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Windpark Voltlage-Höckel Dritte: Fast kein Anlagevermögen mehr – kurzfristige Schulden übersteigen die liquiden Mittel

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Voltlage-Höckel Dritte Betriebs GmbH & Co. KG fällt durch eine ungewöhnliche Bilanzstruktur auf. Das Sachanlagevermögen ist nahezu vollständig abgeschrieben, während die Gesellschaft weiterhin über gut 216.000 Euro liquide Mittel verfügt. Gleichzeitig bestehen jedoch mehr als 316.000 Euro Verbindlichkeiten – und sämtliche Schulden sind kurzfristig fällig.

Aus Anlegersicht ergibt sich damit ein gemischtes Bild.

Bilanzsumme sinkt um rund 16 Prozent

Die Bilanzsumme ist von 403.110,64 Euro auf 339.200,82 Euro gefallen. Das entspricht einem Rückgang von rund 63.900 Euro beziehungsweise knapp 16 Prozent.

Besonders auffällig ist das Anlagevermögen: Die Sachanlagen stehen zum Jahresende nur noch mit 9.407 Euro in der Bilanz. Im Vorjahr waren es 11.861 Euro.

Der geringe Buchwert deutet auf weitgehend abgeschriebene Sachanlagen hin. Daraus lässt sich allerdings nicht automatisch auf deren technischen Zustand oder tatsächlichen Marktwert schließen. Angaben zum Alter, zur Leistung oder zur verbleibenden Betriebsdauer der Windenergieanlagen enthält der vorgelegte Abschluss nicht.

Liquidität geht um rund 53.000 Euro zurück

Die liquiden Mittel sanken von 268.699 Euro auf 215.953 Euro. Das entspricht einem Rückgang von rund 19,6 Prozent.

Auch die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände gingen zurück, allerdings wesentlich moderater: von 122.550 Euro auf 113.841 Euro.

Insgesamt verfügt die Gesellschaft damit über ein Umlaufvermögen von knapp 329.794 Euro. Das entspricht rund 97 Prozent der gesamten Aktivseite.

Die Bilanz besteht also inzwischen fast vollständig aus kurzfristigen Vermögenswerten.

Verbindlichkeiten steigen trotz kleinerer Bilanz

Auf der Passivseite entwickelt sich eine wichtige Position dagegen in die andere Richtung.

Die Verbindlichkeiten stiegen von 296.953,64 Euro auf 316.470,82 Euro. Das ist ein Zuwachs von rund 19.500 Euro beziehungsweise 6,6 Prozent.

Damit entsprechen die Verbindlichkeiten inzwischen rund 93 Prozent der gesamten Bilanzsumme.

Für Anleger ist dabei besonders wichtig: Laut Anhang haben sämtliche Verbindlichkeiten eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr. Langfristige Verbindlichkeiten von mehr als fünf Jahren bestehen nicht.

Das bedeutet zwar, dass keine langfristige Verschuldung ausgewiesen wird. Gleichzeitig konzentriert sich der gesamte Schuldendienst jedoch auf den kurzfristigen Bereich.

Kurzfristige Schulden höher als die Bankguthaben

Stellt man den Verbindlichkeiten von 316.471 Euro die liquiden Mittel von 215.953 Euro gegenüber, reichen die vorhandenen Bankguthaben allein nicht aus, um sämtliche Verbindlichkeiten sofort zu begleichen.

Allerdings bestehen zusätzlich Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von 113.841 Euro.

Zusammengenommen erreicht das Umlaufvermögen rund 329.794 Euro und liegt damit leicht oberhalb der Verbindlichkeiten.

Rechnerisch ergibt sich also noch eine gewisse kurzfristige Deckung. Entscheidend wäre jedoch, wie werthaltig die Forderungen sind und wann sie tatsächlich bezahlt werden.

Eigenkapital von lediglich 1.000 Euro

Außergewöhnlich niedrig ist das ausgewiesene Eigenkapital.

Die Kapitalanteile der Kommanditisten betragen lediglich 1.000 Euro. Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird mit null Euro ausgewiesen.

Bei einer Bilanzsumme von 339.201 Euro ergibt sich damit rechnerisch eine Eigenkapitalquote von nur rund 0,3 Prozent.

