An der polnischen Ostseeküste beschäftigt eine ungewöhnliche Verschmutzung die Behörden. Auf einem Küstenabschnitt von knapp 50 Kilometern wurden schwarze, klebrige Klumpen an den Strand gespült. Betroffen ist das Gebiet zwischen Rowy und Wicie, besonders viele Rückstände wurden im Raum Ustka gefunden.
Inzwischen liegen Laborergebnisse vor. Damit ist zumindest ein Teil des Rätsels gelöst: Bei dem Material handelt es sich um eine erdölstämmige Substanz.
Was genau für ein Stoff angespült wurde und woher er stammt, konnte bislang jedoch nicht eindeutig festgestellt werden.
Schwarze Klumpen erstmals Ende September entdeckt
Die Verschmutzung wurde am 26. September von Spaziergängern im Bereich Ustka bemerkt. Anschließend wurden ähnliche Rückstände auch an weiteren Strandabschnitten gefunden.
Wegen der Verunreinigung wurden besonders betroffene Strände im Bereich von Ustka vorübergehend für Besucher gesperrt.
Mitarbeiter des Küstenschutzes sammelten die schwarzen Rückstände ein und verpackten sie zur fachgerechten Entsorgung in speziellen Behältnissen beziehungsweise Säcken.
Nach Abschluss eines Teils der Reinigungsarbeiten konnten bereits Strandabschnitte wieder freigegeben werden.
Die Behörden rechnen allerdings damit, dass das Meer in den kommenden Wochen weitere kleinere Rückstände anspülen könnte. Deshalb soll die Küste weiterhin kontrolliert werden.
Labor bestätigt Erdölbestandteile
Proben der Substanz wurden in einem Labor in Danzig untersucht.
Dabei konnte bestätigt werden, dass es sich um eine erdölstämmige Substanz handelt. Eine genaue Bestimmung des Materials war nach Angaben der zuständigen Seefahrtsbehörde jedoch nicht möglich.
Als Grund werden unter anderem Verunreinigungen der vom Strand entnommenen Proben genannt.
Die Aussage, niemand wisse, „was es ist“, wäre deshalb zu weitgehend. Bekannt ist die grundsätzliche Herkunft des Materials aus Erdölprodukten. Unbekannt sind dagegen die genaue Zusammensetzung und die Herkunft der Verschmutzung.
Kurzzeitiger Kontakt laut Untersuchung nicht gesundheitsgefährdend
Nach Angaben der zuständigen Behörde ergaben die Untersuchungen, dass ein kurzzeitiger Kontakt mit der Substanz keine Gefahr für Gesundheit und Leben darstellen soll.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Besucher die Klumpen anfassen sollten.
Wegen ihres erdölstämmigen Charakters behandeln die Behörden das Material als gefährlichen Abfall, der fachgerecht eingesammelt und entsorgt werden muss.
Wer entsprechende Rückstände am Strand entdeckt, sollte sie deshalb nicht selbst aufnehmen oder mit nach Hause nehmen, sondern den zuständigen Stellen melden.
Stammt die Verschmutzung von einem Schiff?
Besonders interessant ist die Frage nach dem Verursacher.
Eine der untersuchten Möglichkeiten ist, dass auf See Tanks eines Schiffes unerlaubt gereinigt worden sein könnten und dabei ölhaltige Rückstände ins Meer gelangten.
Die Behörden gingen Hinweisen auf ein möglicherweise infrage kommendes Schiff nach und ließen Proben nehmen.
Bislang konnte jedoch kein Zusammenhang zwischen einem bestimmten Schiff und den an den Stränden gefundenen Klumpen nachgewiesen werden.
Deshalb wäre es derzeit nicht zulässig, ein bestimmtes Schiff oder dessen Betreiber als Verursacher der Umweltverschmutzung darzustellen.
Die Ermittlungen zur Herkunft der Substanz dauern an.
Verursacher möglicherweise nur schwer festzustellen
Die Leiterin des Seefahrtsamts in Słupsk, Anna Sędzińska, hält es nach den veröffentlichten Angaben für möglich, dass die Ermittlungen am Ende keinen eindeutig nachweisbaren Verursacher ergeben.
Das bedeutet allerdings nicht, dass bereits feststeht, dass der Fall ungeklärt bleiben wird.
Die zuständigen Stellen versuchen weiterhin festzustellen, wie die erdölhaltige Substanz in die Ostsee gelangte.
Sollte ein Verantwortlicher zweifelsfrei ermittelt werden können, könnten sich daraus weitere rechtliche Konsequenzen ergeben. Zunächst muss dafür jedoch ein belastbarer Zusammenhang zwischen einer konkreten Handlung und der Verschmutzung nachgewiesen werden.
Auswirkungen auf die Ostsee noch nicht abschließend geklärt
Welche Folgen die Verschmutzung für Tiere, Pflanzen und das Ökosystem der betroffenen Küstenregion hat, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.
Die sichtbaren Rückstände werden eingesammelt. Kleinere Klumpen können sich jedoch weiterhin im Sand befinden oder erneut vom Meer angespült werden.
Für Urlauber und Anwohner gilt deshalb weiterhin: Schwarze oder klebrige Rückstände am Strand sollten nicht angefasst werden.
Der Fall ist damit nur teilweise aufgeklärt. Sicher ist inzwischen, dass die Klumpen aus einer erdölstämmigen Substanz bestehen. Ungeklärt bleiben dagegen ihre genaue Zusammensetzung, ihre Herkunft und die Frage, wer für die Verschmutzung der polnischen Ostseeküste verantwortlich ist.
