Der Finanzfall um Manchester City zieht immer weitere Kreise. Nachdem eine unabhängige Kommission schwere Verstöße des englischen Spitzenklubs gegen die Finanzregeln der Premier League festgestellt hat, beschäftigen die Erkenntnisse inzwischen auch Politik, Steuerfragen und den englischen Fußballverband FA.
Manchester City akzeptiert die Entscheidung der Kommission nicht und hat fristgerecht Berufung eingelegt. Damit ist das Verfahren noch nicht endgültig abgeschlossen. Die Premier League bestätigte am 2. Oktober 2026 offiziell den Eingang der Berufung. Das weitere Verfahren vor dem unabhängigen Berufungsausschuss findet zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Kommission stellte schwere Verstöße fest
Eine unabhängige Kommission kam nach einem jahrelangen Verfahren zu dem Ergebnis, dass Manchester City über neun Spielzeiten hinweg gegen Finanzregeln der Premier League verstoßen hat.
Nach den Feststellungen der Kommission wurden zwischen den Spielzeiten 2009/10 und 2017/18 unter anderem Verträge verwendet, die nach Auffassung der Kommission nicht die tatsächlichen wirtschaftlichen Vereinbarungen widerspiegelten.
Dadurch sollen Einnahmen höher und Kosten niedriger dargestellt worden sein, als sie tatsächlich waren. Die Premier League beziffert das Volumen der dadurch beeinflussten Einnahmen und Kosten auf mehr als 900 Millionen britische Pfund. Außerdem stellte die Kommission Verstöße gegen Mitwirkungspflichten während der Untersuchung fest.
Diese Feststellungen sind von den weitergehenden Fragen zu unterscheiden, die nun möglicherweise Steuerbehörden und andere Institutionen beschäftigen werden.
Manchester City legt umfassende Berufung ein
Der Klub weist die Entscheidung zurück.
Manchester City erklärte, die Entscheidung enthalte nach seiner Auffassung wesentliche Fehler in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht. Deshalb wurde eine umfassende Berufung eingelegt.
Der Berufungsausschuss kann die Entscheidung bestätigen, verändern oder aufheben. Solange dieses Verfahren läuft, sollte deshalb nicht der Eindruck erweckt werden, sämtliche Feststellungen seien bereits endgültig und unanfechtbar.
Auch über mögliche sportliche Sanktionen ist noch nicht abschließend entschieden worden.
Nach den Regeln der Premier League kommen grundsätzlich unter anderem Geldstrafen, Punktabzüge und weitere sportliche Maßnahmen in Betracht. Welche Sanktionen Manchester City tatsächlich treffen könnten, steht derzeit jedoch noch nicht fest.
Jetzt geraten mögliche Steuerfolgen in den Blick
Die Angelegenheit könnte über das Sportrecht hinausreichen.
Meg Hillier, Vorsitzende des Finanzausschusses des britischen Parlaments, hat Fragen zu möglichen steuerlichen Auswirkungen der festgestellten Vorgänge aufgeworfen. Dabei geht es insbesondere darum, ob die britische Steuerbehörde HM Revenue and Customs die Erkenntnisse aus dem Verfahren berücksichtigen beziehungsweise näher untersuchen sollte.
Hintergrund sind unter anderem Überlegungen, ob bestimmte Zahlungen Auswirkungen auf Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge gehabt haben könnten.
Entscheidend ist jedoch: Aus den Feststellungen der Premier-League-Kommission folgt nicht automatisch, dass Manchester City auch gegen britisches Steuerrecht verstoßen hat.
Ob steuerrechtliche Verstöße vorliegen, müsste von den dafür zuständigen Stellen eigenständig geprüft und festgestellt werden.
Von einem bereits nachgewiesenen „Steuerbetrug“ sollte deshalb zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gesprochen werden.
Englischer Fußballverband prüft mögliche Folgen
Auch der englische Fußballverband FA beschäftigt sich inzwischen offiziell mit dem Fall.
Die FA erklärte am 2. Oktober, die Entscheidung der unabhängigen Kommission habe erhebliche Auswirkungen auf die Integrität des Fußballs. Der Verband prüfe deshalb die Entscheidung und deren Folgen sorgfältig und werde gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen.
Welche Maßnahmen das sein könnten, teilte die FA nicht mit.
Auch hier gilt deshalb: Eine Prüfung möglicher Konsequenzen ist noch keine Entscheidung über zusätzliche Sanktionen.
Fall erreicht die britische Politik
Mittlerweile wird die Affäre auch auf politischer Ebene diskutiert.
Dabei geht es nicht nur um mögliche finanzielle Verstöße, sondern auch um die grundsätzliche Frage, ob für wirtschaftlich besonders starke Fußballklubs dieselben Regeln konsequent durchgesetzt werden wie für andere Vereine.
Politische Stellungnahmen ändern allerdings nichts am rechtlichen Verfahren. Über Verstöße gegen die Regeln der Premier League entscheiden die dafür vorgesehenen unabhängigen Gremien. Steuerrechtliche Fragen wären wiederum Sache der zuständigen Behörden.
Diese unterschiedlichen Verfahren sollten deshalb nicht miteinander vermischt werden.
Was Manchester City jetzt drohen könnte
Für den Klub bestehen derzeit mehrere voneinander getrennte Risiken.
Zunächst läuft die Berufung gegen die Feststellungen der unabhängigen Kommission. Daneben steht die Entscheidung über mögliche Sanktionen der Premier League noch aus. Zusätzlich prüft die FA, ob sich aus dem Verfahren Konsequenzen für ihren Zuständigkeitsbereich ergeben.
Schließlich könnten die bekannt gewordenen Vorgänge auch für die britischen Steuerbehörden von Interesse sein.
Ob daraus tatsächlich weitere Verfahren oder Forderungen entstehen, steht bislang nicht fest.
Einer der bedeutendsten Finanzfälle im englischen Fußball
Schon jetzt hat der Fall eine außergewöhnliche Dimension. Die unabhängige Kommission hat schwerwiegende Verstöße gegen die Finanzregeln festgestellt und dabei Vorgänge über einen Zeitraum von neun Spielzeiten untersucht.
Manchester City bestreitet die Richtigkeit wesentlicher Feststellungen und versucht nun, die Entscheidung im Berufungsverfahren zu Fall zu bringen.
Deshalb ist eine klare juristische Unterscheidung wichtig: Es liegt eine Entscheidung der unabhängigen Premier-League-Kommission vor. Diese Entscheidung wird von Manchester City angefochten. Über die Berufung ist noch nicht entschieden. Ebenso stehen mögliche Sanktionen sowie mögliche steuerrechtliche Konsequenzen noch nicht endgültig fest.
Der Finanzfall ist damit keineswegs abgeschlossen. Im Gegenteil: Mit der Berufung, der Prüfung durch die FA und möglichen steuerrechtlichen Fragen beginnt nun eine weitere Phase eines der umfangreichsten Finanzverfahren im englischen Profifußball.