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Finanzverfahren gegen Manchester City: Worum es bei den schwerwiegenden Vorwürfen geht

geralt (CC0), Pixabay

Das Finanzverfahren gegen Manchester City gehört zu den umfangreichsten Verfahren dieser Art im englischen Profifußball. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Spitzenklub über Jahre hinweg die Finanzregeln der Premier League eingehalten und seine Einnahmen, Ausgaben sowie bestimmte Zahlungen vollständig und zutreffend offengelegt hat.

Eine unabhängige Kommission hat inzwischen zahlreiche Verstöße gegen die Finanzregeln der Premier League festgestellt. Manchester City akzeptiert diese Feststellungen nicht und hat angekündigt, die zur Verfügung stehenden Rechtsmittel auszuschöpfen. Über die konkreten Sanktionen soll zudem gesondert entschieden werden.

Der Fall ist damit noch nicht endgültig abgeschlossen.

Die Übernahme durch Investoren aus Abu Dhabi

Manchester City wurde 2008 von Investoren aus Abu Dhabi übernommen. In den folgenden Jahren standen dem Verein erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung. Der Klub verpflichtete zahlreiche international bekannte Spieler, investierte in seine Infrastruktur und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Fußballvereine Englands und Europas.

Hohe Investitionen oder finanzstarke Eigentümer sind für sich genommen kein Regelverstoß. Allerdings gelten im englischen und europäischen Profifußball Finanzvorschriften, die unter anderem festlegen, welche Einnahmen und Ausgaben Vereine angeben müssen und in welchem finanziellen Rahmen sie wirtschaften dürfen.

Genau an diesem Punkt setzen die Vorwürfe gegen Manchester City an.

Streit über die Herkunft von Sponsorengeldern

Ein wesentlicher Teil des Verfahrens betrifft Sponsoreneinnahmen.

Manchester City erhielt über Jahre erhebliche Zahlungen von Sponsoren aus Abu Dhabi. Nach den erhobenen Vorwürfen sollen bestimmte als Sponsoring ausgewiesene Einnahmen wirtschaftlich zumindest teilweise anders finanziert worden sein, als dies gegenüber den zuständigen Fußballorganisationen dargestellt worden sein soll.

Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob Gelder tatsächlich vollständig von den jeweiligen Sponsoren stammten oder ob Teile davon aus dem Umfeld der Eigentümer finanziert worden sein könnten.

Diese Unterscheidung ist von erheblicher Bedeutung. Die Finanzregeln sollen unter anderem verhindern, dass Beschränkungen für Eigentümerfinanzierungen dadurch umgangen werden, dass entsprechende Gelder als gewöhnliche kommerzielle Einnahmen eines Vereins erscheinen.

Vereinfacht gesagt: Je höher die nach den Regeln anerkannten Einnahmen eines Vereins ausfallen, desto größer kann grundsätzlich dessen finanzieller Spielraum für Transfers, Gehälter und andere Ausgaben sein.

Auch Zahlungen an Trainer und Spieler wurden untersucht

Ein weiterer Komplex betrifft die Frage, ob Zahlungen an Spieler und Trainer vollständig und korrekt angegeben wurden.

Bekannt wurde in diesem Zusammenhang unter anderem eine zusätzliche Vereinbarung des früheren Manchester-City-Trainers Roberto Mancini im Zusammenhang mit einer Tätigkeit für einen Klub in Abu Dhabi.

Entscheidend ist dabei nicht allein, dass zusätzliche Vereinbarungen bestanden haben könnten. Rechtlich und sportrechtlich relevant ist vielmehr die Frage, ob sämtliche vergütungsrelevanten Vereinbarungen entsprechend den damals geltenden Vorschriften vollständig gegenüber den zuständigen Stellen offengelegt wurden.

Aus der bloßen Existenz einer zusätzlichen Vereinbarung lässt sich daher für sich genommen noch kein Regelverstoß ableiten.

„Football Leaks“ brachten interne Dokumente an die Öffentlichkeit

Einen wichtigen Ausgangspunkt für die späteren Untersuchungen bildeten Veröffentlichungen im Zusammenhang mit den sogenannten „Football Leaks“.

Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete 2018 auf Grundlage interner Dokumente und E-Mails über Finanzvorgänge im internationalen Profifußball. Dabei wurden auch Unterlagen veröffentlicht, die Manchester City betrafen.

In der Folge beschäftigten sich sowohl die UEFA als auch die Premier League mit den Finanzgeschäften des Vereins.

