Neobanken haben das klassische Bankgeschäft verändert. N26, Revolut oder Trade Republic versprechen schnelle Kontoeröffnung, niedrige oder keine Kontoführungsgebühren und nahezu sämtliche Bankgeschäfte direkt auf dem Smartphone. Gerade für jüngere und digital affine Kunden klingt das attraktiv. Doch die Verbraucherzentrale NRW weist auf eine Reihe von Punkten hin, die im Alltag leicht unterschätzt werden.
Besonders deutlich wird die Abhängigkeit vom Smartphone. Überweisungen, Karteneinstellungen und die Freigabe von Transaktionen werden bei vielen digitalen Anbietern über die App erledigt. Geht das Smartphone verloren, wird es gestohlen oder funktioniert die App nicht, kann der Zugriff auf das eigene Geld zumindest vorübergehend schwieriger werden.
Hinzu kommt ein Sicherheitsaspekt: Bei manchen Angeboten befinden sich Banking und die Freigabe von Transaktionen auf demselben Gerät. Das ist grundsätzlich zulässig, bedeutet aber eine stärkere Konzentration wichtiger Sicherheitsfunktionen auf das Smartphone.
Wenn digitales Banking auf Bargeld trifft
Ein weiterer Unterschied zeigt sich beim Bargeld. Neobanken besitzen normalerweise kein mit klassischen Filialbanken vergleichbares eigenes Filial- und Automatennetz. Abhebungen sind zwar häufig über Karten an Geldautomaten oder teilweise im Einzelhandel möglich, allerdings können Freigrenzen und Gebühren gelten.
Noch deutlicher können die Unterschiede beim Einzahlen von Bargeld werden. Wer regelmäßig größere Bargeldbeträge einzahlen muss, sollte deshalb vor der Kontoeröffnung prüfen, welche Möglichkeiten der jeweilige Anbieter bietet und welche Kosten dabei entstehen.
Der möglicherweise wichtigere Punkt zeigt sich allerdings erst dann, wenn etwas schiefläuft.
Kundenservice wird in Krisensituationen entscheidend
Solange das Konto funktioniert, kann ein vollständig digitaler Kundenservice komfortabel sein. Bei einer gesperrten Karte, einem Betrugsverdacht oder Problemen mit dem Kontozugang sieht die Situation anders aus. Dann kann ein persönlicher Ansprechpartner einen erheblichen Unterschied machen.
Nach dem vorliegenden Bericht kritisiert die Verbraucherzentrale NRW außerdem Schwierigkeiten rund um Pfändungsschutzkonten (P-Konten). Gerade bei komplexen Problemen könnten fehlende persönliche Ansprechpartner und eine auf App-Chats beschränkte Kommunikation zum Nachteil werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Neobanken grundsätzlich die schlechtere Wahl sind. Ihre Vorteile sind erheblich: günstige Kontomodelle, schnelle Kontoeröffnung, Echtzeitinformationen über Zahlungen, digitale Kartensperren, Unterkonten und automatische Ausgabenanalysen können das persönliche Finanzmanagement deutlich vereinfachen.
Anleger und Kunden sollten genauer hinsehen als auf „0 Euro“
Entscheidend ist deshalb weniger die Frage „Neobank oder Filialbank?“, sondern welche Leistungen der einzelne Kunde tatsächlich benötigt. Vor einer Kontoeröffnung sollte nicht allein die kostenlose Kontoführung den Ausschlag geben. Wichtig sind ebenso Gebühren für Karten und Bargeld, Möglichkeiten zur Bargeldeinzahlung, Erreichbarkeit des Supports, Verfahren bei Verlust des Smartphones sowie die konkrete Einlagensicherung und die dahinterstehende Bank beziehungsweise Banklizenz.
Gerade dieser letzte Punkt ist wichtig, weil „Neobank“ keine einheitliche rechtliche Kategorie für den Schutz von Kundengeldern darstellt. Die konkrete Konstruktion des jeweiligen Anbieters muss betrachtet werden.