Der Jahresbericht des iShares SLI UCITS ETF (DE) für das Geschäftsjahr bis zum 30. April 2026 zeigt insgesamt eine erfreuliche Entwicklung. Der ETF bildet den Swiss Leader Index (SLI) physisch ab und investiert damit in 30 große und liquide Schweizer Unternehmen. Aus Anlegersicht überzeugen insbesondere die positive Wertentwicklung, das gestiegene Fondsvolumen und die hohe Replikationsqualität. Gleichzeitig fallen jedoch die vergleichsweise hohe Kostenquote, die deutliche Differenz zur Indexrendite sowie die starke Länder-, Währungs- und Sektorkonzentration ins Gewicht.
Positive Wertentwicklung und deutlicher Vermögenszuwachs
Der Fonds erzielte im Berichtsjahr eine Wertentwicklung von 8,89 %. Damit war das Jahr für Anleger grundsätzlich erfolgreich. Allerdings entwickelte sich der zugrunde liegende SLI-Performanceindex mit 10,24 % deutlich besser. Die Annual Tracking Difference betrug entsprechend -1,35 Prozentpunkte, während der Tracking Error mit lediglich 0,37 Prozentpunkten relativ niedrig blieb.
Das bedeutet: Der ETF folgte dem Indexverlauf zwar recht zuverlässig, blieb hinsichtlich der tatsächlichen Rendite jedoch deutlich hinter seinem Referenzindex zurück. Für einen passiven ETF ist diese Differenz relevant, da Anleger gerade von einem Indexfonds eine möglichst enge Nachbildung erwarten.
Positiv entwickelte sich das Fondsvolumen. Es stieg von 446,1 Mio. CHF auf 508,6 Mio. CHF, was einem Zuwachs von rund 14 % entspricht. Dazu trugen sowohl die Anlageergebnisse als auch Netto-Mittelzuflüsse von 26,5 Mio. CHF bei. Der Fonds verzeichnete Zuflüsse von 66,3 Mio. CHF und Rücknahmen von 39,8 Mio. CHF. Dies lässt auf weiterhin vorhandenes Anlegerinteresse schließen.
Auch der Anteilwert entwickelte sich kontinuierlich nach oben: von 124,20 CHF im Geschäftsjahr 2022/23 über 128,38 CHF und 137,46 CHF auf nunmehr 147,64 CHF. Diese Entwicklung spricht für einen insgesamt positiven mittelfristigen Trend.
Starkes Jahresergebnis und ordentliche Dividendenerträge
Das Ergebnis des Geschäftsjahres belief sich auf 42,46 Mio. CHF. Davon entfielen 18,76 Mio. CHF auf das realisierte Ergebnis und 23,70 Mio. CHF auf nicht realisierte Wertsteigerungen. Der ordentliche Nettoertrag betrug 7,13 Mio. CHF.
Bemerkenswert sind die Bruttodividenden von rund 13,12 Mio. CHF. Gleichzeitig wurden rund 3,48 Mio. CHF ausländische Quellensteuern abgezogen. Damit zeigt der Bericht einen erheblichen steuerlichen Einfluss auf die Erträge. Ein Teil hiervon kann über ausgewiesene Quellensteuererstattungsansprüche wirtschaftlich wieder ausgeglichen werden, dennoch trägt die steuerliche Behandlung dazu bei, dass die tatsächliche Fondsperformance vom Index abweichen kann.
Die Endausschüttung beträgt 2,07 CHF je Anteil beziehungsweise insgesamt rund 7,13 Mio. CHF. Bezogen auf den Anteilwert am Geschäftsjahresende entspricht dies rechnerisch einer Ausschüttung von rund 1,4 % des Anteilwerts. Der ETF eignet sich damit zwar auch für Anleger, die laufende Ausschüttungen wünschen, ist aber kein ausgesprochener Hochdividendenfonds.
Portfolio mit hochwertigen Unternehmen – aber deutlicher Konzentration
Mit 99,06 % des Fondsvermögens in Aktien ist der ETF nahezu vollständig investiert. Das Fondsvermögen belief sich zum Stichtag auf 508,63 Mio. CHF.
Zu den größten Einzelpositionen gehören:
UBS Group: 10,11 %
Roche: 8,65 %
Nestlé: 8,54 %
Novartis: 8,29 %
ABB: 5,01 %
Richemont: 4,54 %
Zurich Insurance: 4,40 %
Holcim: 4,18 %
Allein UBS, Roche, Nestlé und Novartis machen damit rechnerisch rund 35,6 % des Fondsvermögens aus. Das ist eine erhebliche Konzentration auf wenige Großunternehmen.
Auch auf Sektorebene ist die Diversifikation eingeschränkt. Auf die im Bericht ausgewiesenen Kategorien Handel und Dienstleistungen entfallen 43,59 %, auf den Finanzsektor 31,90 % und auf Gesundheits- und Pflegeunternehmen 14,40 %. Zusammen repräsentieren diese drei Bereiche knapp 90 % des Fondsvermögens.
