Dark Mode Light Mode
Warnungen der IOSCO
RWE Windpark Garzweiler Verwaltungs GmbH dreht ins Plus – doch die eigentliche Windpark-Bilanz liegt eine Ebene tiefer
Michael Mendl ist tot: Abschied von einem der großen Charakterdarsteller Deutschlands

RWE Windpark Garzweiler Verwaltungs GmbH dreht ins Plus – doch die eigentliche Windpark-Bilanz liegt eine Ebene tiefer

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Der Jahresabschluss 2025 der RWE Windpark Garzweiler Verwaltungs GmbH zeigt eine kleine, nahezu schuldenfreie Gesellschaft, die nach einem Verlust im Vorjahr wieder einen Gewinn erzielt.

Der Jahresüberschuss beträgt 519 Euro. 2024 hatte noch ein Fehlbetrag von 5.117 Euro zu Buche gestanden.

Auf den ersten Blick ist das eine klare Verbesserung.

Für Anleger ist jedoch ein anderer Punkt wesentlich wichtiger: Die Gesellschaft betreibt den Windpark nicht selbst, sondern ist unbeschränkt haftende Gesellschafterin der RWE Windpark Garzweiler GmbH & Co. KG.

Damit ist dieser Abschluss vor allem die Bilanz der Verwaltungs- und Komplementärgesellschaft. Die wirtschaftlich entscheidenden Windenergieanlagen, Stromerlöse, Finanzierungskosten und möglichen Millionenschulden dürften auf Ebene der GmbH & Co. KG zu finden sein.

Aus 5.117 Euro Verlust werden 519 Euro Gewinn

Die Ergebnisentwicklung fällt deutlich besser aus als im Vorjahr.

2024 erzielte die Gesellschaft sonstige betriebliche Erträge von 1.250 Euro. Dem standen sonstige betriebliche Aufwendungen von 6.367 Euro gegenüber. Das Ergebnis war ein Jahresfehlbetrag von 5.117 Euro.

2025 bleiben die Erträge mit 1.251 Euro praktisch unverändert.

Der entscheidende Unterschied liegt bei den Kosten.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen sinken von 6.367 Euro auf lediglich 732 Euro.

Damit reduzieren sich die Aufwendungen um rund 88,5 Prozent.

Aus dem Verlust wird dadurch ein Jahresüberschuss von 519 Euro.

Die Ergebnisverbesserung ist also nicht auf steigende Einnahmen zurückzuführen, sondern fast vollständig auf den Wegfall beziehungsweise die deutliche Reduzierung von Aufwendungen.

Die Erträge stagnieren bei rund 1.250 Euro

Für Anleger ist bemerkenswert, wie konstant die Einnahmeseite bleibt.

2024: 1.250 Euro.

2025: 1.251 Euro.

Das spricht für eine sehr begrenzte wirtschaftliche Tätigkeit innerhalb dieser GmbH.

Woher diese sonstigen betrieblichen Erträge konkret stammen, wird in den vorliegenden Angaben nicht erläutert.

Bei einer Verwaltungs- beziehungsweise Komplementär-GmbH wären beispielsweise gesellschaftsrechtliche oder administrative Vergütungen denkbar. Das lässt sich aus dem veröffentlichten Zahlenwerk allerdings nicht sicher ableiten.

Deshalb sollte man aus den rund 1.250 Euro Ertrag keine Rückschlüsse auf die Stromerlöse des Windparks ziehen.

Eigenkapital steigt wieder

Das Eigenkapital erhöht sich von 25.878 Euro auf 26.397 Euro.

Der Anstieg um 519 Euro entspricht exakt dem Jahresüberschuss.

Damit stärkt der Gewinn das Eigenkapital vollständig.

Bei einer Bilanzsumme von 26.432 Euro ergibt sich zum Jahresende 2025 eine rechnerische Eigenkapitalquote von rund 99,9 Prozent.

Das klingt außergewöhnlich stark.

Tatsächlich ist die Bilanz praktisch vollständig eigenkapitalfinanziert.

Aber auch hier gilt: Diese Quote beschreibt lediglich die Verwaltungs-GmbH und nicht die operative Windparkgesellschaft.

Nur 35 Euro Verbindlichkeiten

Noch auffälliger ist die Fremdkapitalseite.

Die Gesellschaft weist zum 31. Dezember 2025 lediglich 35 Euro Verbindlichkeiten aus.

Im Vorjahr waren es noch 8.775 Euro.

Damit sind die bilanziellen Verbindlichkeiten praktisch vollständig verschwunden.

Sämtliche Verbindlichkeiten haben zudem eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.

Langfristige Bankdarlehen existieren in diesem Abschluss nicht.

Für die Verwaltungs-GmbH ist das positiv.

Für einen Anleger des Windparkprojekts ist es allerdings nur begrenzt aussagekräftig. Die Finanzierung der eigentlichen Windenergieanlagen dürfte auf Ebene der RWE Windpark Garzweiler GmbH & Co. KG liegen.

Rückstellungen von 5.363 Euro fallen vollständig weg

2024 bestanden Rückstellungen von 5.363 Euro.

2025 beträgt dieser Bilanzposten null Euro.

Auch das trägt zur deutlich kleineren Bilanzsumme bei.

Der Abschluss erklärt nicht, wofür die Rückstellungen ursprünglich gebildet wurden oder wodurch sie weggefallen sind.

Dass gleichzeitig die sonstigen betrieblichen Aufwendungen stark zurückgehen, ist auffällig. Ein unmittelbarer Zusammenhang lässt sich aus den vorliegenden Angaben jedoch nicht zweifelsfrei ableiten.

