Google plant eine der größten Technologieinvestitionen, die Finnland bislang erlebt hat. Der zum US-Konzern Alphabet gehörende Technologieriese will in den Jahren 2027 und 2028 mindestens 13 Milliarden Euro in Finnland investieren. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um Googles bislang größte Einzelinvestition in Europa. Im Mittelpunkt stehen neue und erweiterte Rechenzentren sowie Infrastruktur für Künstliche Intelligenz.
Milliarden für Rechenzentren und KI
Das Investitionsprogramm geht deutlich über den Bau zusätzlicher Serverhallen hinaus. Vorgesehen sind Investitionen in Rechenzentren und die dazugehörige digitale Infrastruktur, aber auch in das Stromnetz, Batteriespeicher und Projekte für saubere Energie. Die zusätzlichen Kapazitäten sollen unter anderem Googles KI-Angebote und Dienste wie Gemini, die Google-Suche, Maps und YouTube unterstützen.
Geplant sind Investitionen an mehreren finnischen Standorten. Neben dem bereits etablierten Rechenzentrumsstandort Hamina spielen auch Kajaani, Muhos und Vaala eine Rolle. Damit baut Google seine Präsenz in dem nordeuropäischen Land erheblich aus.
Warum ausgerechnet Finnland?
Für Betreiber großer Rechenzentren bietet Finnland mehrere Vorteile. Besonders wichtig ist die Energieversorgung: Das Land verfügt über große Mengen vergleichsweise emissionsarmen Stroms. Gleichzeitig hilft das kühle Klima dabei, die enorme Abwärme von Rechenzentren effizienter abzuführen. Kühlung gehört zu den wesentlichen Kosten- und Energieverbrauchsfaktoren beim Betrieb großer Rechenanlagen.
Gerade der Boom der Künstlichen Intelligenz erhöht den Bedarf an Rechenleistung erheblich. Das Training und der Betrieb großer KI-Modelle erfordern leistungsfähige Prozessoren und entsprechend große Mengen Strom. Für Google wird deshalb nicht nur die Verfügbarkeit geeigneter Grundstücke und Datennetze entscheidend, sondern zunehmend auch eine langfristig gesicherte Energieversorgung.
Google sichert sich Atomstrom für mehr als zwei Jahrzehnte
Parallel zu der Milliardeninvestition hat Google einen bemerkenswerten Energievertrag geschlossen. Mit dem finnischen Energieunternehmen Fortum wurde ein 22 Jahre laufendes Stromabnahmeabkommen vereinbart. Google soll dabei bis zu 50 Prozent der Stromproduktion eines finnischen Kernkraftwerks abnehmen. Es handelt sich nach Angaben des Konzerns um Googles erstes Atomstromabkommen außerhalb der USA.
Der Vertrag betrifft das Kernkraftwerk Loviisa, das sich in der Nähe von Googles bestehendem Rechenzentrum in Hamina befindet. Die langfristige Vereinbarung soll Fortum zugleich mehr wirtschaftliche Planungssicherheit für die Verlängerung der Betriebsdauer und Modernisierung des Kraftwerks geben. Google und Fortum wollen außerdem Möglichkeiten für weitere Kernenergie- und Erneuerbare-Energien-Projekte in Finnland untersuchen.
Damit zeigt sich ein grundlegendes Problem des gegenwärtigen KI-Booms: Leistungsfähige Rechenzentren benötigen dauerhaft enorme Mengen verlässlich verfügbaren Stroms. Technologieunternehmen versuchen deshalb zunehmend, sich langfristige Energiequellen zu sichern.
Tausende Arbeitsplätze erwartet
Von dem Investitionsprogramm verspricht sich Finnland erhebliche wirtschaftliche Effekte. Nach Berechnungen von Google könnten die Investitionen während der Bauphase 2027 und 2028 rund 3,6 Milliarden US-Dollar zum finnischen Bruttoinlandsprodukt beitragen. Nach der Inbetriebnahme könnten die Projekte nach Unternehmensangaben jährlich rund 7.000 Arbeitsplätze unterstützen.
Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo begrüßte die Entscheidung. Für die Regierung ist das Projekt nicht nur wegen der unmittelbaren Milliardeninvestitionen interessant. Der Ausbau der Rechenzentren könnte weitere Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Technologieprojekte anziehen und Finnlands Position innerhalb der europäischen Daten- und KI-Wirtschaft stärken.
Europas Wettlauf um die Infrastruktur der KI
Googles Milliardenprogramm ist zugleich Teil eines wesentlich größeren internationalen Wettlaufs. Die rasante Verbreitung generativer KI hat den Bedarf an Rechenzentren massiv erhöht. Große Technologiekonzerne investieren deshalb weltweit in neue Serverstandorte, Stromversorgung und Netzinfrastruktur.
Finnland könnte dabei zu einem der wichtigen europäischen Standorte werden. Das Land verbindet ein kühles Klima mit einer vergleichsweise emissionsarmen Stromversorgung und politischer Stabilität. Googles Entscheidung zeigt, welchen Stellenwert diese Faktoren inzwischen bei der Standortwahl für milliardenschwere KI-Infrastruktur haben.
Mit 13 Milliarden Euro innerhalb von nur zwei Jahren geht es daher um weit mehr als einige neue Rechenzentren: Google baut in Finnland einen wichtigen Baustein seiner europäischen KI-Infrastruktur auf – und verbindet seine digitale Expansion gleichzeitig mit einer langfristig abgesicherten Energieversorgung.