Das ist ausgesprochen dünn. Allerdings lässt sich die wirtschaftliche Kapitalausstattung ohne weitere Informationen nicht abschließend beurteilen. Insbesondere fehlt eine detaillierte Aufschlüsselung der Verbindlichkeiten. Aus dem vorgelegten Abschluss geht beispielsweise nicht hervor, in welchem Umfang möglicherweise Finanzierungen von Gesellschaftern enthalten sind.

Rückstellungen fallen drastisch

Eine erhebliche Veränderung zeigt sich bei den Rückstellungen.

Diese gingen von 105.157 Euro auf nur noch 21.730 Euro zurück. Das entspricht einer Verringerung um rund 79 Prozent.

Das ist eine der größten Veränderungen der gesamten Bilanz.

Der Anhang erklärt allerdings nicht, weshalb die Rückstellungen derart stark zurückgegangen sind. Es wird lediglich allgemein ausgeführt, dass sie erkennbare Risiken und ungewisse Verpflichtungen berücksichtigen.

Für eine Anlegeranalyse wäre interessant zu wissen, welche Rückstellungen 2024 bestanden und weshalb sie 2025 weitgehend aufgelöst oder verbraucht wurden.

Keine Mitarbeiter – schlanke Projektgesellschaft

Die Gesellschaft beschäftigte 2025 durchschnittlich keine Arbeitnehmer. Das ist für eine Windpark-Projektgesellschaft nicht ungewöhnlich, da technische Betriebsführung, Wartung und Verwaltung häufig extern organisiert werden.

Persönlich haftende Gesellschafterin ist die EEV Verwaltungsgesellschaft mbH mit Sitz in Perleberg und einem gezeichneten Kapital von 25.000 Euro. Als Geschäftsführer wird Sebastian Alexander Becker genannt.

Entscheidende Informationen fehlen

Die größte Einschränkung bei der Bewertung besteht darin, dass die veröffentlichten Angaben praktisch nur einen Blick auf die Bilanz erlauben.

Für Anleger fehlen insbesondere Zahlen zu Umsatz, Stromproduktion, Einspeiseerlösen, laufenden Betriebskosten und Jahresergebnis. Ebenso fehlen Angaben zu Ausschüttungen sowie zur technischen Situation und Restlaufzeit der Windenergieanlagen.

Auch die genaue Zusammensetzung der 316.471 Euro Verbindlichkeiten wäre für eine belastbare Analyse wichtig.

Deshalb lässt sich aus der Bilanz beispielsweise nicht beurteilen, ob der Rückgang der Liquidität Folge von Ausschüttungen, Investitionen, Schuldentilgungen oder eines schwächeren operativen Geschäfts war.

Fazit: Viel Liquidität, aber kaum Eigenkapitalpuffer

Der Jahresabschluss vermittelt ein ungewöhnliches Bild: Auf der Aktivseite stehen nur noch 9.407 Euro Sachanlagen, dafür aber fast 330.000 Euro Umlaufvermögen. Die Gesellschaft verfügt weiterhin über gut 216.000 Euro liquide Mittel.

Dem stehen jedoch 316.471 Euro ausschließlich kurzfristige Verbindlichkeiten und lediglich 1.000 Euro ausgewiesenes Eigenkapital gegenüber.

Positiv ist, dass das gesamte Umlaufvermögen die Verbindlichkeiten zum Bilanzstichtag noch knapp übersteigt und die Rückstellungen deutlich gesunken sind. Kritisch zu beobachten sind dagegen die gestiegenen Schulden, der Rückgang der Liquidität und der extrem geringe bilanzielle Eigenkapitalpuffer.

Für Anleger bleibt deshalb vor allem eine Frage offen: Welche wirtschaftliche Substanz und welche Ertragskraft steckt noch hinter einem Windpark, dessen Sachanlagen bilanziell nur noch 9.407 Euro wert sind?

Darauf gibt dieser verkürzte Jahresabschluss keine ausreichende Antwort. Gerade deshalb wären die Gewinn-und-Verlust-Rechnung, die Stromproduktion 2025, die Ausschüttungen sowie Angaben zu Alter und verbleibender Betriebsdauer der Anlagen für eine fundierte Anlegerbewertung besonders wichtig.

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