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Sanieren im Schnellverfahren: Vonovia testet in Hamburg Häuserfassaden aus der Fabrik

geralt (CC0), Pixabay

Ganze Fassadenteile schweben am Kran vor das Gebäude, die Wärmedämmung ist bereits eingebaut und selbst die neuen Fenster kommen fertig montiert auf die Baustelle: In Hamburg-Lurup erprobt der Wohnungskonzern Vonovia ein Sanierungsverfahren, mit dem ältere Wohngebäude deutlich schneller energetisch modernisiert werden sollen. Statt einzelne Dämmplatten Stück für Stück an der Außenwand anzubringen, setzt das Unternehmen auf industriell vorgefertigte Holzelemente.

Das Ziel ist ambitioniert: Wohnungen sollen schneller modernisiert werden, der Energiebedarf der Gebäude soll sinken und die Belastung für die Bewohner während der Bauarbeiten möglichst gering bleiben.

In der Katzbachstraße in Hamburg-Lurup lässt sich derzeit beobachten, wie das funktionieren soll.

Eine neue Fassade kommt am Kran

Kern des Verfahrens ist die sogenannte serielle Sanierung. Dabei werden große Teile der neuen Gebäudehülle nicht erst auf der Baustelle hergestellt, sondern zuvor industriell gefertigt.

Die in Lurup eingesetzten Holzelemente sind rund sechs Meter lang und zweieinhalb Meter hoch. Sie enthalten bereits die Wärmedämmung und werden mit einem Kran vor die bestehende Hauswand gehoben. Zwei Arbeiter befestigen anschließend das Element am Gebäude.

Auch die Fenster sind bereits in die neuen Fassadenteile integriert. Nachdem das Element montiert wurde, können die alten Fenster entfernt werden.

Damit unterscheidet sich das Verfahren deutlich von einer klassischen Fassadensanierung, bei der zahlreiche Arbeitsschritte unmittelbar am Gebäude stattfinden.

Neun Monate statt zwei Jahre

Vor allem bei der Bauzeit verspricht sich Vonovia erhebliche Vorteile. Insgesamt 74 Wohnungen in der Katzbachstraße werden mit dem Verfahren energetisch saniert.

Nach Angaben des Unternehmens soll das Projekt rund neun Monate dauern. Bei einer herkömmlichen Sanierung wären demnach etwa zwei Jahre erforderlich.

Vonovia-Regionalbereichsleiterin Anne Werner sieht darin einen wichtigen Vorteil für die Bewohner. Kürzere Bauzeiten bedeuten schließlich auch, dass die Mieter weniger lange mit Baulärm, Schmutz und anderen Einschränkungen leben müssen.

Die Geschwindigkeit entsteht vor allem dadurch, dass ein Teil der Arbeiten von der Baustelle in die industrielle Produktion verlagert wird. Die Fassadenelemente für das Hamburger Projekt werden in Estland vorgefertigt und anschließend zur Baustelle transportiert.

Serielles Sanieren nach dem Baukastenprinzip

Das Grundprinzip ist nicht völlig neu. Beim seriellen Sanieren werden Gebäude zunächst genau vermessen. Auf Grundlage dieser Daten können Fassaden-, Dach- oder Technikmodule passgenau geplant und anschließend in einer Produktionsstätte vorgefertigt werden.

Auf der eigentlichen Baustelle müssen die fertigen Komponenten dann hauptsächlich noch montiert werden.

Die Hamburger Stadtverwaltung beschreibt als mögliche Vorteile solcher Verfahren kürzere Montagezeiten und einen geringeren Aufwand auf der Baustelle. Durch größere Projekte und standardisierte Abläufe könnten zudem Prozesse effizienter gestaltet werden.

Gerade angesichts einer großen Zahl älterer Wohngebäude könnte die Methode interessant werden. Denn die energetische Modernisierung des Gebäudebestands gilt als eine der großen Herausforderungen auf dem Weg zu niedrigeren CO₂-Emissionen.

Noch ist die neue Methode nicht billiger

Einen entscheidenden Haken gibt es allerdings: Kostengünstiger als eine herkömmliche Dämmung mit anschließendem Verputzen ist das in Hamburg eingesetzte Verfahren bislang nicht.

Vonovia setzt deshalb auf Skaleneffekte. Wenn künftig deutlich mehr Fassadenelemente industriell hergestellt werden, könnten größere Stückzahlen die Kosten reduzieren.

Damit entscheidet sich ein wesentlicher Teil des Erfolgs des Konzepts erst in der Zukunft. Schneller zu bauen ist ein Vorteil – für einen Einsatz in großem Maßstab muss das Verfahren aber auch wirtschaftlich konkurrenzfähig sein.

Vonovia will weitere Hamburger Wohnungen sanieren

Das Projekt in Lurup soll deshalb kein Einzelfall bleiben. Vonovia besitzt in Hamburg rund 11.000 Wohnungen und will die serielle Sanierung auch bei weiteren Gebäuden einsetzen.

Nach Angaben des Unternehmens besteht das Ziel darin, den Hamburger Gebäudebestand bis 2040 nahezu klimaneutral zu gestalten. Das serielle Sanieren soll dazu beitragen, Modernisierungen schneller umzusetzen.

Auch die Hamburger Politik setzt auf solche Ansätze. Die Stadt will die Sanierungsrate im Gebäudebestand erhöhen und nennt ausdrücklich serielle Sanierungen sowie industriell vorgefertigte Fassadenelemente als mögliche Instrumente.

Vom Pilotprojekt zur Sanierung in Serie?

Das Projekt in Lurup zeigt damit, wie sich energetisches Sanieren in den kommenden Jahren verändern könnte. Statt jedes Gebäude über Monate oder Jahre nahezu vollständig auf der Baustelle zu bearbeiten, könnten immer mehr Arbeitsschritte in Fabriken verlagert werden.

Für die Bewohner wäre der Unterschied unmittelbar spürbar: kürzere Bauzeiten, weniger Lärm und weniger Schmutz. Für Wohnungsunternehmen könnte die industrielle Vorfertigung wiederum interessant werden, wenn sich damit große Gebäudebestände schneller modernisieren lassen.

Ob daraus tatsächlich ein neues Standardverfahren für die Wohnungswirtschaft wird, dürfte allerdings wesentlich von den Kosten abhängen. Noch ist die serielle Methode nicht günstiger als das herkömmliche Dämmen und Verputzen.

Vonovia setzt darauf, dass sich das mit steigenden Stückzahlen ändert. Gelingt das, könnte aus dem Hamburger Projekt mehr werden als ein einzelner Versuch: ein Modell dafür, wie Tausende ältere Wohnungen schneller für eine klimaneutrale Zukunft fit gemacht werden können.

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