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Stabile Erträge, aber spürbare Mittelabflüsse – HAL Euro High Yield Corporate Bonds im Anlegercheck

geralt (CC0), Pixabay

Der HAL Euro High Yield Corporate Bonds, der seit dem 15. Juni 2026 unter dem Namen Bethmann HAL Euro High Yield Corporate Bonds geführt wird, schloss das Geschäftsjahr vom 1. Juni 2025 bis zum 31. Mai 2026 mit einer positiven Wertentwicklung ab. Die Anteilklasse IA erzielte nach BVI-Methode eine Rendite von 2,89 %. Der aktiv gemanagte Rentenfonds investiert überwiegend in auf Euro lautende Unternehmensanleihen aus dem High-Yield-Segment und akzeptiert dabei Ratings bis mindestens B-/B3. Damit richtet sich das Produkt grundsätzlich an Anleger, die für höhere laufende Erträge auch erhöhte Bonitäts- und Kursschwankungsrisiken in Kauf nehmen können.

Positiv fällt insbesondere die solide Ertragsbasis des Portfolios auf. Im Geschäftsjahr erwirtschaftete der Fonds Zinserträge und sonstige laufende Erträge von insgesamt 2,49 Mio. Euro. Nach Aufwendungen verblieb ein ordentlicher Nettoertrag von rund 2,01 Mio. Euro. Zusätzlich erzielte das Management aus Wertpapierverkäufen einen realisierten Gewinnsaldo von rund 276.000 Euro. Dem standen allerdings negative Veränderungen bei den nicht realisierten Gewinnen und Verlusten von insgesamt rund 932.000 Euro gegenüber. Unter dem Strich erreichte der Fonds damit ein Jahresergebnis von 1,36 Mio. Euro. Das zeigt, dass der laufende Zins- beziehungsweise „Carry“-Ertrag des Portfolios robust war, ein Teil davon jedoch durch Kursbelastungen der gehaltenen Anleihen aufgezehrt wurde.

Für einkommensorientierte Anleger ist zudem die Ausschüttung interessant. Für das Geschäftsjahr sind insgesamt rund 2,01 Mio. Euro beziehungsweise 4,18 Euro je Anteil zur Ausschüttung vorgesehen. Gleichzeitig werden gut 3,1 Mio. Euro auf neue Rechnung vorgetragen. Die Ausschüttung sollte allerdings nicht zusätzlich zur ausgewiesenen BVI-Wertentwicklung von 2,89 % gerechnet werden, da die BVI-Methode Ausschüttungen bereits berücksichtigt.

Weniger positiv entwickelt sich das Fondsvolumen. Das Nettofondsvermögen sank von 54,79 Mio. Euro auf 48,57 Mio. Euro, entsprechend einem Rückgang von rund 11 %. Entscheidend hierfür waren jedoch nicht in erster Linie Anlageverluste, sondern Netto-Mittelabflüsse von 5,44 Mio. Euro sowie die Ausschüttung für das Vorjahr von 2,26 Mio. Euro. Anteilscheinverkäufen von 11,91 Mio. Euro standen Rücknahmen von 17,35 Mio. Euro gegenüber. Damit haben Anleger netto fast 10 % des zu Jahresbeginn vorhandenen Fondsvermögens abgezogen. Anhaltende Mittelabflüsse wären künftig zu beobachten, da ein schrumpfendes Fondsvolumen langfristig die Wirtschaftlichkeit eines Fonds beeinträchtigen und bei größeren Rückgaben zusätzlichen Liquiditäts- und Verkaufsdruck erzeugen kann.

Das Portfolio selbst erscheint dagegen vergleichsweise breit diversifiziert. Zum Stichtag entfielen 96,58 % des Fondsvermögens auf Anleihen, während rund 2 % als Bankguthaben gehalten wurden. Die größten Einzelpositionen machten jeweils lediglich rund 1,7 bis 2,1 % des Fondsvermögens aus. Die größte Position war eine Anleihe von Mundys mit 2,07 %, gefolgt von einer deutschen Bundesobligation mit 1,84 %, Air France-KLM mit 1,82 %, Benteler mit 1,75 % und Eurofins Scientific mit 1,72 %. Dadurch ist das Risiko eines einzelnen Emittentenausfalls begrenzt. Zudem kam es im gesamten Berichtszeitraum zu keinem Ausfall eines Emittenten.

