Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Männer nahe der Hamburger Messe verdichten sich die Hinweise darauf, dass es sich um eine gezielte Tat im kriminellen Milieu gehandelt haben könnte. Neue Überwachungsaufnahmen sollen zeigen, wie kurz vor der Tat eine größere Gruppe von Männern mit mehreren Fahrzeugen am späteren Tatort eintrifft.
Bei den Schüssen auf dem Gelände des alten Schlachthofs in der Lagerstraße auf St. Pauli kamen ein 47 Jahre alter Mann und ein 33-Jähriger ums Leben. Ein weiterer Mann im Alter von 48 Jahren wurde angeschossen, überlebte jedoch.
Bewaffnete Männer sollen aus drei Autos gestiegen sein
Besonders brisant sind Aufnahmen einer Überwachungskamera, über die BILD berichtet.
Darauf soll um 21.29 Uhr zu sehen sein, wie insgesamt zehn Männer aus drei Fahrzeugen aussteigen. Mehrere von ihnen sollen vermummt gewesen sein und Waffen unter ihrer Kleidung verborgen haben.
Wenig später fielen die tödlichen Schüsse.
Ob tatsächlich alle zehn Männer an dem Angriff beteiligt waren und welche Aufgaben die einzelnen Personen möglicherweise hatten, ist bislang nicht offiziell bestätigt.
Die Aufnahmen könnten für die Ermittler jedoch von erheblicher Bedeutung sein. Sie können möglicherweise dabei helfen, Tatverdächtige, Fahrzeuge sowie An- und Fluchtwege zu identifizieren.
Ein Opfer durch Bauchschuss, das andere durch Kopfschuss getötet
Nach bisherigen Medieninformationen wurde einer der Männer durch einen Schuss in den Bauch tödlich verletzt. Der zweite Mann soll durch einen Kopfschuss gestorben sein.
Als die Polizei eintraf, fanden die Beamten zunächst den schwer verletzten 47-Jährigen auf dem Gelände. Trotz Wiederbelebungsmaßnahmen starb er.
Bei der anschließenden Durchsuchung eines Gebäudes wurde das zweite Opfer gefunden. Inzwischen steht fest, dass es sich um einen 33 Jahre alten Mann handelt.
Ein 48-Jähriger wurde ebenfalls durch einen Schuss verletzt. Er hatte den Tatort noch vor dem Eintreffen der Polizei verlassen und begab sich selbst in ein Krankenhaus. Nach NDR-Informationen erlitt er einen Streifschuss am Kopf und schwebte nicht in Lebensgefahr.
Täter und Opfer sollen sich gekannt haben
Die Ermittler gehen nach bisherigen Erkenntnissen von einer sogenannten Tatvorbeziehung aus. Das bedeutet, dass sich Täter und Opfer vermutlich kannten.
Inzwischen gibt es nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft zudem Anhaltspunkte für eine mögliche Auseinandersetzung im Milieu.
Deshalb beschäftigt sich neben der Mordkommission auch das für Organisierte Kriminalität zuständige Landeskriminalamt mit dem Fall.
Was genau hinter dem Doppelmord steckt, ist allerdings weiterhin nicht geklärt. Auch wer die Schüsse abgegeben hat und wie viele Personen unmittelbar an der Tat beteiligt waren, wurde bislang nicht öffentlich bestätigt.
Waffen, Munition und mehrere Fahrzeuge sichergestellt
Bei den Ermittlungen am Tatort stellte die Mordkommission Waffen und Munition sowie mehrere Fahrzeuge sicher.
Nach den Schüssen soll außerdem ein dunkles Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit vom Gelände weggefahren sein.
Die Polizei leitete noch in der Nacht eine Großfahndung ein. Mehr als zwei Dutzend Streifenwagen waren beteiligt. Auch eine Drohne wurde eingesetzt.
Unmittelbar nach der Tat war zunächst nicht klar, ob sich noch bewaffnete Täter in dem Gebäudekomplex aufhielten. Deshalb konnten Rettungskräfte das Gebäude anfangs nicht ohne Weiteres betreten.
Tatort liegt auf Gelände mit Boxclub und Fleischgroßhandel
Die Schüsse fielen auf einem Gewerbegelände in der Lagerstraße unweit der Hamburger Messe und der S-Bahn-Station Sternschanze.
In dem Gebäudekomplex befinden sich unter anderem der Fleischgroßhändler Delta Fleisch sowie der bekannte Boxclub Universum Boxing.
Gerade das Umfeld des Tatorts spielt bei den Ermittlungen offenbar eine wichtige Rolle.
Bereits Ende Juni explodierte dort eine Handgranate
Besonders auffällig: Auf demselben Gelände hatte es bereits Ende Juni 2026 einen schweren Zwischenfall gegeben.
Unbekannte warfen damals eine Handgranate auf das Betriebsgelände. Die Granate explodierte und beschädigte das Gebäude sowie mehrere Fahrzeuge.
Ob zwischen diesem Anschlag und den tödlichen Schüssen Anfang September ein Zusammenhang besteht, wird nach Angaben der Polizei geprüft.
Bislang gibt es jedoch keine offizielle Bestätigung, dass beide Taten von denselben Personen begangen wurden oder unmittelbar miteinander zusammenhängen.
Hinweise auf vorherige Drohungen
Nach einem Bericht der Hamburger Morgenpost soll nach dem früheren Handgranatenanschlag außerdem ein Video eines Videotelefonats in bestimmten Kreisen verbreitet worden sein. Darin soll der Betreiber des dort ansässigen Boxstudios beschimpft und bedroht worden sein.
Auch diese Vorgeschichte könnte für die Ermittler von Interesse sein. Welche Bedeutung sie tatsächlich für den Doppelmord hat, ist derzeit jedoch offen.
Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Die Tat wirkt nach den bislang bekannt gewordenen Umständen nicht wie eine zufällige Auseinandersetzung. Die größere Gruppe, die mutmaßliche Bewaffnung, mehrere Fahrzeuge sowie die Art der tödlichen Schussverletzungen sprechen zumindest dafür, dass die Ermittler einen gezielten Angriff intensiv prüfen.
Entscheidend dürfte nun die Auswertung der Überwachungsvideos, der sichergestellten Waffen und Munition, der Fahrzeuge sowie weiterer Spuren sein.
Wer die beiden Männer erschossen hat, wer die übrigen Personen auf den Überwachungsaufnahmen sind und welches Motiv hinter dem Doppelmord steckt, ist bislang nicht abschließend geklärt.