Honig gehört zu den beliebtesten Lebensmitteln in Deutschland. Rund 87.000 Tonnen werden jährlich verbraucht. Gleichzeitig sind die Preise für heimischen Imkerhonig deutlich gestiegen. Während ein Glas Honig vom Imker inzwischen häufig etwa acht Euro kostet, stehen in Supermärkten und Discountern Produkte für weniger als drei Euro im Regal. Diese erheblichen Preisunterschiede werfen die Frage auf, wie derart günstige Angebote zustande kommen und ob sich tatsächlich ausschließlich Honig im Glas befindet.
Honig ist ein streng definiertes Naturprodukt
Honig entsteht, wenn Bienen Blütennektar oder Honigtau sammeln, körpereigene Stoffe hinzufügen, die Flüssigkeit verändern und schließlich in den Waben einlagern und reifen lassen. Das fertige Produkt besteht vor allem aus verschiedenen Zuckerarten, insbesondere Fruktose und Glukose, sowie Wasser und kleineren Mengen weiterer natürlicher Bestandteile.
Nach der deutschen Honigverordnung dürfen einem als Honig verkauften Produkt keine anderen Stoffe zugesetzt werden. Wird beispielsweise industriell hergestellter Zuckersirup beigemischt und das Produkt trotzdem als reiner Honig verkauft, handelt es sich um eine unzulässige Verfälschung.
Warum billiger Sirup für Fälscher interessant ist
Der wirtschaftliche Anreiz für eine Verfälschung kann beträchtlich sein. Echter Honig ist vergleichsweise aufwendig zu erzeugen. Die Menge hängt unter anderem von der Zahl und Gesundheit der Bienenvölker, dem Wetter, dem Blütenangebot und den Erntebedingungen ab.
Industrielle Sirupe können dagegen wesentlich billiger und in großen Mengen hergestellt werden. Zur Verfälschung kommen beispielsweise Sirupe auf Basis von Reis, Weizen oder Zuckerrüben infrage. Werden solche Stoffe mit echtem Honig vermischt, kann der Anteil des teureren Naturprodukts reduziert werden.
Der finanzielle Unterschied kann erheblich sein. Nach Angaben der Verbraucherzentrale lag der durchschnittliche EU-Importpreis für Honig 2021 bei 2,17 Euro pro Kilogramm, während beispielsweise Reissirup lediglich etwa 40 bis 60 Cent kostete.
Verfälschter Honig ist kein theoretisches Problem
Kontrollen auf europäischer Ebene haben bereits erhebliche Auffälligkeiten festgestellt. Bei der von der Europäischen Kommission koordinierten Aktion „From the Hives“ wurden 2021 und 2022 insgesamt 320 verdächtige Proben von importiertem Honig an den EU-Grenzen untersucht.
Bei 46 Prozent der untersuchten Proben wurden Verstöße gegen die Anforderungen festgestellt. Besonders auffällig waren bestimmte Lieferungen aus Drittstaaten. Von 89 untersuchten Proben aus China wurden beispielsweise 66 beanstandet beziehungsweise als verdächtig eingestuft.
Diese Zahlen bedeuten allerdings nicht, dass 46 Prozent des gesamten in Deutschland oder der EU verkauften Honigs verfälscht sind. Die Untersuchung war nicht repräsentativ für das gesamte Marktangebot. Die Proben wurden gezielt im Rahmen einer Kontrollaktion untersucht.
Deutschland ist stark auf Honigimporte angewiesen
Ein Grund für die Bedeutung des Problems liegt in der Herkunft des hier verkauften Honigs. Die deutsche Produktion kann die Nachfrage nicht vollständig decken. Heimischer Honig deckt nach Angaben der Verbraucherzentralen nur ungefähr 30 Prozent des deutschen Bedarfs.
Ein großer Teil des Honigs muss deshalb importiert werden. Zu den Herkunftsländern zählen unter anderem die Ukraine, Argentinien, Mexiko und Rumänien.
Gerade bei großen Mengen und langen internationalen Lieferketten ist eine zuverlässige Rückverfolgbarkeit wichtig. Honig kann von Erzeugern über Händler und Abfüller bis zum Supermarkt mehrere Stationen durchlaufen.
Moderne Fälschungen sind schwer zu erkennen
Für Verbraucher besteht ein besonderes Problem darin, dass sich gestreckter Honig normalerweise nicht durch Anschauen, Riechen oder Probieren zuverlässig erkennen lässt.
Ein entsprechend hergestellter Sirup kann hinsichtlich Süße, Farbe und Konsistenz echtem Honig sehr ähnlich sein. Die Verbraucherzentrale weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass Verbraucher gestreckten Honig nicht selbst zuverlässig identifizieren können.
Selbst für spezialisierte Labore können moderne Verfälschungen anspruchsvoll sein. Insbesondere bestimmte Sirupe aus Reis, Weizen oder Zuckerrüben lassen sich nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen nur schwer nachweisen.
