Berlin wählt am 20. September 2026 ein neues Abgeordnetenhaus. Nach dem Rückzug des bisherigen Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner tritt Stefan Evers als Spitzenkandidat der CDU an. Der bisherige Finanzsenator will mit seiner Partei stärkste Kraft werden und anschließend das Amt des Regierenden Bürgermeisters übernehmen.
Im Wahlkampf setzt Evers vor allem auf die Themen Sicherheit, bezahlbares Wohnen, Sauberkeit, Bildung und solide Finanzen. Besonders deutlich positioniert er sich gegen die Enteignung großer Wohnungsunternehmen. Gleichzeitig kündigt er ein härteres Vorgehen gegen kriminelle Clans an.
Evers warnt vor einem politischen Kurswechsel
Evers stellt die Wahl als Richtungsentscheidung für Berlin dar. Er warnt vor einer möglichen Regierung unter Führung der Linken und wirft der Partei unter anderem eine polizeifeindliche Haltung vor.
Die CDU wolle dagegen den politischen Kurs der vergangenen Jahre fortsetzen. Nach Ansicht von Evers funktioniert Berlin inzwischen in einigen Bereichen besser. Gleichzeitig räumt er ein, dass weiterhin erhebliche Probleme bestehen.
Evers stammt ursprünglich aus Paderborn und kam 1999 im Alter von 19 Jahren nach Berlin. Die Freiheit und die vielen Möglichkeiten der Hauptstadt hätten ihn damals besonders beeindruckt. Inzwischen bezeichnet er Berlin nicht nur als sein Zuhause, sondern als seine Heimat.
Berlin muss weiter sparen
Als Finanzsenator kennt Evers die angespannte Haushaltslage der Hauptstadt. Er warnt davor, dass steigende Zinsen sowie höhere Personal- und Sozialausgaben den finanziellen Spielraum Berlins immer stärker einschränken.
Deshalb müsse der Staat seine Ausgaben überprüfen und gleichzeitig Bürokratie abbauen. Evers will beispielsweise erreichen, dass Polizisten weniger Zeit mit Verwaltungsaufgaben verbringen und stärker auf der Straße eingesetzt werden können.
Auch beim Schulbau sieht er Einsparmöglichkeiten. Vorgaben und Vorschriften müssten überprüft werden. Sein Ziel ist es, staatliche Aufgaben einfacher und günstiger zu erledigen, ohne wichtige Leistungen abzubauen.
Mehr Wohnungen statt Enteignungen
Ein zentrales Thema des Berliner Wahlkampfs sind die hohen Mieten und der Wohnungsmangel.
Evers hält die Enteignung großer Wohnungskonzerne für den falschen Weg. Dadurch entstehe keine einzige zusätzliche Wohnung. Stattdessen könnten Investoren abgeschreckt und Neubauprojekte verhindert werden.
Seine Lösung lautet deshalb: mehr bauen, schneller bauen und günstiger bauen.
Nach seinen Angaben wurden während der laufenden Wahlperiode rund 80.000 Wohnungen für etwa 160.000 Menschen fertiggestellt. Die CDU wolle Genehmigungsverfahren weiter vereinfachen und Baukosten reduzieren.
Evers will Rand des Tempelhofer Feldes bebauen
Auch beim Tempelhofer Feld spricht sich Evers für zusätzliche Wohnungen aus. Nach seiner Vorstellung könnten Teile am Rand des ehemaligen Flughafengeländes bebaut werden.
Er argumentiert, dass die Grundstücke dem Land Berlin gehören und verkehrstechnisch gut erschlossen sind. Dort könnten nach seinen Angaben Wohnungen für bis zu 50.000 Menschen entstehen.
Angesichts der Wohnungsnot hält Evers es für nicht vertretbar, auf diese Möglichkeit grundsätzlich zu verzichten.
Härteres Vorgehen gegen kriminelle Clans
Beim Thema innere Sicherheit kündigt Evers einen harten Kurs an. Nach seinen Angaben wurden in den vergangenen Jahren zusätzliche Polizisten eingestellt und die Befugnisse der Polizei erweitert.
Trotzdem sieht er weiterhin Probleme. Als Beispiele nennt er das Sicherheitsgefühl jüdischer Menschen, die Situation von Frauen im öffentlichen Nahverkehr sowie gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen kriminellen Clans.
Besonders deutlich grenzt sich Evers beim Thema Enteignungen von der Linken ab. Während er Enteignungen von Wohnungsunternehmen ablehnt, sagt er über kriminelle Clanstrukturen:
„Die Einzigen, die ich enteignen will, sind kriminelle Clans.“
Gemeint ist damit die Einziehung von Vermögen, das nachweislich aus Straftaten stammt. Evers nennt beispielsweise Villen, Luxusautos und Bankguthaben. Solche Verfahren seien häufig kompliziert und könnten Jahre dauern.
Auf Bundesebene wolle sich die CDU dafür einsetzen, dass der Staat illegal erworbenes Vermögen künftig schneller einziehen kann.
Kampf gegen Müll und illegale Ablagerungen
Auch die Sauberkeit Berlins will Evers zu einem wichtigen Thema machen. Er hält die Hauptstadt an vielen Stellen für zu schmutzig.
Die Bußgelder für illegale Müllentsorgung seien bereits erhöht worden. Zusätzlich sollen nach seinen Vorstellungen mehr sogenannte Waste-Watcher eingesetzt werden. Diese Mitarbeiter kontrollieren unter anderem illegale Müllablagerungen und sollen dabei helfen, Verursacher zu ermitteln.
Darüber hinaus bringt Evers eine weitere Idee ins Gespräch: Erwerbsfähige Menschen, die staatliche Leistungen beziehen, könnten stärker bei Projekten zur Stadtsauberkeit eingesetzt werden. Dazu führt er nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit der Berliner Stadtreinigung.
CDU will stärkste Kraft werden
Welche Koalition nach der Wahl am 20. September entstehen könnte, ist noch offen. Evers macht deutlich, dass er ein möglichst starkes Ergebnis für die CDU erreichen will.
Sein Wahlkampf verbindet dabei einen strengen Kurs bei Sicherheit und öffentlichen Finanzen mit dem Versprechen, den Wohnungsbau zu beschleunigen, Bürokratie abzubauen und Berlin sauberer zu machen.
Ob dieser Kurs ausreicht, um die CDU erneut zur stärksten politischen Kraft der Hauptstadt zu machen und Stefan Evers ins Rote Rathaus zu bringen, entscheiden die Berliner Wähler am 20. September.