Der MARTAGON Solid Plus verfolgt einen defensiven Multi-Asset-Ansatz mit dem Ziel, langfristig eine aktiennahe Rendite bei deutlich geringerer Schwankungsintensität zu erzielen. Der Fonds wird aktiv und ohne feste Benchmark gesteuert. Zum Ende des Geschäftsjahres am 31. Mai 2026 bestand das Fondsvermögen von rund 224,96 Mio. Euro überwiegend aus verzinslichen Wertpapieren. Diese machten 74,70 % des Fondsvermögens aus, während 8,72 % in Aktien-ETFs investiert waren. Hinzu kamen hohe Bankguthaben von 16,70 %. Die Derivatepositionen wiesen zum Stichtag einen Marktwert von –0,64 % des Fondsvermögens auf. Damit ist das Portfolio deutlich defensiver aufgestellt als ein klassischer Aktienfonds.
Besonders positiv fällt die Wertentwicklung der Anteilklasse I auf. Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte sie eine Performance von 4,53 % bei einer Jahresvolatilität von lediglich 4,06 %. Die neu aufgelegte Anteilklasse P erreichte seit ihrer Auflegung im November 2025 eine Performance von 2,26 % bei 5,00 % Volatilität. Damit gelang es insbesondere der I-Klasse, eine ansprechende Rendite mit relativ geringen Schwankungen zu verbinden. Genau dies entspricht dem erklärten Anlageziel des Fonds. Die Entwicklung des Anteilwertes bestätigt zudem eine längerfristig positive Tendenz: Der Wert der I-Klasse stieg von 814,58 Euro zum 31.05.2023 auf 986,94 Euro zum 31.05.2026.
Die Ertragsstruktur ist aus Anlegersicht interessant. Neben den laufenden Zinserträgen erzielt der Fonds einen erheblichen Teil seines Ergebnisses durch den systematischen Verkauf von Optionen auf DAX und Euro STOXX 50. Das Management nennt die vereinnahmten Optionsprämien selbst als größten positiven Performancebeitrag. Bei der I-Klasse wurden im Geschäftsjahr laufende Erträge von rund 3,97 Mio. Euro erzielt. Nach Kosten verblieb ein ordentlicher Nettoertrag von rund 2,63 Mio. Euro. Hinzu kamen netto 6,34 Mio. Euro aus realisierten Veräußerungsgeschäften, sodass das realisierte Jahresergebnis bei rund 8,96 Mio. Euro und das gesamte Ergebnis bei rund 9,51 Mio. Euro lag. Die Ergebnisqualität erscheint damit insgesamt solide und basiert nicht ausschließlich auf noch nicht realisierten Kursgewinnen.
Ein weiterer positiver Aspekt ist der deutliche Mittelzufluss. In der Anteilklasse I flossen netto rund 40,0 Mio. Euro neue Anlegergelder zu. Zusammen mit dem positiven Jahresergebnis erhöhte sich ihr Fondsvermögen von rund 171,99 Mio. Euro auf 220,73 Mio. Euro. Dies zeigt eine wachsende Nachfrage nach der Strategie, sollte allerdings nicht mit Anlageerfolg verwechselt werden: Ein erheblicher Teil des Vermögenswachstums stammt aus neuen Anlegergeldern und nicht ausschließlich aus Wertsteigerungen.
Bei den Kosten zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Anteilklassen. Die Gesamtkostenquote beträgt bei der I-Klasse moderate 0,64 %, bei der P-Klasse dagegen 1,22 %. Eine erfolgsabhängige Vergütung fällt nicht an. Zusätzlich beträgt der Ausgabeaufschlag 1 % bei der I-Klasse und 3 % bei der P-Klasse; die Verwaltungsvergütung liegt bei 0,57 % beziehungsweise 1,07 % pro Jahr. Allerdings verlangt die günstigere I-Klasse eine Mindestanlage von 100.000 Euro. Für Privatanleger ist daher insbesondere die P-Klasse relevant, deren deutlich höhere Kosten einen spürbaren Teil der erwarteten Rendite aufzehren können.
Das wichtigste Risiko liegt in der Optionsstrategie. Der Fonds verkauft regelmäßig Put-Optionen und vereinnahmt dafür Prämien. In normalen oder moderat fallenden Märkten kann diese Strategie stabilisierend wirken. Bei starken und schnellen Kursverlusten können jedoch erhebliche Belastungen entstehen, da die verkauften Put-Optionen an Wert gewinnen und Aktienmarktrisiken übernommen werden müssen. Der Bericht nennt ausdrücklich Vega-, Delta- und Gamma-Risiken. Gleichzeitig bestehen Zins-, Spread- und Kreditrisiken aus dem umfangreichen Anleiheportfolio. Positiv ist, dass der Fonds keine Anlagehebel einsetzt und aufgrund seiner liquiden Anleihen, ETFs und hohen Bankguthaben über eine komfortable Liquiditätsposition verfügt.
Aus Anlegersicht hinterlässt der MARTAGON Solid Plus daher insgesamt einen positiven, aber nicht risikolosen Eindruck. Die I-Klasse hat im Berichtsjahr mit 4,53 % Rendite bei nur 4,06 % Volatilität überzeugend abgeschnitten und das defensive Anlagekonzept erfolgreich umgesetzt. Das breit gestreute Anleiheportfolio, hohe Liquiditätsreserven und regelmäßige Optionsprämien sorgen für Stabilität. Gleichzeitig darf der scheinbar geringe Schwankungsgrad nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stillhalterstrategie insbesondere in extremen Börsenphasen überproportionale Risiken bergen kann.
Fazit: Für Anleger, die eine deutlich ruhigere Alternative zu einer reinen Aktienanlage suchen und dafür auf einen Teil des langfristigen Aktienmarktpotenzials verzichten können, erscheint der Fonds interessant. Besonders attraktiv wirkt aufgrund der niedrigeren Kosten die I-Klasse, sofern die hohe Mindestanlage erfüllt werden kann. Die P-Klasse ist aufgrund ihrer TER von 1,22 % und des Ausgabeaufschlags von 3 % kritischer zu beurteilen. Insgesamt zeigt der Jahresbericht einen solide gemanagten defensiven Fonds mit überzeugendem Risiko-Rendite-Verhältnis, wobei das Fehlen einer Benchmark die objektive Beurteilung der tatsächlichen Managementleistung erschwert. Der geprüfte Jahresbericht wurde vom Abschlussprüfer ohne Beanstandungen hinsichtlich der maßgeblichen gesetzlichen Anforderungen beurteilt.