Diese Konzentration ist nicht zwangsläufig negativ: Viele der enthaltenen Schweizer Unternehmen verfügen über internationale Geschäftsmodelle und starke Marktpositionen. Der ETF ist jedoch trotz 30 Einzelwerten deutlich weniger diversifiziert als ein globaler Aktienindex.
Kosten sind ein Schwachpunkt
Die Gesamtkostenquote beträgt 0,51 %, während die vertragliche Pauschalvergütung 0,50 % pro Jahr beträgt. Zusätzlich können unter anderem Transaktions- und Depotkosten entstehen. Im Berichtsjahr wurden Transaktionskosten von 27.278 CHF ausgewiesen.
Für einen passiv verwalteten ETF ist eine laufende Kostenbelastung von rund einem halben Prozent nicht besonders niedrig. Noch wichtiger ist, dass die tatsächliche Renditedifferenz zum Index mit 1,35 Prozentpunkten deutlich größer war als die Gesamtkostenquote. Neben den laufenden Kosten spielen somit unter anderem Steuern und weitere Replikations- beziehungsweise Abwicklungseffekte eine Rolle.
Die Kombination aus 0,51 % Gesamtkostenquote und einer Tracking Difference von 1,35 Prozentpunkten gehört deshalb zu den wichtigsten Punkten, die Anleger beobachten sollten.
Schweizer Franken als Chance und Risiko
Für Anleger aus dem Euroraum besteht ein wesentliches zusätzliches Risiko: Der ETF investiert in Schweizer Aktien und weist seine Vermögenswerte in Schweizer Franken aus. BlackRock stuft das Währungsrisiko für Euro-Anleger ausdrücklich als hoch ein. Gleichzeitig wird auch das absolute Marktpreisrisiko als hoch bezeichnet.
Ein stärkerer Schweizer Franken kann die Rendite eines Euro-Anlegers erhöhen, eine Aufwertung des Euro gegenüber dem Franken dagegen einen Teil der Aktiengewinne wieder aufzehren. Anleger erwerben mit dem ETF daher nicht nur Schweizer Unternehmen, sondern indirekt auch eine erhebliche CHF-Position.
Positiv ist dagegen, dass BlackRock das Adressenausfall-, Kontrahenten- und Liquiditätsrisiko als niedrig beziehungsweise gering einstuft. Auch im Bereich der operationellen Risiken entstanden im Geschäftsjahr keine materiellen Schäden.
Neue Liquiditätsmanagementinstrumente
Seit dem 16. April 2026 verfügt der Fonds über zusätzliche Liquiditätsmanagementinstrumente. Dazu gehören Dual Pricing und eine mögliche Rückgabegebühr von bis zu 2 % des Bruttorücknahmebetrags. Damit sollen insbesondere bestehende Anleger vor Kosten geschützt werden, die durch größere Zeichnungen oder Rücknahmen entstehen könnten.
Für langfristig orientierte ETF-Anleger ist dies zunächst kein fundamentaler Nachteil, die geänderten Rücknahmebedingungen sollten dennoch berücksichtigt werden.
Gesamturteil aus Anlegersicht
Der iShares SLI UCITS ETF (DE) hat ein gutes Geschäftsjahr hinter sich. Eine Fondsrendite von 8,89 %, ein auf mehr als 508 Mio. CHF gestiegenes Fondsvermögen, positive Nettomittelzuflüsse und ein Anteilwert auf Mehrjahreshoch sprechen für eine grundsätzlich solide Entwicklung. Der 100-prozentige Duplizierungsgrad und der geringe Tracking Error zeigen zudem, dass die technische Umsetzung der Indexstrategie zuverlässig funktioniert.
Dem stehen jedoch drei wesentliche Nachteile gegenüber: eine Annual Tracking Difference von 1,35 Prozentpunkten, laufende Kosten von 0,51 % und eine erhebliche Konzentration auf die Schweiz, den Schweizer Franken sowie wenige große Unternehmen und Branchen.
Auch aus Governance-Sicht gibt es keine auffälligen Warnsignale: Der unabhängige Abschlussprüfer bestätigt, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den einschlägigen gesetzlichen Vorschriften entspricht.
Anlegerfazit: Der ETF ist ein überzeugender Spezialbaustein für Anleger, die bewusst in große Schweizer Unternehmen investieren und eine CHF-Exponierung wünschen. Als alleinige oder zentrale Aktienanlage ist er wegen seiner Länder-, Branchen- und Einzeltitelkonzentration jedoch weniger geeignet als ein breit diversifizierter globaler ETF. Besonders beobachtenswert bleibt die relativ große Renditelücke zum SLI: Sollte sich eine Tracking Difference deutlich oberhalb der Gesamtkostenquote dauerhaft wiederholen, würde dies die langfristige Attraktivität des Fonds spürbar mindern.
Gesamtbewertung: solide bis gut – attraktive Schweizer Qualitätswerte und positive Fondsentwicklung, aber vergleichsweise hohe Kosten und eine auffällige Renditedifferenz zum Referenzindex.