Die Agrowea Windpark Wintrich GmbH & Co. KG hat ihre Eigenkapitalbasis im Geschäftsjahr 2024 deutlich ausgebaut und gleichzeitig ihre Verbindlichkeiten reduziert. Der Jahresabschluss zeigt allerdings auch eine weiterhin erhebliche Fremdfinanzierung: Ende 2024 standen Verbindlichkeiten von knapp 12,5 Millionen Euro in der Bilanz. Hinzu kommen ausstehende Einlagen der Kommanditisten in Höhe von 2,94 Millionen Euro. Auffällig ist zudem der Rückgang der liquiden Mittel um fast 900.000 Euro.
Die Bilanzsumme der in Wintrich ansässigen Windparkgesellschaft erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr leicht. Sie stieg von 24,21 Millionen Euro auf 24,43 Millionen Euro. Hinter dieser relativ kleinen Veränderung verbergen sich jedoch größere Verschiebungen innerhalb der Bilanz.
Besonders deutlich ist die Entwicklung beim Anlagevermögen. Dieses erhöhte sich von 17,61 Millionen Euro auf 18,99 Millionen Euro und macht damit inzwischen rund 78 Prozent der Bilanzsumme aus.
Finanzanlagen verdoppeln sich nahezu
Innerhalb des Anlagevermögens entwickelten sich die einzelnen Positionen sehr unterschiedlich. Der Buchwert der Sachanlagen sank von rund 14,29 Millionen Euro auf 13,22 Millionen Euro. Dies dürfte zumindest teilweise auf die planmäßigen Abschreibungen zurückzuführen sein, die laut Anhang linear vorgenommen werden.
Gleichzeitig erhöhten sich die immateriellen Vermögensgegenstände deutlich von 1,46 Millionen Euro auf knapp 1,96 Millionen Euro.
Noch stärker fällt die Veränderung bei den Finanzanlagen aus. Diese stiegen von rund 1,85 Millionen Euro auf 3,82 Millionen Euro und haben sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.
Der Anhang nennt als Finanzanlagen Ausleihungen und sonstige Wertpapiere. Warum der Bestand 2024 um fast zwei Millionen Euro angewachsen ist und welche konkreten Anlagen dahinterstehen, geht aus den veröffentlichten Angaben allerdings nicht hervor.
Liquidität sinkt um fast 900.000 Euro
Parallel zum Aufbau der Finanzanlagen ging das Umlaufvermögen zurück. Es sank von 6,58 Millionen Euro auf 5,43 Millionen Euro.
Besonders deutlich ist die Entwicklung bei den Bankguthaben. Ende 2023 verfügte die Gesellschaft noch über liquide Mittel von knapp 2,95 Millionen Euro. Ende 2024 waren es rund 2,06 Millionen Euro.
Damit verringerte sich der Zahlungsmittelbestand um rund 888.600 Euro beziehungsweise 30 Prozent.
Anders als bei manchen kleineren Projektgesellschaften bleibt damit allerdings weiterhin ein erheblicher Liquiditätsbestand vorhanden.
2,94 Millionen Euro Einlagen der Kommanditisten ausstehend
Ein besonders wichtiger Posten findet sich bei den Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen. Diese belaufen sich auf insgesamt rund 3,37 Millionen Euro.
Davon entfallen allein 2,94 Millionen Euro auf Einzahlungsverpflichtungen der Kommanditisten. Der Betrag war bereits Ende 2023 in gleicher Höhe ausgewiesen.
Der Anhang liefert dazu eine zusätzliche Information: Die Summe der ausstehenden Hafteinlagen beziehungsweise der aufgrund einer Einlagenrückgewähr möglicherweise wiederauflebenden Hafteinlagen beträgt ebenfalls 2,94 Millionen Euro.
Damit entsprechen diese ausstehenden Einlagen rund 12 Prozent der gesamten Bilanzsumme.
Für die wirtschaftliche Einordnung ist dieser Punkt relevant. Forderungen gegenüber Kommanditisten sind bilanziell zwar Vermögenswerte. Sie stellen aber keine unmittelbar verfügbare Liquidität dar. Entscheidend wäre deshalb unter anderem, unter welchen Voraussetzungen diese Beträge eingefordert werden können beziehungsweise ob es sich teilweise um wiederauflebende Haftung nach Einlagenrückgewähr handelt.
Eigenkapital wächst um 1,5 Millionen Euro
Auf der Passivseite gibt es eine deutlich positive Entwicklung. Das Eigenkapital erhöhte sich von 9,80 Millionen Euro auf 11,30 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von rund 1,50 Millionen Euro beziehungsweise gut 15 Prozent.
Dadurch verbessert sich auch die rechnerische Eigenkapitalquote erheblich. Ende 2023 lag sie bei rund 40,5 Prozent. Zum Jahresende 2024 erreicht sie etwa 46,3 Prozent.
Damit wird inzwischen fast die Hälfte der bilanzierten Vermögenswerte durch Eigenkapital finanziert.
Ein Bilanzgewinn oder Bilanzverlust wird mit null Euro ausgewiesen. Wie hoch der Jahresüberschuss 2024 tatsächlich war und wodurch der deutliche Anstieg der Kapitalanteile zustande kam, lässt sich aus den vorgelegten Angaben allein nicht vollständig nachvollziehen.
