Mit der „One Big Beautiful Bill Act“ präsentiert Ex-Präsident Donald Trump einen Gesetzesentwurf, der mit 1.116 Seiten nicht nur umfangreich ist, sondern auch eine tiefgreifende Umgestaltung der US-Steuergesetzgebung und staatlichen Ausgaben verspricht. Doch wie „beautiful“ ist dieses Gesetz wirklich – und für wen?
Laut einer ersten Analyse des überparteilichen Congressional Budget Office (CBO) profitieren vor allem Gutverdiener, während viele Menschen mit niedrigem Einkommen finanzielle Nachteile zu erwarten haben. Noch ist das Gesetz nicht verabschiedet, da es Widerstand aus den eigenen Reihen der Republikaner, insbesondere von der konservativen House Freedom Caucus, gibt.
Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des geplanten Gesetzes:
Top 5 Gewinner
1. Gutverdiener
Laut dem Tax Policy Center würden Steuerzahler im Jahr 2026 im Durchschnitt rund 2.800 Dollar sparen. Zwei Drittel der Steuererleichterungen gehen an Haushalte mit einem Jahreseinkommen ab etwa 217.000 Dollar. Wer über 1,1 Millionen Dollar jährlich verdient, erhält fast ein Viertel der gesamten Steuerersparnis.
2. Familien mit Kindern
Der Kinderfreibetrag soll von derzeit 2.000 auf 2.500 Dollar bis 2028 steigen. Danach würde er wieder auf 2.000 Dollar sinken. Allerdings würden etwa 4,5 Millionen Kinder durch neue Anforderungen – etwa die Notwendigkeit, dass beide Elternteile eine Sozialversicherungsnummer besitzen – den Anspruch verlieren. Zusätzlich sollen Kinder unter acht Jahren 1.000 Dollar für sogenannte „MAGA-Sparkonten“ erhalten, die für Bildung oder Investitionen gedacht sind.
3. Käufer amerikanischer Autos
Wer ein Fahrzeug kauft, das in den USA hergestellt wurde, könnte bis zu 10.000 Dollar an Zinszahlungen für Autokredite steuerlich absetzen – allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum.
4. Arbeitnehmer mit Überstunden
Überstunden sollen nicht mehr besteuert werden. Das würde laut einer Schätzung des Tax Foundation und der Yale University zu einem Rückgang der Staatseinnahmen von 680 bis 866 Milliarden Dollar zwischen 2025 und 2034 führen.
5. Beschäftigte mit Trinkgeld
Trinkgelder würden nicht mehr besteuert – allerdings nur bis 2028. Laut einer Schätzung des Finanzministeriums könnten derzeit bis zu 23 Milliarden Dollar an Trinkgeldeinkommen nicht korrekt gemeldet sein.
Top 5 Verlierer
1. Geringverdiener
Menschen mit einem Jahreseinkommen unter 50.000 Dollar würden im Schnitt Verluste von 700 bis über 1.000 Dollar hinnehmen müssen – vor allem durch Kürzungen bei Unterstützungsprogrammen wie Medicaid, staatlicher Krankenversicherung oder Zuschüssen für Studierende.
2. Empfänger von Medicaid und SNAP (Essensmarken)
Bis zu 7,6 Millionen Menschen könnten ihren Anspruch auf Medicaid verlieren. Zudem plant das Gesetz, 267 Milliarden Dollar bei der Lebensmittelhilfe SNAP zu kürzen und strengere Arbeitsanforderungen für 55- bis 64-Jährige einzuführen.
3. Menschen mit Studienkrediten
Biden-Änderungen zur Erleichterung bei Studienkrediten würden rückgängig gemacht. Rückzahlungsoptionen würden stark eingeschränkt, Förderungen für Eltern sowie Studienkredite für Masterstudierende würden gestrichen.
4. Die Staatsverschuldung
Durch Steuersenkungen und Änderungen bei Rückerstattungen würde sich das Haushaltsdefizit zwischen 2026 und 2034 um 3,8 Billionen Dollar erhöhen, so das CBO.
5. Undokumentierte Migranten
Die Gesetzesnovelle erhöht Gebühren für legale Einwanderungsprozesse: 1.000 Dollar für Asylanträge, 500 Dollar alle sechs Monate für Arbeitserlaubnisse, Hunderte Dollar für Berufungsverfahren. Außerdem soll es den Bundesstaaten erschwert werden, Medicaid für Kinder ohne legalen Aufenthaltsstatus zu finanzieren.
Fazit: Steuererleichterung für Reiche – Kürzungen für Schwächere
Während Trump das Gesetz als „wunderschön“ bezeichnet, zeigt die Analyse ein bekanntes Muster: Erleichterungen für Spitzenverdiener und Unternehmen, Einschnitte bei sozialen Sicherungssystemen für Bedürftige. Auch wenn einige steuerliche Entlastungen breite Bevölkerungsschichten betreffen, zeigen die Zahlen: Die größten Gewinner sind – einmal mehr – die Reichsten im Land.