Deshalb sollte man nicht behaupten, dass die Auflösung der Rückstellungen automatisch den Ergebnisanstieg verursacht hat.

Bilanzsumme schrumpft um ein Drittel

Die Bilanzsumme fällt von 40.016 Euro auf nur noch 26.432 Euro.

Das entspricht einem Rückgang um 13.584 Euro beziehungsweise rund 34 Prozent.

Auf der Passivseite ist die Ursache gut sichtbar:

Die Rückstellungen sinken um 5.363 Euro.

Die Verbindlichkeiten gehen um 8.740 Euro zurück.

Das Eigenkapital steigt gleichzeitig leicht um 519 Euro.

Die Gesellschaft ist damit zum Jahresende wesentlich kleiner, zugleich aber bilanziell nahezu vollständig eigenkapitalfinanziert.

Auf der Aktivseite gibt es ausschließlich Umlaufvermögen

Besonders wichtig für die Einordnung ist die Aktivseite.

Die gesamten 26.432 Euro bestehen aus Umlaufvermögen.

Sachanlagen werden überhaupt nicht ausgewiesen.

Keine Windenergieanlagen.

Keine technischen Einrichtungen.

Keine Grundstücke.

Auch Finanzanlagen erscheinen nicht in der veröffentlichten Bilanz.

Damit ist eindeutig, dass die eigentlichen Vermögenswerte des Windparks nicht in dieser GmbH bilanziert werden.

Für einen Investor, der die wirtschaftliche Qualität des Windparks Garzweiler beurteilen möchte, ist dieser Jahresabschluss deshalb nur eine Nebeninformation.

Die entscheidende Information steht unter der GuV

Der wirtschaftlich wichtigste Satz des gesamten Abschlusses ist möglicherweise gar keine Zahl:

„Die RWE Windpark Garzweiler Verwaltungs GmbH ist unbeschränkt haftender Gesellschafter der RWE Windpark Garzweiler GmbH & Co. KG, Essen.“

Damit wird die Funktion der Gesellschaft klar.

Bei einer GmbH & Co. KG übernimmt typischerweise die GmbH die Stellung der persönlich haftenden Gesellschafterin. Dadurch wird die Haftungsfunktion in einer Kapitalgesellschaft gebündelt.

Aus Anlegersicht bedeutet das:

Wer wissen möchte, wie viel der Windpark verdient, wie hoch seine Schulden sind oder welche Rendite er erwirtschaftet, muss den Jahresabschluss der RWE Windpark Garzweiler GmbH & Co. KG betrachten.

Dort sollten sich die wirtschaftlich relevanten Projektzahlen finden.

Die 519 Euro Gewinn sagen praktisch nichts über die Windpark-Rendite

Genau hier liegt die größte Gefahr einer Fehlinterpretation.

Man könnte lesen:

„RWE Windpark Garzweiler macht 519 Euro Gewinn.“

Das wäre jedoch missverständlich.

Der veröffentlichte Abschluss betrifft ausdrücklich die RWE Windpark Garzweiler Verwaltungs GmbH.

Er sagt nicht, dass der operative Windpark lediglich 519 Euro verdient hat.

Ebenso wenig bedeutet die Eigenkapitalquote von nahezu 100 Prozent, dass der eigentliche Windpark ohne Fremdfinanzierung arbeitet.

Beides würde die verschiedenen Gesellschaftsebenen miteinander vermischen.

Warum Anleger die Gesellschaftsstruktur beachten müssen

Bei Windparkprojekten ist häufig nicht eine einzige Gesellschaft für sämtliche Aufgaben zuständig.

Vielmehr können unterschiedliche Gesellschaften verschiedene Funktionen übernehmen.

Eine Gesellschaft hält beispielsweise die Windenergieanlagen und finanziert das Projekt.

Eine andere übernimmt die Komplementärstellung.

Weitere Gesellschaften können Beteiligungen halten oder Dienstleistungen erbringen.

Deshalb reicht es nicht, lediglich nach einem Firmennamen mit dem Begriff „Windpark“ zu suchen.

Anleger müssen überprüfen, welche Gesellschaft tatsächlich die wirtschaftlichen Vermögenswerte hält.

Genau das zeigt dieser Abschluss besonders deutlich.

Positiv: Die Verwaltungs-GmbH verursacht kaum noch Kosten

Auf Ebene der Gesellschaft selbst ist die Entwicklung 2025 günstig.

Die Aufwendungen sind drastisch gefallen.

Die Gesellschaft erzielt wieder einen kleinen Gewinn.

Es gibt keine Rückstellungen mehr.

Die Verbindlichkeiten betragen nur noch 35 Euro.

Das Eigenkapital ist positiv und steigt.

Damit erscheint die Verwaltungs-GmbH derzeit ausgesprochen unproblematisch.

Aber die Bilanz ist fast zu klein, um für Anleger relevant zu sein

Mit nur 26.432 Euro Bilanzsumme bewegt sich die Gesellschaft in einer Größenordnung, die mit der Finanzierung eines Windparks praktisch nichts zu tun haben kann.

Moderne Windenergieprojekte erfordern regelmäßig Investitionen, die um ein Vielfaches höher liegen.

Dass hier keinerlei Sachanlagen und praktisch keinerlei Fremdkapital vorhanden sind, bestätigt daher vor allem eines:

Die wirtschaftliche Substanz des Windparks steckt woanders.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Warnungen der IOSCO

Next Post

Michael Mendl ist tot: Abschied von einem der großen Charakterdarsteller Deutschlands