Für die finanziell angeschlagene Grube Teutschenthal im Saalekreis gibt es einen wichtigen Aufschub: Das Insolvenzverfahren soll nicht wie bislang erwartet Anfang Oktober, sondern erst Anfang November 2026 eröffnet werden.
Das bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT.
Damit gewinnt die Betreibergesellschaft Zeit für die Suche nach einer Lösung. Der Betrieb der Grube soll währenddessen weiterlaufen. Auch die rund 90 Beschäftigten sollen weiterhin ihr Gehalt erhalten.
Doch der Aufschub löst die grundlegenden Probleme nicht. Die entscheidende Frage bleibt: Kann für die Grube eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft gefunden werden – möglicherweise mit einem neuen Investor?
Insolvenzverfahren erst Anfang November
Ursprünglich war mit einer Verfahrenseröffnung Anfang Oktober gerechnet worden. Nun verschiebt sich dieser Zeitpunkt um rund einen Monat.
Nach Angaben Flöthers wird der Betrieb bis dahin fortgeführt.
Parallel soll geprüft werden, wie es mit dem Standort weitergehen kann. Als oberstes Ziel bezeichnete der Insolvenzverwalter gegenüber dem MDR den Erhalt des Standorts.
Dabei laufen offenbar auch Gespräche mit potenziellen Investoren. Konkrete Namen oder Einzelheiten zu diesen Gesprächen nannte Flöther nicht.
Der zusätzliche Monat könnte damit zu einem entscheidenden Zeitfenster werden: Gelingt eine Lösung, könnte der Betrieb möglicherweise fortgeführt werden. Scheitert die Suche, stellt sich umso dringlicher die Frage nach der langfristigen Sicherung des ehemaligen Bergwerks.
Rund 90 Arbeitsplätze hängen an der Grube
Für die Belegschaft bedeutet die Verschiebung zunächst etwas mehr Sicherheit.
Nach der aktuellen MDR-Berichterstattung beschäftigt die Grube rund 90 Mitarbeiter. Sie sollen während des verlängerten vorläufigen Verfahrens weiterhin bezahlt werden.
Bereits Ende August hatte sich die Belegschaft mit einem Brandbrief an die Landesregierung gewandt. Die Beschäftigten forderten eine schnelle Entscheidung über die Zukunft des Standorts.
Dabei geht es nicht nur um Arbeitsplätze. Die Grube erfüllt eine besondere Aufgabe bei der langfristigen Sicherung des ehemaligen Bergwerks.
Warum die Grube überhaupt gesichert werden muss
Teutschenthal blickt auf eine lange Bergbaugeschichte zurück. Zwischen 1905 und 1982 wurden dort Salz und Kali gewonnen.
Der Bergbau hinterließ große unterirdische Hohlräume.
Diese Hohlräume können langfristig die Stabilität des Untergrunds beeinträchtigen. Deshalb wird die Grube gesichert. Dazu werden Hohlräume mit mineralischen Materialien und bestimmten zugelassenen Abfällen verfüllt.
Ziel dieser Arbeiten ist es, Einstürze und Bodenbewegungen zu verhindern.
Damit unterscheidet sich der Fall von einer gewöhnlichen Unternehmensinsolvenz: Selbst wenn der bisherige Betreiber wirtschaftlich ausfallen sollte, verschwindet die Notwendigkeit der Grubensicherung nicht.
Insolvenzantrag bereits Ende Juli
Die finanziellen Schwierigkeiten sind seit dem Sommer öffentlich bekannt.
Ende Juli stellte die Betreibergesellschaft GTS Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH & Co. KG einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
Das Amtsgericht Halle (Saale) ordnete daraufhin die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Lucas Flöther bestellt.
Als wesentlicher Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurden deutlich gestiegene Kosten für die langfristige Sicherung des ehemaligen Bergwerks genannt.
Nach Unternehmensangaben entsprachen frühere geologisch-geotechnische Prognosen nicht mehr der heutigen Situation.
Auch Verhandlungen mit dem Land Sachsen-Anhalt über eine Finanzierungslösung führten zunächst nicht zu einer Einigung.
Jetzt richtet sich der Blick auf mögliche Investoren
Mit der Verschiebung der Verfahrenseröffnung bekommt die Suche nach einer Zukunftslösung zusätzliche Zeit.
Nach Angaben des Insolvenzverwalters gibt es Interessenten. Gespräche mit möglichen Investoren laufen demnach bereits.
Wie konkret diese Gespräche sind, ist derzeit allerdings offen. Weder Namen möglicher Interessenten noch finanzielle Eckpunkte einer denkbaren Lösung wurden genannt.
Damit wäre es verfrüht, bereits von einer Rettung der Grube zu sprechen.
Der zusätzliche Monat schafft vor allem eines: Zeit für Verhandlungen.
Ob daraus tatsächlich eine dauerhafte Fortführung entsteht, bleibt abzuwarten.
Was passiert, wenn sich keine Lösung findet?
Genau hier könnte der Fall auch für das Land Sachsen-Anhalt von erheblicher Bedeutung werden.
Flöther erklärte gegenüber dem MDR, dass das Land nach seiner Auffassung einspringen müsse, sollte die Grube nicht weiterbetrieben und stillgelegt werden.
Denn unabhängig von der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens muss die Sicherheit des ehemaligen Bergwerks gewährleistet bleiben.
Bereits im Sommer war deshalb über mögliche erhebliche finanzielle Risiken für Sachsen-Anhalt diskutiert worden.
Eine frühere Hochrechnung des Wirtschaftsministeriums hatte für ein bestimmtes Szenario Kosten von etwa 130 Millionen Euro genannt. Das Ministerium erklärte allerdings gegenüber dem MDR, die tatsächlich möglicherweise auf die Steuerzahler zukommenden Kosten seien noch nicht abschätzbar.
Die Zahl von 130 Millionen Euro ist deshalb nicht als bereits feststehende Rechnung des Landes zu verstehen, sondern als frühere Kostenschätzung für ein mögliches Szenario.
Ein Monat mehr – aber noch keine Rettung
Die Verschiebung des Insolvenzverfahrens ist für die Grube und ihre Beschäftigten zunächst eine positive Nachricht.
Der Betrieb kann weiterlaufen. Die rund 90 Beschäftigten erhalten weiter Gehalt. Und Insolvenzverwalter Flöther gewinnt zusätzliche Zeit, um mit Interessenten über eine mögliche Zukunft des Standorts zu sprechen.
Die entscheidenden wirtschaftlichen Probleme sind dadurch allerdings nicht beseitigt.
Noch ist nicht bekannt, ob tatsächlich ein Investor einsteigen wird, unter welchen Bedingungen eine Fortführung möglich wäre und wie die langfristige Finanzierung der Sicherungsarbeiten aussehen könnte.
Auch über eine mögliche Beteiligung des Landes an einer zukünftigen Lösung ist damit noch nichts entschieden.