Bei der Windpark Ostervesede Beteiligungs GmbH hat sich die Bilanz innerhalb eines Jahres grundlegend verändert. Die Finanzanlagen der Bremer Gesellschaft stiegen 2025 von lediglich 5.000 Euro auf 1,512 Millionen Euro. Parallel dazu wurde eine Kapitalrücklage von 1,5 Millionen Euro aufgebaut.
Die Bilanzsumme sprang dadurch von nur 9.059,53 Euro Ende 2024 auf 1.517.278,22 Euro zum Jahresende 2025. Damit ist die Gesellschaft bilanziell in eine völlig andere Größenordnung vorgestoßen.
Das operative Ergebnis fällt gegenüber diesen Veränderungen klein aus: Für 2025 weist die Gesellschaft einen Jahresfehlbetrag von 3.767 Euro aus. Im Vorjahr hatte der Verlust bei 2.870 Euro gelegen.
Finanzanlagen wachsen um mehr als 1,5 Millionen Euro
Die mit Abstand größte Veränderung findet sich auf der Aktivseite.
Ende 2024 waren lediglich Finanzanlagen von 5.000 Euro ausgewiesen. Ein Jahr später stehen dort 1.512.000 Euro.
Das entspricht einem Anstieg um 1.507.000 Euro.
Nach den Bilanzierungsangaben handelt es sich bei den Finanzanlagen um Anteile an verbundenen Unternehmen. Diese werden grundsätzlich zu Anschaffungskosten bewertet; soweit erforderlich, ist ein niedrigerer beizulegender Wert anzusetzen.
Damit unterscheidet sich die Bilanzstruktur deutlich von der eines klassischen Windparkbetreibers, der Windenergieanlagen unmittelbar als Sachanlagevermögen in seiner Bilanz führt.
Die Windpark Ostervesede Beteiligungs GmbH weist vielmehr eine Beteiligung an einem verbundenen Unternehmen als wesentlichen Vermögenswert aus.
Kapitalrücklage steigt auf 1,5 Millionen Euro
Die Finanzierung des Bilanzsprungs wird auf der Passivseite sichtbar.
Dort erscheint 2025 erstmals eine Kapitalrücklage von 1,5 Millionen Euro. Im Vorjahr war noch keine Kapitalrücklage ausgewiesen.
Damit stehen sich zwei fast gleich hohe Veränderungen gegenüber: Die Finanzanlagen erhöhten sich um 1,507 Millionen Euro, während die Kapitalrücklage um 1,5 Millionen Euro anwuchs.
Der Abschluss selbst erläutert allerdings nicht näher, welche konkrete Transaktion hinter diesen Veränderungen steht. Deshalb lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht zweifelsfrei ableiten, von wem die 1,5 Millionen Euro eingebracht wurden oder für welchen konkreten Beteiligungserwerb beziehungsweise welche Beteiligungsaufstockung die Mittel verwendet wurden.
Fest steht lediglich: Sowohl die Beteiligungswerte als auch die Eigenkapitalausstattung der Gesellschaft wurden 2025 massiv erhöht.
Ausstehende Einlage vollständig erbracht
Hinzu kommt eine weitere Veränderung beim Stammkapital.
Das gezeichnete Kapital beträgt unverändert 25.000 Euro. Ende 2024 war davon allerdings erst die Hälfte eingefordert beziehungsweise eingezahlt. In der Bilanz standen 12.500 Euro als nicht eingeforderte ausstehende Einlage, sodass lediglich ein eingefordertes Kapital von 12.500 Euro ausgewiesen wurde.
Ende 2025 beträgt das eingeforderte Kapital dagegen die vollen 25.000 Euro. Die zuvor noch ausgewiesenen 12.500 Euro an nicht eingeforderten Einlagen sind verschwunden.
Auch diese Veränderung stärkte die Eigenkapitalbasis.
Eigenkapital springt von 6.875 Euro auf 1,516 Millionen Euro
Insgesamt erhöhte sich das ausgewiesene Eigenkapital innerhalb eines Jahres von 6.875,03 Euro auf 1.515.608,03 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs von rund 1,509 Millionen Euro.
Der enorme Anstieg beruht allerdings nicht auf erwirtschafteten Gewinnen. Im Gegenteil: Die Gesellschaft schrieb auch 2025 rote Zahlen.
Entscheidend für die höhere Eigenkapitalausstattung waren vielmehr die neu ausgewiesene Kapitalrücklage von 1,5 Millionen Euro und die Veränderung beim eingeforderten Kapital.
Damit ist bei der Interpretation der Zahlen eine klare Trennung notwendig: Das kräftig gestiegene Eigenkapital ist kein Hinweis auf einen entsprechend hohen Jahresgewinn.
Jahresverlust steigt um gut 31 Prozent
Beim Ergebnis verschlechterte sich die Lage gegenüber dem Vorjahr.
Die Windpark Ostervesede Beteiligungs GmbH weist für 2025 einen Jahresfehlbetrag von 3.767 Euro aus. 2024 waren es 2.870 Euro.
