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Neobroker-Boom in Österreich: Depots wachsen um 14 Prozent – Beschwerden explodieren

GDJ (CC0), Pixabay

Das zeigt der am 15. September 2026 veröffentlichte Bankenvertriebsbericht 2026 der österreichischen Finanzmarktaufsicht FMA.

Die Zahlen dokumentieren, wie stark Smartphone, Onlinehandel, ETFs und Sparpläne inzwischen den Zugang zum Kapitalmarkt verändern. Vor allem Zweigniederlassungen ausländischer Anbieter treiben das Wachstum.

2,87 Millionen Wertpapierdepots

2025 wurden bei österreichischen Kreditinstituten insgesamt 2,87 Millionen Wertpapierdepots geführt – 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

Als wesentlichen Wachstumstreiber identifiziert die FMA digitale und onlinebasierte Geschäftsmodelle. Insbesondere Zweigniederlassungen ausländischer Anbieter konnten kräftig zulegen.

Das zeigt sich deutlich an den Marktanteilen.

Europäische Anbieter mit Zweigstellen in Österreich steigerten ihren Anteil innerhalb nur eines Jahres von 13 auf 20 Prozent. Damit haben sie sämtlichen anderen Sektoren Marktanteile abgenommen.

Gleichzeitig bleibt der Markt konzentriert: Die fünf größten Institute verwalten zusammen rund 1,2 Millionen Depots und kommen damit auf einen Marktanteil von etwa 43 Prozent.

Neobroker zwingen klassische Banken zum digitalen Umbau

Für FMA-Vorständin Mariana Kühnel ist die Digitalisierung der entscheidende Türöffner für eine stärkere Beteiligung am Kapitalmarkt – insbesondere für jüngere Menschen.

Neobanken und Neobroker hätten der Branche vor Augen geführt, welche Bedeutung einfach bedienbare Smartphone-Apps, ETFs und Sparpläne inzwischen besitzen.

Der Wettbewerb wirkt damit über die eigentlichen Neobroker hinaus. Auch etablierte Banken stehen unter Druck, ihre digitalen Angebote weiterzuentwickeln.

Bemerkenswert ist aus Sicht der FMA zudem, wer diese Entwicklung vorantreibt.

Nicht die großen amerikanischen Technologiekonzerne dominieren den Wandel. Nach Einschätzung von FMA-Vorstand Helmut Ettl sind es vielmehr europäische Neobanken und Neobroker, die die Möglichkeiten des europäischen Binnenmarktes nutzen und grenzüberschreitend expandieren.

Banken verdienen 1,87 Milliarden Euro mit Wertpapierprovisionen

Der Wertpapierboom schlägt sich inzwischen deutlich in den Erträgen der Kreditinstitute nieder.

Die Netto-Wertpapierprovisionserträge stiegen 2025 um 15 Prozent auf 1,87 Milliarden Euro.

Damit wuchsen die Provisionserträge sogar etwas stärker als die Zahl der Depots.

Für die Banken wird das Wertpapiergeschäft damit wirtschaftlich bedeutender – obwohl gerade Neobroker den Markt mit preisgünstigen und häufig beratungsfreien Angeboten unter Druck setzen.

Schattenseite des Booms: 70 Prozent mehr Beschwerden

Doch mit der wachsenden Zahl von Anlegern steigen auch die Probleme.

Österreichische Kreditinstitute registrierten 2025 insgesamt 140.747 Beschwerden. Das waren 17 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Besonders auffällig entwickelt sich ausgerechnet der boomende Wertpapierbereich.

Die Zahl der Beschwerden über Wertpapierdienstleistungen stieg um 70 Prozent auf 9.096 Fälle.

Damit wuchsen die Beschwerden in diesem Segment fünfmal so schnell wie die Zahl der Wertpapierdepots.

Auch bei der FMA selbst melden sich nach Angaben von Mariana Kühnel Verbraucher mit Problemen rund um Neobroker und Onlinebanken. Bei grenzüberschreitend tätigen Instituten arbeitet die österreichische Finanzaufsicht mit den zuständigen Behörden im jeweiligen Heimatland zusammen.

Billiger handeln bedeutet auch mehr Eigenverantwortung

Die FMA sieht allerdings nicht nur die Anbieter in der Verantwortung.

Der Trend geht zunehmend zu günstigen Angeboten, bei denen Anleger ihre Investitionsentscheidungen ohne persönliche Beratung treffen. Damit verlagert sich ein größerer Teil der Verantwortung auf die Kunden selbst.

Gleichzeitig sieht die Finanzaufsicht ein wachsendes Informationsproblem.

Über soziale Netzwerke verbreiteten sich teilweise mangelhafte Informationen und von der FMA als „Finanzmärchen“ bezeichnete Behauptungen. Die Behörde will deshalb ihre Verbraucherinformationen weiter ausbauen.

Der Neobroker-Boom demokratisiert damit zwar den Zugang zum Wertpapierhandel – er verlangt von Anlegern aber gleichzeitig mehr Finanzwissen und Eigenverantwortung.

Auch Verbraucherkredite wachsen

Der Bankenvertriebsbericht zeigt daneben eine deutliche Expansion bei Verbraucherkrediten.

Das aushaftende Volumen erhöhte sich 2025 um 6,8 Prozent auf 22,5 Milliarden Euro.

Ab November 2026 erhält die FMA in diesem Bereich zusätzliche Aufsichtsbefugnisse. Für 2027 kündigt die Behörde verstärkte Prüfmaßnahmen an.

Weniger Betrugsfälle – aber höhere Schäden

Eine weitere Entwicklung bereitet der Finanzaufsicht Sorgen: Betrug im Zahlungsverkehr.

Zwar sinkt die Zahl der einzelnen Betrugsfälle, gleichzeitig steigt jedoch das finanzielle Gesamtvolumen.

Besonders relevant werden Betrugsformen, bei denen Verbraucher manipuliert werden und eine Zahlung anschließend selbst autorisieren. Damit verschiebt sich das Problem zunehmend von technisch nicht autorisierten Transaktionen hin zu Fällen, in denen Kriminelle ihre Opfer gezielt zur Freigabe einer Überweisung bewegen.

Europas Neobroker verändern den österreichischen Finanzmarkt

Der Bankenvertriebsbericht zeichnet damit ein zweigeteiltes Bild.

Auf der einen Seite steht ein kräftig wachsender Kapitalmarkt für Privatanleger: 2,87 Millionen Depots, 14 Prozent Wachstum und ein Marktanteil von bereits 20 Prozent für Zweigstellen europäischer Anbieter.

Auf der anderen Seite wachsen die Herausforderungen. Besonders die 70 Prozent mehr Beschwerden bei Wertpapierdienstleistungen zeigen, dass die Digitalisierung nicht nur mehr Menschen an den Kapitalmarkt bringt, sondern auch neue Anforderungen an Anbieter, Aufsicht und Anleger stellt.

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