems: Die sozialen Medien begünstigen einen konstanten Vergleich, transportieren oft unrealistische Schönheitsideale und befeuern eine Kultur des „Optimierens“ – nicht nur des Körpers, sondern der ganzen Persönlichkeit.

Essstörungen gedeihen in diesem Umfeld, weil sie psychisch tief verankert sind und sich im digitalen Raum schnell normalisieren können. Der Algorithmus selbst spielt dabei eine fatale Rolle: Wer einmal mit einschlägigem Content interagiert, bekommt oft immer mehr davon angezeigt – ein Teufelskreis für Betroffene.

Fazit: Sperren reichen nicht

TikToks Sperrung des Hashtags #Skinnytok ist ein öffentlichkeitswirksames Signal, doch das Problem bleibt – auch, weil sich solche Inhalte leicht durch alternative Schreibweisen wieder einschleichen. Die Verantwortung liegt nicht nur bei den Plattformen, sondern auch in Bildung, Aufklärung und Prävention.

Für Betroffene braucht es niedrigschwellige Hilfsangebote, professionelle Begleitung und digitale Schutzräume, in denen Heilung statt weiterer Trigger stattfindet. Und für die Gesellschaft: einen ehrlicheren, vielfältigeren Umgang mit Körpern, Selbstbild und psychischer Gesundheit.

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