Dark Mode Light Mode

Trumps Kandidatin für oberstes US-Gesundheitsamt gerät wegen Impfstoff-Aussagen unter Druck

AbsolutVision (CC0), Pixabay

Eine intensive Befragung im US-Senat sorgt in den sozialen Netzwerken für Diskussionen. Im Mittelpunkt steht die Ärztin Nicole Saphier, die Präsident Donald Trump für das Amt der Surgeon General nominiert hat. Während ihrer Anhörung musste sie wiederholt beantworten, ob die MMR-Impfung Autismus verursache.

Die MMR-Impfung schützt gegen Masern, Mumps und Röteln. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Impfung und Autismus wurde in umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen nicht festgestellt. Dennoch wird die längst widerlegte Behauptung in den USA weiterhin verbreitet.

Saphier ist Radiologin mit Schwerpunkt Brustdiagnostik und seit 2018 als medizinische Kommentatorin für Fox News tätig. Als Surgeon General wäre sie eine der wichtigsten öffentlichen Stimmen der amerikanischen Gesundheitspolitik.

Senator verlangt eindeutige Antwort

Der republikanische Senator Bill Cassidy, selbst Arzt und Vorsitzender des zuständigen Senatsausschusses, fragte Saphier zunächst nach den Ursachen von Autismus.

Die Kandidatin erklärte, sie wisse nicht, was Autismus verursache. Sie habe jedoch keine reproduzierbaren Belege dafür gesehen, dass Impfungen die Entwicklungsstörung auslösten.

Cassidy genügte diese Formulierung nicht. Er wollte ausdrücklich wissen, ob Saphier Eltern versichern könne, dass es keine glaubwürdigen wissenschaftlichen Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus gebe.

Saphier begann erneut mit einer vorsichtigen Antwort. Daraufhin unterbrach Cassidy sie. Bei diesem Thema dürfe es keinen sprachlichen Spielraum geben, weil frühere Kandidaten mehrdeutige Aussagen später genutzt hätten, um eine impfkritische Politik zu rechtfertigen.

Saphier widerspricht Trump bei MMR-Impfung

Cassidy konfrontierte die Kandidatin außerdem mit einer früheren Äußerung Trumps, wonach die MMR-Impfung äußerst tödlich sei.

Saphier wollte die Worte des Präsidenten nicht direkt kommentieren. Als Ärztin könne sie jedoch sagen, dass sie den Impfstoff nicht für tödlich halte. Die MMR-Impfung sei das wichtigste verfügbare Mittel zur Bekämpfung der Masern.

Auf Cassidys erneute Frage, ob die Impfung Autismus verursache, antwortete sie schließlich deutlicher: Sie glaube nicht, dass Impfungen im Kindesalter Autismus auslösen.

Das Wortgefecht verbreitete sich anschließend rasch in den sozialen Netzwerken. Einige Nutzer warfen Saphier vor, einer wissenschaftlich klar beantworteten Frage zunächst ausgewichen zu sein. Andere empfanden ihre Aussagen bereits von Anfang an als eindeutig und kritisierten Cassidys wiederholtes Nachfragen.

Masernfälle erreichen höchsten Stand seit Jahrzehnten

Die Debatte findet vor einem ernsten gesundheitspolitischen Hintergrund statt. Die Vereinigten Staaten erleben derzeit den größten Wiederanstieg der Masern seit mehr als drei Jahrzehnten. Als entscheidender Faktor gelten sinkende Impfquoten.

Selbst Mehmet Oz, der innerhalb der Trump-Regierung die Behörde für die staatlichen Gesundheitsprogramme Medicare und Medicaid leitet, hat Eltern öffentlich dazu aufgefordert, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen.

Medizinische Fachgesellschaften bewerten die MMR-Impfung seit Jahrzehnten als sicher und wirksam. Millionen Kinder haben sie erhalten. Schwere Nebenwirkungen sind selten. Die Risiken einer Masernerkrankung sind dagegen erheblich und reichen von Lungenentzündungen bis zu Gehirnentzündungen und Todesfällen.

In Pennsylvania wurden im laufenden Jahr bereits vier Todesfälle im Zusammenhang mit Masern gemeldet. Einzelne Fälle lösten politische Auseinandersetzungen aus, nachdem Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. zunächst Zweifel daran geäußert hatte, ob das Virus tatsächlich die Todesursache gewesen sei.

