Der Tafel Leipzig e. V. hilft Menschen, die nur wenig Geld zum Leben haben. Gleichzeitig steht der Verein selbst unter finanziellem Druck. Vor allem Kraftstoff, Transporte, Logistik und die Entsorgung nicht mehr verwendbarer Lebensmittel kosten viel Geld.
Eine 9. Klasse der Christian-Gottlob-Frege-Oberschule wollte das nicht einfach hinnehmen. Die Schülerinnen und Schüler hatten von den finanziellen Problemen des Tafel Leipzig e. V. erfahren und reichten eine Petition bei der Stadt ein. Sie wollten erreichen, dass die Stadt Leipzig prüft, wie sie dem Tafel Leipzig e. V. helfen kann.
Am 2. September 2026 beschäftigte sich der Leipziger Stadtrat mit dieser Petition.
Warum wollte das Sozialdezernat die Petition zunächst ablehnen?
Besonders interessant ist die ursprüngliche Haltung des Sozialdezernats der Stadt Leipzig. Das Dezernat empfahl zunächst, die Petition abzulehnen.
Die Begründung klingt kompliziert, lässt sich aber einfach erklären:
Nach Auffassung der Stadt gibt es bereits staatliche Sozialleistungen für Menschen, die nicht genügend Geld zum Leben haben. Dazu gehören beispielsweise Leistungen nach dem SGB II, Sozialhilfe und Grundsicherung nach dem SGB XII sowie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.
Diese staatlichen Leistungen sollen nach ihrem gesetzlichen Zweck so hoch sein, dass die Betroffenen damit ihren notwendigen Lebensunterhalt bezahlen können. Dazu gehören auch Lebensmittel.
Die Argumentation der Verwaltung bedeutet vereinfacht:
Wer staatliche Sozialleistungen bekommt, soll davon grundsätzlich auch Lebensmittel bezahlen können. Die Versorgung mit Lebensmitteln gehört zur staatlichen sozialen Sicherung. Die Stadt darf Menschen deshalb nicht einfach darauf verweisen, sich zusätzlich Lebensmittel bei einem privaten Hilfsverein wie dem Tafel Leipzig e. V. zu holen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Stadt behauptet hat, der Tafel Leipzig e. V. sei überflüssig oder dürfe nicht unterstützt werden.
Der entscheidende Gedanke der Verwaltung war vielmehr: Der Staat darf seine gesetzliche Verantwortung für die Sicherung des Lebensunterhalts nicht einfach auf einen privaten Verein, dessen Spender und ehrenamtliche Helfer übertragen.
Genau an dieser Stelle zeigt sich jedoch ein deutlicher Unterschied zwischen dem gesetzlichen Anspruch und der Wirklichkeit vieler Menschen.
Wenn die vorhandenen Sozialleistungen für jeden Betroffenen tatsächlich problemlos ausreichen würden, stellt sich die Frage, warum so viele Menschen zusätzlich die Tafeln aufsuchen. Gerade wenn Lebensmittel, Energie, Miete und andere notwendige Ausgaben teuer sind, kann das monatlich verfügbare Geld sehr knapp werden.
Der Tafel Leipzig e. V. ist deshalb für viele Menschen eine wichtige und ganz praktische Hilfe im Alltag.
Petitionsausschuss wollte dem Tafel Leipzig e. V. helfen
Der Petitionsausschuss des Leipziger Stadtrates folgte der ablehnenden Empfehlung des Sozialdezernats nicht.
Er stellte fest, dass der Tafel Leipzig e. V. einen wichtigen Beitrag zur sozialen Versorgung bedürftiger Menschen leistet. Gleichzeitig entstehen dem Verein erhebliche laufende Kosten.
Lebensmittel müssen bei Geschäften und Unternehmen abgeholt werden. Dafür werden Fahrzeuge benötigt. Kraftstoff, Versicherungen und Reparaturen kosten Geld. Die Lebensmittel müssen anschließend transportiert, sortiert und verteilt werden. Waren, die nicht mehr verwendet werden können, müssen außerdem ordnungsgemäß entsorgt werden.
