Beim Kauf gebrauchter High-End-Grafikkarten ist derzeit besondere Vorsicht angebracht. Nach dem vorliegenden Bericht sind in Deutschland mehrere Fälle bekannt geworden, bei denen Käufer vermeintlich vollständige und funktionsfähige Grafikkarten erhielten, bei denen jedoch die wichtigsten und wertvollsten Bauteile entfernt worden waren.
Äußerlich kaum zu erkennen
Die manipulierten Grafikkarten können auf den ersten Blick vollständig und authentisch wirken. Die Betrüger entfernen jedoch den eigentlichen Grafikprozessor (GPU) sowie die Speicherchips von der Platine. Übrig bleiben Gehäuse, Kühlsystem, Lüfter und Platine. Für einen Käufer ist die Manipulation deshalb bei einer normalen äußeren Kontrolle möglicherweise nicht zu erkennen.
Besonders problematisch ist der hohe Wert der betroffenen Hardware. Im beschriebenen Fall ging es um Nvidia GeForce RTX 5090. Betroffene sollen für die vermeintlichen Grafikkarten 1.800 beziehungsweise 2.250 Euro bezahlt haben. Die Verkäufer verlangten Barzahlung und vereinbarten die Übergabe an einem neutralen Ort. Erst nachdem die Käufer die Karten später eingebaut hatten, bemerkten sie, dass sie nicht funktionierten. Bei einer genaueren Untersuchung stellte sich heraus, dass GPU und Speicherchips professionell entfernt worden waren.
Warum die Masche funktionieren kann
Eine moderne High-End-Grafikkarte besteht aus deutlich mehr als dem von außen sichtbaren Grafikprozessor. Das massive Kühlsystem und das Gehäuse verdecken einen großen Teil der Platine. Ohne Demontage lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres feststellen, ob sich die entscheidenden Komponenten tatsächlich darunter befinden.
Das Gewicht und das professionelle Erscheinungsbild können ebenfalls einen falschen Eindruck vermitteln. Selbst eine Originalverpackung oder eine äußerlich passende Karte beweist daher nicht, dass die Hardware im Inneren vollständig ist.
Barzahlung bei Übergabe birgt zusätzliches Risiko
Im geschilderten Fall bestand eine weitere Besonderheit darin, dass die Verkäufer auf Barzahlung bei persönlicher Abholung bestanden. Die Übergaben fanden an neutralen Orten statt. Dadurch konnten die Käufer die Grafikkarten offenbar nicht in einem laufenden Computer testen.
Nach der Übergabe kann es zudem erheblich schwieriger sein, Ansprüche gegenüber einem unbekannten privaten Verkäufer durchzusetzen – insbesondere dann, wenn keine verlässlichen Kontaktdaten oder Zahlungsnachweise vorhanden sind.
Nicht die einzige aktuelle Betrugsvariante
Der Bericht verweist außerdem auf andere Betrugsfälle beim Grafikkartenkauf. Bei Verkäufen über einen Online-Marktplatz wurden demnach statt der bestellten teuren Grafikkarten Thermobecher verschickt. Anschließend sollen die Käufer über eine falsche Service-Hotline hingehalten worden sein, bis die Rückgabefrist abgelaufen war.
Die Methoden unterscheiden sich, verfolgen aber dasselbe Prinzip: Der hohe Preis und die starke Nachfrage nach leistungsfähigen Grafikkarten werden ausgenutzt, um Käufer zu schnellen Entscheidungen zu bewegen.
So lässt sich das Risiko beim Gebrauchtkauf reduzieren
Beim Kauf einer teuren gebrauchten Grafikkarte sollte man deshalb auf einen Funktionstest vor der Bezahlung bestehen. Idealerweise wird die Karte in einem Computer eingebaut und unter Last getestet. Außerdem empfiehlt der vorliegende Bericht, die Seriennummern auf Grafikkarte, Verpackung und Rechnung miteinander zu vergleichen.
Auch Schrauben und Garantiesiegel verdienen Aufmerksamkeit. Beschädigte Siegel, ungewöhnliche Werkzeugspuren oder bereits mehrfach gelöste Schrauben können darauf hinweisen, dass die Grafikkarte geöffnet wurde. Ist ein Funktionstest bei einer hochpreisigen gebrauchten Karte überhaupt nicht möglich, empfiehlt der Bericht, vom Kauf Abstand zu nehmen.