Verbindlichkeiten sinken um 1,36 Millionen Euro
Gleichzeitig wurde Fremdkapital abgebaut. Die gesamten Verbindlichkeiten gingen von 13,86 Millionen Euro auf 12,50 Millionen Euro zurück. Das entspricht einer Verringerung um rund 1,36 Millionen Euro beziehungsweise knapp zehn Prozent.
Den mit Abstand größten Anteil daran haben Bankverbindlichkeiten. Zum Bilanzstichtag bestanden gegenüber Kreditinstituten Verpflichtungen von rund 11,79 Millionen Euro.
Davon werden rund 1,25 Millionen Euro innerhalb eines Jahres fällig. Weitere 10,55 Millionen Euro haben eine Laufzeit von mehr als einem Jahr. Von diesen langfristigen Bankverbindlichkeiten laufen wiederum rund 6,11 Millionen Euro länger als fünf Jahre.
Daneben bestehen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen von rund 661.000 Euro sowie Steuer- und Abgabenverbindlichkeiten von knapp 43.000 Euro.
Banken verfügen über umfangreiche Sicherheiten
Die Kreditfinanzierung ist umfassend abgesichert. Der gesamte Bankkreditbestand von 11,79 Millionen Euro ist nach Angaben des Unternehmens durch Pfandrechte oder vergleichbare Sicherheiten unterlegt.
Genannt werden Grundschulden, Verpfändungen, Abtretungen von Ansprüchen und Rechten sowie Sicherungsübereignungen.
Eine solche Sicherheitenstruktur ist bei großen Windenergie-Finanzierungen grundsätzlich nachvollziehbar: Banken sichern langfristige Projektkredite häufig über die Anlagen und die mit dem Projekt verbundenen Rechte und Zahlungsströme ab.
Für die Gesellschaft bedeutet dies allerdings, dass ein erheblicher Teil der Vermögenswerte beziehungsweise Ansprüche zugunsten der finanzierenden Banken gebunden ist.
Pachtkosten hängen vom Windaufkommen ab
Neben den bilanzierten Schulden bestehen weitere finanzielle Verpflichtungen, die nicht unmittelbar in der Bilanz erscheinen.
Die Gesellschaft hat Pachtverträge über einen Pachtpool mit der Agrowea Wintrich Verwaltungs-GmbH & Co. KG abgeschlossen. Die Vergütung ist vom jährlichen Windaufkommen abhängig.
Gleichzeitig besteht eine vertragliche Mindestvergütung von 36.000 Euro pro Jahr und Windenergieanlage.
Wie viele Anlagen unter diese Verpflichtung fallen und welche Gesamtbelastung daraus jährlich entsteht, wird in den vorliegenden Angaben nicht genannt. Deshalb kann aus dem Jahresabschluss keine Gesamtsumme der zukünftigen Mindestpachtzahlungen errechnet werden.
Rückstellungen steigen
Die Rückstellungen erhöhten sich von 549.331 Euro auf 635.067 Euro, ein Anstieg um knapp 86.000 Euro beziehungsweise rund 15,6 Prozent.
Nach den Bilanzierungsangaben berücksichtigen die Rückstellungen alle erkennbaren Risiken und ungewissen Verpflichtungen. Eine detaillierte Aufschlüsselung des Betrags enthält der vorliegende Anhang jedoch nicht.
Eigene Arbeitnehmer beschäftigte die Windparkgesellschaft 2024 nicht. Die Geschäftsführung erfolgt über die persönlich haftende Gesellschafterin Windenergie Wintrich Planungsgesellschaft mbH. Vertreten wird diese durch Wilhelm Wilberts, Wilhelm Pieper und Dirk Kessler.
Insgesamt deutlich stabilere Kapitalstruktur
Unter dem Strich zeigt der Jahresabschluss mehrere positive Entwicklungen: Das Eigenkapital steigt um rund 1,5 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote erreicht mehr als 46 Prozent und die Verbindlichkeiten werden um rund 1,36 Millionen Euro reduziert. Gleichzeitig verfügt die Gesellschaft weiterhin über mehr als zwei Millionen Euro liquide Mittel.
Bei einer genaueren Betrachtung bleiben jedoch Fragen offen. Die Finanzanlagen sind innerhalb eines Jahres um fast zwei Millionen Euro angewachsen, während die Bankguthaben um knapp 900.000 Euro zurückgingen. Hinzu kommen weiterhin 2,94 Millionen Euro ausstehende Einzahlungsverpflichtungen der Kommanditisten.
Auch die langfristige Fremdfinanzierung bleibt beträchtlich. Mehr als 10,5 Millionen Euro der Verbindlichkeiten laufen länger als ein Jahr, 6,1 Millionen Euro sogar länger als fünf Jahre. Praktisch der gesamte Bankkreditbestand ist besichert.
Der Abschluss vermittelt deshalb das Bild eines kapitalintensiven Windenergieprojekts, dessen Finanzierungsstruktur sich 2024 erkennbar verbessert hat, das aber weiterhin von langfristigen Bankkrediten und erheblichen finanziellen Verpflichtungen geprägt ist.
Für eine abschließende Bewertung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit fehlen allerdings zentrale Größen: Die veröffentlichten Angaben nennen weder die Höhe der Umsatzerlöse noch den Jahresüberschuss, die Stromproduktion, die Zinserträge und Zinsaufwendungen oder den operativen Cashflow. Gerade diese Zahlen wären notwendig, um beurteilen zu können, wie komfortabel der Windpark seinen Kapitaldienst aus dem laufenden Stromgeschäft erwirtschaftet.