Deshalb soll geprüft werden, wie die Stadt dem Tafel Leipzig e. V. rechtssicher und dauerhaft helfen kann.
Unter anderem soll die Stadtreinigung Leipzig Gespräche mit dem Tafel Leipzig e. V. führen. Dabei soll geprüft werden, ob eine feste Zusammenarbeit möglich ist. Zusätzlich sollen mögliche Zuschüsse zu den Transport- und Entsorgungskosten untersucht werden.
Deutliche Mehrheit im Stadtrat für die Prüfung
CDU-Stadtrat Julian Schröder wollte dagegen der ursprünglichen Haltung der Verwaltung folgen. Er argumentierte unter anderem damit, dass der Petitionsausschuss nicht das zuständige Gremium sei, um über städtische Förderungen zu entscheiden. Außerdem äußerte er die Sorge, dass künftig weitere Projekte versuchen könnten, über Petitionen eine Förderung durch die Stadt zu erhalten.
Im Stadtrat fand diese Position jedoch keine Mehrheit.
Der Antrag, der ablehnenden Haltung der Verwaltung zu folgen, wurde mit 11 zu 43 Stimmen abgelehnt.
Der Vorschlag des Petitionsausschusses wurde dagegen mit 45 zu 11 Stimmen angenommen.
Damit bekommt der Tafel Leipzig e. V. noch nicht automatisch einen bestimmten Geldbetrag. Die Stadt muss nun aber prüfen, welche konkrete und rechtlich mögliche Unterstützung sie dem Tafel Leipzig e. V. gewähren kann.
Zum Tafel-Tag ein wichtiges Zeichen aus Leipzig
Die Diskussion bekommt zum heutigen Tafel-Tag eine besondere Bedeutung.
Denn der Tafel Leipzig e. V. kann anderen Menschen nur helfen, wenn der Verein selbst ausreichend Unterstützung erhält. Lebensmittelspenden allein reichen dafür nicht aus.
Fahrzeuge müssen unterhalten und betankt werden. Versicherungen und Reparaturen müssen bezahlt werden. Lebensmittel müssen abgeholt, transportiert, gelagert, sortiert und verteilt werden. Auch die Entsorgung nicht mehr verwendbarer Lebensmittel verursacht Kosten.
Gleichzeitig zeigt die große Bedeutung der Tafeln, dass viele Menschen trotz staatlicher Sozialleistungen zusätzliche Unterstützung benötigen.
Deshalb sind nicht nur Politik und Stadtverwaltung gefragt. Auch Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen können helfen.
Wer finanziell dazu in der Lage ist, kann dem Tafel Leipzig e. V. mit einer Geldspende helfen. Dabei muss es keine große Summe sein. Viele kleine Spenden können zusammen viel bewirken.
Auch Lebensmittelspenden und ehrenamtliches Engagement sind wichtig.
Unser Appell zum heutigen Tafel-Tag lautet deshalb: Wer etwas geben kann, sollte helfen.
Hinter jeder Lebensmittelausgabe stehen Menschen, deren Geld für das tägliche Leben kaum oder nicht vollständig reicht. Gleichzeitig stehen hinter jeder ausgegebenen Lebensmittelkiste Menschen, die ihre Zeit einsetzen, Waren abholen und sortieren, Fahrzeuge fahren und dafür sorgen, dass die Hilfe tatsächlich dort ankommt, wo sie benötigt wird.
Der Tafel Leipzig e. V. verdient deshalb nicht nur Anerkennung für seine Arbeit. Der Verein braucht auch ganz konkrete Unterstützung.
Gerade am Tafel-Tag kann jeder überlegen, ob er einen kleinen Beitrag leisten kann. Denn aus vielen kleinen Hilfen kann am Ende eine große Hilfe für Menschen werden, die sie dringend benötigen.
Spendenkonto:
Tafel Leipzig e.V.
Sparkasse Leipzig
IBAN DE46860555921101000500
Verwendungszweck: TAFELHELD