Noch sind es mehrere Monate bis Weihnachten, doch auf deutschen Weihnachtsbaumplantagen entscheidet sich bereits jetzt, wie das Angebot in den kommenden Jahren aussehen könnte. Vor allem Hitze und anhaltende Trockenheit setzen jungen Nordmanntannen erheblich zu. Auf einzelnen Plantagen sind bereits zahlreiche frisch gepflanzte Bäume vertrocknet.
Besonders betroffen sind junge Bäume, deren Wurzelsystem noch nicht tief genug entwickelt ist, um längere Trockenperioden gut zu überstehen. Was heute auf den Feldern abstirbt, könnte deshalb erst Jahre später für Verbraucher spürbar werden: Eine Nordmanntanne braucht schließlich mehrere Jahre, bis sie die typische Größe eines Weihnachtsbaums erreicht.
Junge Nordmanntannen vertrocknen
Wie ernst die Lage auf einzelnen Flächen ist, zeigt eine Weihnachtsbaumplantage in der Nähe von Wolframs-Eschenbach im Landkreis Ansbach. Während ältere Nordmanntannen dort kräftig grün und bereits für den späteren Verkauf geeignet sind, bietet sich auf anderen Flächen ein völlig anderes Bild.
Dort sind kleine Nordmanntannen von der Hitze schwer geschädigt worden. Die etwa 20 Zentimeter hohen Bäume sind teilweise vollständig braun geworden. Nach Einschätzung des Produzenten fehlte ihnen vor allem Wasser. Die Pflanzen hatten im Frühjahr zunächst noch ausgetrieben, konnten die anschließende Belastung durch Sonne und Trockenheit aber nicht verkraften.
Rund 20 Prozent Ausfall auf einer Plantage erwartet
Besonders problematisch ist die Größenordnung. Auf einer der betroffenen Plantagen wurden 2023 rund 11.000 junge Nordmanntannen gepflanzt. Nach Einschätzung des Produzenten könnten mindestens 20 Prozent der Bäume ausfallen.
Noch ist allerdings nicht bei jeder geschädigten Tanne klar, ob sie tatsächlich verloren ist. Einige könnten sich erholen. Entscheidend wird auch sein, wie sich die Witterung im kommenden Jahr entwickelt. Folgen erneut ausgeprägte Hitze- und Trockenperioden, dürfte sich die Situation weiter verschärfen.
Die Folgen zeigen sich erst Jahre später
Für Weihnachtsbaumkäufer ist das Problem besonders tückisch: Die Auswirkungen eines extrem trockenen Sommers werden nicht unbedingt sofort an den Verkaufsständen sichtbar.
Von der jungen Pflanze bis zum verkaufsfertigen Weihnachtsbaum vergehen Jahre. Sterben heute viele Jungpflanzen ab, fehlen diese Bäume deshalb erst in einigen Jahren im Angebot. Ein geringeres Angebot kann wiederum Auswirkungen auf die Preise haben.
Dass dieser Effekt tatsächlich auftreten kann, zeigt das Trockenjahr 2018. Die damaligen Verluste bei den Produzenten wirken nach Angaben eines Weihnachtsbaumerzeugers noch heute nach.
Weihnachtsbäume bereits teurer
Verbraucher müssen schon in diesem Jahr mit höheren Preisen rechnen. Nach den Angaben im vorliegenden Bericht kosten Weihnachtsbäume im Durchschnitt zwei bis drei Euro mehr.
Damit wird die Frage wichtiger, ob die klassische Nordmanntanne langfristig weiterhin in der bisherigen Menge und zu gewohnten Preisen angeboten werden kann. Ein einzelner heißer Sommer bedeutet noch keinen Abschied vom Weihnachtsbaum. Wiederholen sich extreme Trockenjahre jedoch häufiger, können sich die Ausfälle über mehrere Pflanzgenerationen summieren.
Für Produzenten bedeutet das ein besonderes wirtschaftliches Risiko: Sie investieren heute in Pflanzen, die erst viele Jahre später verkauft werden können. Ob diese Jungbäume die kommenden Sommer überstehen, lässt sich zum Zeitpunkt der Pflanzung kaum sicher vorhersagen.
Ist ein Plastikbaum die bessere Lösung?
Mit steigenden Preisen und zunehmenden Klimaproblemen interessieren sich manche Verbraucher für künstliche Weihnachtsbäume. Doch aus ökologischer Sicht ist ein Plastikbaum nicht automatisch die bessere Alternative.
Nach Einschätzung des im Ausgangsbericht zitierten Vereins Bayerische Christbaumanbauer müsste ein künstlicher Baum mindestens 15 bis 20 Jahre verwendet werden, damit seine CO₂-Bilanz mit der eines natürlichen Weihnachtsbaums vergleichbar wird. Problematisch sei, dass künstliche Bäume in der Praxis teilweise schon nach einigen Jahren ersetzt würden.
Weihnachtsbaum im Topf als Alternative?
Eine weitere Möglichkeit ist der Weihnachtsbaum im Topf. Die Idee klingt zunächst einfach: Der Baum steht während der Feiertage im Wohnzimmer und wird anschließend in den Garten gepflanzt.
Doch auch dabei gibt es Schwierigkeiten. Steht eine Nordmanntanne zwei oder drei Wochen bei rund 22 Grad in einem beheizten Wohnzimmer, kann sie die Wärme bereits als Beginn des Frühlings interpretieren und sich auf einen neuen Austrieb einstellen. Wird sie anschließend unmittelbar wieder winterlichen Temperaturen ausgesetzt, kann sie Frostschäden erleiden.
Ein Baum im Topf müsste deshalb langsam wieder an niedrigere Temperaturen gewöhnt werden. Außerdem sollte er nicht zu lange in warmen Räumen und möglichst nicht unmittelbar neben einer Heizung stehen. Unter diesen Voraussetzungen kann ein Weihnachtsbaum im Topf durchaus eine Alternative darstellen.
Klimawandel wird zur langfristigen Herausforderung für Produzenten
Die Entwicklung zeigt, dass Weihnachtsbaumproduzenten zunehmend mit Wetterrisiken umgehen müssen. Gerade bei einer Kultur, deren Produktionszyklus viele Jahre umfasst, können einzelne Extremjahre lange nachwirken.
Die Weihnachtsbäume für die kommenden Festtage sind deshalb nicht unbedingt das größte Problem. Entscheidend ist vielmehr, wie viele der heute jungen Nordmanntannen die nächsten Jahre überstehen.
Sollten heiße und trockene Sommer häufiger auftreten, könnten höhere Ausfallquoten, steigende Produktionskosten und ein kleineres Angebot langfristig auch bei den Verbrauchern ankommen. Schon das Trockenjahr 2018 zeigt, wie lange sich solche Schäden bemerkbar machen können.
Ein Ende des klassischen Weihnachtsbaums ist damit keineswegs besiegelt. Doch für die Produzenten wird jede neu gepflanzte Nordmanntanne zunehmend zu einer langfristigen Wette auf ausreichend Regen und erträgliche Sommertemperaturen.