Damit erhöhte sich der Verlust um 897 Euro beziehungsweise rund 31,3 Prozent.
Zusätzlich steht ein Verlustvortrag von 5.624,97 Euro in der Bilanz. Im Vorjahr waren es 2.754,97 Euro.
Die Veränderung um exakt 2.870 Euro entspricht dem Jahresfehlbetrag des Jahres 2024, der in das folgende Geschäftsjahr vorgetragen wurde.
Verlustvortrag und aktueller Jahresfehlbetrag summieren sich Ende 2025 damit auf 9.391,97 Euro.
Angesichts der Kapitalrücklage von 1,5 Millionen Euro haben diese Verluste auf die prozentuale Eigenkapitalausstattung derzeit allerdings nur einen geringen Einfluss.
Eigenkapitalquote liegt bei fast 100 Prozent
Die Gesellschaft ist Ende 2025 nahezu vollständig durch Eigenkapital finanziert.
Bei einer Bilanzsumme von 1.517.278,22 Euro und einem Eigenkapital von 1.515.608,03 Euro ergibt sich rechnerisch eine Eigenkapitalquote von rund 99,9 Prozent.
Lediglich 1.470,19 Euro entfallen auf Rückstellungen und weitere 200 Euro auf Verbindlichkeiten.
Die ausgewiesenen Verbindlichkeiten haben vollständig eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.
Bankkredite oder andere größere Fremdfinanzierungen sind in der vorgelegten Bilanz nicht zu erkennen.
Liquide Mittel steigen leicht
Neben den Finanzanlagen besitzt die Gesellschaft nur einen vergleichsweise kleinen Bestand an liquiden Mitteln.
Die Guthaben bei Kreditinstituten beziehungsweise sonstigen flüssigen Mittel erhöhten sich von 4.059,53 Euro auf 5.278,22 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs von 1.218,69 Euro oder rund 30 Prozent.
Gemessen an der Bilanzsumme spielen diese Mittel jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Rund 99,7 Prozent der gesamten Aktivseite entfallen Ende 2025 auf die Finanzanlagen.
Die Windpark Ostervesede Beteiligungs GmbH ist damit bilanziell nahezu vollständig auf ihre Beteiligung ausgerichtet.
Rückstellungen gehen zurück
Bei den übrigen Passivposten gab es nur kleinere Veränderungen.
Die Rückstellungen verringerten sich von 1.984,50 Euro auf 1.470,19 Euro. Das entspricht einem Rückgang von gut 514 Euro beziehungsweise rund 26 Prozent.
Die kurzfristigen Verbindlichkeiten blieben dagegen unverändert bei lediglich 200 Euro.
Damit stehen dem Eigenkapital von mehr als 1,5 Millionen Euro nur Fremdpositionen von zusammen rund 1.670 Euro gegenüber.
Beteiligungsgesellschaft gehört zum wpd-Konzern
Die Windpark Ostervesede Beteiligungs GmbH hat ihren Sitz in Bremen und wird beim Amtsgericht Bremen unter HRB 39765 HB geführt.
Sie ist nach den Angaben im Anhang in den Konzernabschluss der wpd GmbH mit Sitz in Bremen einbezogen.
Als Geschäftsführer wird für das Geschäftsjahr 2025 Dr. Gernot Blanke genannt. Der Jahresabschluss wurde am 13. Januar 2026 unterzeichnet und am 20. April 2026 festgestellt.
Die Gesellschaft wird handelsrechtlich weiterhin als kleine Kapitalgesellschaft gemäß § 267 HGB eingestuft.
Bilanzsprung deutet auf entscheidendes Beteiligungsjahr hin
Der Jahresabschluss 2025 markiert für die Windpark Ostervesede Beteiligungs GmbH einen deutlichen Einschnitt.
Noch Ende 2024 war die Gesellschaft mit einer Bilanzsumme von rund 9.100 Euro bilanziell ausgesprochen klein. Zwölf Monate später stehen mehr als 1,5 Millionen Euro in der Bilanz.
Dabei fällt die Struktur der Veränderung besonders ins Auge: Die Finanzanlagen stiegen um 1,507 Millionen Euro, gleichzeitig entstand eine Kapitalrücklage von 1,5 Millionen Euro und das zuvor noch nicht eingeforderte Stammkapital von 12.500 Euro wurde vollständig berücksichtigt.
Damit wurde die Gesellschaft 2025 erheblich kapitalisiert und ihre Beteiligungsposition massiv ausgebaut.
Was genau hinter der Aufstockung der Finanzanlagen steht, lässt sich aus dem veröffentlichten Jahresabschluss jedoch nicht bestimmen. Angaben zum betroffenen verbundenen Unternehmen, zur Beteiligungshöhe oder zu den wirtschaftlichen Hintergründen der Transaktion fehlen.
Ebenso lässt sich aus den Zahlen nicht unmittelbar auf Umsatz, Stromproduktion oder wirtschaftlichen Erfolg eines Windparks Ostervesede schließen. Die vorliegende Bilanz betrifft eine Beteiligungsgesellschaft und weist keine Windenergieanlagen als Sachanlagevermögen aus.