Auffällig sind allerdings die aktiven Veränderungen in der Branchen- und Länderallokation. Der Anteil von Automobilwerten wurde deutlich von etwa 6 % auf 11,3 % erhöht, während Chemiewerte von 9,2 % auf 4,7 % reduziert wurden. Gleichzeitig wurde der Technologiesektor von etwa 1 % auf 4,7 % ausgebaut. Bei der regionalen Aufteilung stieg Deutschland von 8,5 % auf 13,5 %, während Frankreich zwar reduziert wurde, mit 29,6 % aber weiterhin ein bedeutendes Gewicht besitzt. Für Anleger erhöht insbesondere die stärkere Gewichtung des zyklischen Automobilsektors die Abhängigkeit von Konjunktur, Konsumnachfrage und Unternehmensbonität.

Das Fondsmanagement hat außerdem die Laufzeiten der Anleihen erhöht. Die modifizierte Duration stieg auf 4,18. Damit dürfte der Fonds stärker auf Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus reagieren als zuvor. Sinkende Marktzinsen könnten sich positiv auf die Anleihekurse auswirken, während erneut steigende Zinsen entsprechend stärkere Kursverluste verursachen würden. Hinzu kommt das typische High-Yield-Risiko: Verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation einzelner Emittenten, können sich deren Risikoaufschläge erheblich ausweiten oder im Extremfall Zahlungsausfälle eintreten. Der Fondsbericht nennt entsprechend Markt-, Zins-, Emittenten-, Liquiditäts- und Konzentrationsrisiken als wesentliche Risikofaktoren.

Das ausgewiesene Risikoprofil erscheint dennoch kontrolliert. Der relative Value-at-Risk lag während des Geschäftsjahres im Durchschnitt bei 82,9 % des Vergleichsvermögens, bei einem Maximum von 104,8 %. Die regulatorisch zulässige Obergrenze liegt bei 200 %. Der Fonds setzte zum Geschäftsjahresende keine Derivate ein; das Derivate-Exposure betrug 0 Euro. Damit resultierte das Risiko im Wesentlichen aus dem eigentlichen Anleiheportfolio und nicht aus zusätzlichen derivativen Hebelpositionen.

Die Kosten liegen auf einem Niveau, das bei der Bewertung der Rendite berücksichtigt werden sollte. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,97 % pro Jahr. Davon entfallen wesentliche Teile auf Fondsmanagement- und Verwaltungsvergütungen. Positiv ist, dass weder Ausgabeaufschlag noch Rücknahmeabschlag oder Performance Fee vorgesehen sind. Bei einer Jahresperformance von 2,89 % ist eine laufende Kostenbelastung von knapp 1 % dennoch materiell. Die ausgewiesene Fondsrendite ist bereits nach Kosten berechnet, dennoch müssen Anleger beurteilen, ob das aktive Management langfristig einen ausreichenden Mehrwert gegenüber kostengünstigeren High-Yield-ETFs oder Indexfonds erzielen kann.
Aus Sicht der Rechnungslegung gibt es keinen erkennbaren Warnhinweis. Der unabhängige Abschlussprüfer KPMG kommt zu dem Ergebnis, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den Vorschriften des KAGB entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse und Entwicklungen des Fonds vermittelt.

Fazit aus Anlegersicht

Insgesamt liefert der Fonds für das Geschäftsjahr ein solides, aber nicht herausragendes Ergebnis. Positiv sind die stabile Zinsertragsbasis, die hohe Diversifikation, die attraktive Ausschüttung, das Ausbleiben von Zahlungsausfällen und die kontrollierte Risikopositionierung. Kritischer zu beurteilen sind dagegen die Netto-Mittelabflüsse, die gestiegene Zinssensitivität, die deutlich höhere Gewichtung des Automobilsektors sowie die Kostenquote von knapp 1 %.

Für Anleger, die regelmäßige Ausschüttungen suchen und bewusst in europäische High-Yield-Unternehmensanleihen investieren möchten, kann der Fonds interessant sein. Er sollte jedoch eher als renditeorientierter Anleihebaustein mit erhöhtem Kreditrisiko und nicht als defensiver Ersatz für Staats- oder Investment-Grade-Anleihen betrachtet werden. Für die zukünftige Beurteilung werden insbesondere die weitere Entwicklung der Mittelabflüsse, die Ausfallraten im High-Yield-Markt und die Frage entscheidend sein, ob das aktive Management nach Kosten dauerhaft einen Mehrwert gegenüber seinem Marktsegment erzielen kann.

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