Masern sind extrem ansteckend

Infektionsmediziner warnen davor, selbst einen scheinbar kleinen Rückgang der Impfquote zu unterschätzen. Masern gehören zu den ansteckendsten bekannten Infektionskrankheiten.

Ein einziges ungeimpftes Kind kann in einer Schule mit vielen weiteren ungeimpften Schülern innerhalb kurzer Zeit einen größeren Ausbruch auslösen. Das Virus verbreitet sich über die Luft und kann noch übertragen werden, nachdem eine infizierte Person einen Raum bereits verlassen hat.

Damit ein wirksamer Gemeinschaftsschutz entsteht, muss ein sehr hoher Anteil der Bevölkerung immun sein. Sinkt die Impfquote, entstehen Lücken, in denen sich das Virus rasch ausbreiten kann.

Medizinische Verbände kritisieren Regierungskurs

Führende medizinische Organisationen werfen der Trump-Regierung vor, mit widersprüchlichen Aussagen die Unsicherheit gegenüber Impfungen zu verstärken. Auch Pläne, die Zahl der offiziell empfohlenen Kinderimpfungen zu reduzieren, werden kritisch gesehen.

Die Fachverbände warnen, politische Zweifel an der Sicherheit etablierter Impfstoffe könnten dazu führen, dass Eltern notwendige Impfungen aufschieben oder vollständig ablehnen. Dadurch werde es schwieriger, bestehende Ausbrüche einzudämmen.

Die Diskussion in den sozialen Netzwerken zeigt, wie emotional das Thema inzwischen geführt wird. Einige Eltern autistischer Kinder verteidigten Saphier und wiesen darauf hin, dass Autismus nicht durch eine elterliche Entscheidung zur Impfung verursacht werde. Andere hielten trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse an einem möglichen Zusammenhang fest.

Cassidy warnt vor zusätzlicher Verwirrung

Zum Ende der Anhörung fragte Cassidy, ob Eltern ihre Kinder mit dem MMR-Impfstoff schützen lassen sollten.

Saphier antwortete, die Impfung sei das beste verfügbare Mittel, um Masern, Mumps und Röteln zu bekämpfen, Menschenleben zu retten und einen Gemeinschaftsschutz aufzubauen. Gleichzeitig zeigte sie Verständnis für Trumps Versuch, impfskeptische Menschen anzusprechen, die weitere Antworten verlangten.

Cassidy widersprach. Menschen mit Zweifeln erreiche man nicht, indem man unwahre Behauptungen indirekt bestätige. Verwirrung lasse sich nicht beseitigen, indem weitere Unklarheit geschaffen werde. Die notwendige Botschaft müsse eindeutig lauten: Die MMR-Impfung verursacht keinen Autismus.

Saphier erklärte abschließend, Impfstoffe retteten Leben und gehörten zu den stärksten Instrumenten des öffentlichen Gesundheitsschutzes.

Anhörung wird zum Glaubwürdigkeitstest

Die Auseinandersetzung zeigt, vor welcher Aufgabe Saphier im Fall ihrer Bestätigung stehen würde. Als Surgeon General müsste sie medizinische Erkenntnisse verständlich vermitteln und zugleich in einer Regierung arbeiten, deren führende Vertreter wiederholt Zweifel an etablierten Impfempfehlungen geäußert haben.

Ihre fachliche Aussage war am Ende eindeutig: Sie hält die MMR-Impfung nicht für tödlich, sieht keinen Zusammenhang zwischen Kinderimpfungen und Autismus und bezeichnet Impfungen als zentralen Schutz vor gefährlichen Infektionskrankheiten.

Die Kontroverse entstand vor allem deshalb, weil sie mehrere Anläufe benötigte, um diese Position ohne Einschränkungen auszusprechen. In einer Zeit wachsender Impfskepsis kann bereits eine vorsichtige Formulierung politische Wirkung entfalten.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Ehemaliger „American Idol“-Kandidat wegen Mordes an seiner Ehefrau vor Gericht

Next Post

Rüstungsproduktion in Leipzig: Was über das Covenant-Werk bekannt ist – und was noch nicht