Nach einer mehrjährigen Untersuchung erhob die Premier League im Februar 2023 zahlreiche Anklagepunkte gegen Manchester City. Die Vorwürfe betrafen verschiedene Bereiche und unterschiedliche Zeiträume.

Dazu gehörten unter anderem die angeblich unzutreffende oder unvollständige Übermittlung von Finanzinformationen, Angaben zu Einnahmen und Kosten, bestimmte Vergütungen von Spielern und Trainern sowie die Einhaltung verschiedener Finanzvorschriften.

Daneben wurde Manchester City vorgeworfen, bei den Untersuchungen der Premier League nicht in dem nach den Regeln verlangten Umfang mitgewirkt zu haben.

Warum die Sponsoreneinnahmen eine so große Rolle spielen

Für das Verständnis des Falls ist entscheidend, dass Sponsoreneinnahmen den finanziellen Handlungsspielraum eines Fußballvereins erheblich beeinflussen können.

Erwirtschaftet ein Klub hohe kommerzielle Einnahmen, kann er grundsätzlich auch höhere Ausgaben finanzieren. Werden dagegen Gelder unmittelbar oder mittelbar von einem Eigentümer bereitgestellt, können hierfür andere regulatorische Anforderungen gelten.

Sollten Sponsoreneinnahmen tatsächlich höher ausgewiesen worden sein, als es ihrem tatsächlichen wirtschaftlichen Hintergrund entsprach, könnte dies Auswirkungen auf die Beurteilung der finanziellen Situation des Vereins nach den damals geltenden Regeln gehabt haben.

Ob und in welchem Umfang dies bei einzelnen Geschäften von Manchester City der Fall war, ist Gegenstand des umfangreichen Verfahrens.

Bedeutet die Entscheidung automatisch den Verlust von Meisterschaften?

Nein.

Aus den bisherigen Feststellungen folgt nicht automatisch, dass Manchester City frühere Meisterschaften oder andere Titel verliert. Ebenso wenig steht derzeit automatisch ein Zwangsabstieg oder ein bestimmter Punktabzug fest.

Über mögliche Sanktionen muss gesondert entschieden werden. Welche Maßnahmen am Ende tatsächlich verhängt und rechtswirksam werden, hängt vom weiteren Verlauf des Verfahrens einschließlich möglicher Rechtsmittel ab.

Spekulationen über konkrete Strafen sollten deshalb nicht mit bereits getroffenen Entscheidungen verwechselt werden.

Manchester City weist Fehlverhalten zurück

Manchester City hat die gegen den Verein erhobenen Vorwürfe über Jahre zurückgewiesen und verteidigt seine Finanzpraktiken.

Auch nach den Feststellungen der unabhängigen Kommission hält der Klub an seiner Position fest und hat angekündigt, die vorhandenen Rechtsmittel auszuschöpfen.

Bei der Bewertung des Falls muss deshalb zwischen drei Ebenen unterschieden werden: den ursprünglich von der Premier League erhobenen Vorwürfen, den inzwischen getroffenen Feststellungen der unabhängigen Kommission und dem endgültigen Ausgang des gesamten Verfahrens.

Gerade diese Unterscheidung ist wichtig. Feststellungen einer Kommission dürfen nicht mit einem bereits endgültig abgeschlossenen Verfahren gleichgesetzt werden, solange Rechtsmittel und die Entscheidung über mögliche Sanktionen noch ausstehen.

Ein Verfahren mit Bedeutung weit über Manchester City hinaus

Unabhängig vom endgültigen Ausgang hat das Verfahren grundsätzliche Bedeutung für den Profifußball.

Finanzregeln sollen gewährleisten, dass Vereine ihre wirtschaftlichen Verhältnisse transparent darstellen und die für alle Teilnehmer geltenden Vorgaben einhalten. Werden diese Regeln nicht konsequent kontrolliert, besteht die Gefahr, dass Vereine mit besonders finanzstarken Eigentümern einen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber Konkurrenten erhalten.

Ob Manchester City einen solchen regelwidrigen Vorteil tatsächlich erlangt hat und welche Konsequenzen daraus gegebenenfalls zu ziehen sind, muss im weiteren Verfahren abschließend geklärt werden.

Bis dahin sollte insbesondere zwischen belegten Tatsachen, den Feststellungen der unabhängigen Kommission, weiterhin bestrittenen Punkten und noch offenen Rechtsfolgen unterschieden werden.

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