Neben dem Beimischen von Sirup existieren weitere Manipulationsmöglichkeiten. Zusatz- oder Farbstoffe können beispielsweise dazu dienen, Eigenschaften des Produkts zu verändern. Auch das Entfernen von Pollen kann problematisch sein, weil Pollen Hinweise auf die botanische und geografische Herkunft eines Honigs liefern können.
Niedriger Preis ist noch kein Beweis für gepanschten Honig
Trotz dieser Probleme sollte günstiger Honig nicht automatisch als Fälschung betrachtet werden. Ein niedriger Verkaufspreis allein beweist keine Verfälschung.
Große Handelsunternehmen kaufen enorme Mengen ein und verfügen über andere Einkaufs- und Vertriebsstrukturen als kleine Imkereien. Importhonig kann außerdem aus Ländern mit niedrigeren Produktionskosten stammen. Eigenmarken benötigen teilweise weniger Marketingaufwand, und Mischungen verschiedener Honige ermöglichen ebenfalls eine andere Kalkulation.
Ein Glas für weniger als drei Euro kann deshalb nicht allein aufgrund seines Preises als gepanscht bezeichnet werden. Allerdings kann ein extrem niedriger Preis Anlass sein, Herkunft und Kennzeichnung besonders genau zu betrachten.
Neue Regeln sollen die Herkunft transparenter machen
Ein weiteres Problem war lange die wenig aussagekräftige Herkunftskennzeichnung. Auf vielen Produkten standen lediglich allgemeine Formulierungen über Mischungen von Honig aus verschiedenen EU- und Nicht-EU-Ländern. Für Verbraucher war daraus kaum ersichtlich, aus welchen Ländern der Honig tatsächlich kam.
Seit dem 14. Juni 2026 gelten nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen strengere Vorgaben. Bei Honigmischungen müssen die Ursprungsländer auf der Verpackung angegeben und entsprechend ihrem Gewichtsanteil in absteigender Reihenfolge aufgeführt werden.
Aufgrund von Übergangsregelungen können allerdings weiterhin Produkte mit der früheren Kennzeichnung im Handel stehen, sofern sie zuvor rechtmäßig hergestellt und gekennzeichnet wurden.
Damit soll es künftig leichter werden nachzuvollziehen, woher der Inhalt eines Honigglases stammt.
Ein Problem für Verbraucher und ehrliche Imkereien
Bei der Verfälschung von Honig geht es nicht nur darum, ob der zugesetzte Sirup gesundheitlich problematisch ist. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die untersuchten Zuckerzusätze nicht zwangsläufig ein unmittelbares Gesundheitsrisiko darstellen.
Das entscheidende Problem ist vielmehr die Täuschung: Verbraucher bezahlen für Honig, erhalten aber möglicherweise ein Produkt, das teilweise aus deutlich billigerem Sirup besteht.
Gleichzeitig entsteht ein Wettbewerbsproblem. Ein Imker, der echten Honig produziert, kann seine Kosten nicht beliebig reduzieren. Werden auf dem internationalen Markt vermeintliche Honigprodukte angeboten, deren Preis durch billige Fremdzucker künstlich gedrückt wird, geraten seriöse Erzeuger wirtschaftlich unter Druck.
Damit wird Honigverfälschung auch zu einem Problem für die Imkereiwirtschaft.
Was Verbraucher beim Kauf beachten können
Eine hundertprozentige Echtheitsprüfung ist beim Einkauf nicht möglich. Verbraucher können allerdings stärker auf die Herkunftsangaben achten. Die Verbraucherzentralen empfehlen insbesondere Produkte mit einer eindeutig nachvollziehbaren Herkunft.
Wer Honig direkt bei einer regionalen Imkerei, auf einem Wochenmarkt oder in einem Hofladen kauft, kann die Lieferkette häufig wesentlich besser nachvollziehen. Eine Angabe wie „Ursprungsland: Deutschland“ beziehungsweise „Deutscher Honig“ liefert ebenfalls konkretere Informationen als eine sehr weit gefasste Herkunftsangabe.
Auch hier gilt allerdings: Herkunft und Preis sind Orientierungshilfen und ersetzen keine Laboranalyse.
Der Kampf gegen Honigfälschungen wird anspruchsvoller
Das eigentliche Problem reicht deshalb weit über die Frage hinaus, ob ein besonders billiges Glas aus dem Discounter qualitativ mit einem acht Euro teuren Imkerhonig mithalten kann.
Es geht um einen internationalen Lebensmittelmarkt, in dem ein wertvolles Naturprodukt auf vergleichsweise preiswerte industrielle Ersatzstoffe trifft. Je besser solche Sirupe hinsichtlich ihrer chemischen und sensorischen Eigenschaften an echten Honig angepasst werden, desto schwieriger kann ihr Nachweis werden.
Die Europäische Union arbeitet deshalb an einer besseren Rückverfolgbarkeit und an stärker harmonisierten Analyseverfahren. Eine europäische Honig-Plattform soll ebenfalls dazu beitragen, Methoden zur Erkennung von Verfälschungen weiterzuentwickeln.