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Montenegro auf dem Weg in die EU: Was bedeutet „Beitritt in Reichweite“ konkret?

jorono (CC0), Pixabay

Montenegro könnte der Europäischen Union einen weiteren Schritt näherkommen. Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger bezeichnete bei einem Besuch in Podgorica den EU-Beitritt des Balkanstaates als „in Reichweite“. Doch was bedeutet das konkret? Tatsächlich ist Montenegro bei den Beitrittsverhandlungen weit vorangekommen – Mitglied der Europäischen Union ist das Land damit aber noch nicht.

Meinl-Reisinger besuchte Montenegro gemeinsam mit Vertretern Tschechiens und der Slowakei im Rahmen des sogenannten Slavkov-Formats. Dabei handelt es sich um eine informelle Zusammenarbeit der drei EU-Staaten.

Bei den Gesprächen in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica standen nach Angaben des österreichischen Außenministeriums neben dem angestrebten EU-Beitritt auch wirtschaftliche Zusammenarbeit, Energie und Sicherheit auf der Tagesordnung.

Österreich unterstützt die weitere Annäherung Montenegros an die Europäische Union. Meinl-Reisinger begründete dies auch mit wirtschaftlichen und strategischen Interessen Österreichs.

Wie weit ist Montenegro tatsächlich?

Montenegro ist bereits seit 2010 offizieller EU-Beitrittskandidat. Die eigentlichen Beitrittsverhandlungen laufen seit Juni 2012.

Bei diesen Verhandlungen wird geprüft, ob ein Land die umfangreichen Rechtsvorschriften und Standards der Europäischen Union übernehmen und praktisch umsetzen kann.

Dafür werden unterschiedliche Politikbereiche in sogenannte Verhandlungskapitel unterteilt. Montenegro hat inzwischen alle 33 Verhandlungskapitel geöffnet. Nach dem Stand vom Juli 2026 sind 18 davon vorläufig abgeschlossen. Damit ist inzwischen mehr als die Hälfte der Kapitel vorläufig geschlossen.

Allein 2026 gab es Fortschritte unter anderem bei Arbeitnehmerfreizügigkeit, Verbraucher- und Gesundheitsschutz, transeuropäischen Netzen, Finanzkontrolle, Wettbewerbspolitik und Zollunion.

Bedeutet das, dass Montenegro bald automatisch EU-Mitglied wird?

Nein.

„In Reichweite“ ist eine politische Einschätzung und kein feststehender Beitrittstermin. Auch ein vorläufig geschlossenes Verhandlungskapitel ist noch nicht endgültig erledigt. Die EU kann einzelne Kapitel erneut aufgreifen, und die Vereinbarungen werden grundsätzlich erst mit einem Gesamtabschluss der Beitrittsverhandlungen endgültig.

Allerdings gibt es ein wichtiges Signal: Die EU-Mitgliedstaaten haben bereits damit begonnen, die Ausarbeitung eines möglichen Beitrittsvertrags für Montenegro vorzubereiten. Die Europäische Kommission legte im Juni 2026 außerdem ein Finanzpaket vor, das die finanziellen Rahmenbedingungen für einen späteren Beitritt beschreibt.

Was muss Montenegro noch tun?

Der Beitrittsprozess hängt weiterhin davon ab, dass Montenegro die vereinbarten Reformen umsetzt und die Voraussetzungen der Europäischen Union erfüllt.

Besondere Bedeutung haben dabei Rechtsstaatlichkeit, Justiz und Grundrechte. Die EU-Kommission betont außerdem, dass das Reformtempo aufrechterhalten werden müsse.

Ein EU-Beitritt ist deshalb kein Automatismus. Fortschritte werden weiterhin überprüft.

Was würde ein Beitritt für Verbraucher bedeuten?

Für die Bevölkerung Montenegros hätte eine EU-Mitgliedschaft weitreichende praktische Folgen. EU-Regeln betreffen beispielsweise Verbraucherrechte, Produktsicherheit, Wettbewerb, Arbeitnehmerrechte, Unternehmen und zahlreiche weitere Bereiche des täglichen Lebens.

Interessant ist dabei: Das Verhandlungskapitel „Verbraucher- und Gesundheitsschutz“ wurde im Juni 2026 bereits vorläufig geschlossen. Nach Angaben der EU bedeutet dies, dass Montenegro in diesem Bereich wichtige Voraussetzungen des Beitrittsprozesses erfüllt hat; die weitere Umsetzung wird dennoch überwacht.

Auch für Verbraucher und Unternehmen aus Deutschland und anderen EU-Staaten könnte eine Mitgliedschaft relevant werden, weil Montenegro vollständig in weitere Regeln und Strukturen des europäischen Binnenmarktes eingebunden würde.

Der Beitritt rückt näher – entschieden ist er noch nicht

Die Aussage der österreichischen Außenministerin, der EU-Beitritt sei „in Reichweite“, hat damit einen konkreten Hintergrund: Montenegro hat alle Verhandlungskapitel geöffnet, inzwischen 18 davon vorläufig abgeschlossen, und die Vorbereitungen für einen möglichen Beitrittsvertrag haben begonnen.

Ein endgültiger Beitrittstermin steht damit jedoch noch nicht fest. Weitere Reformen, der Abschluss der Verhandlungen und die notwendigen politischen und rechtlichen Entscheidungen auf europäischer Ebene bleiben erforderlich.

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