Ab heute hat die Menschheit rechnerisch sämtliche natürlichen Ressourcen verbraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann. Mit dem sogenannten Erdüberlastungstag beginnt nach Berechnungen des Global Footprint Network die Phase des ökologischen Defizits – die Welt verbraucht von nun an mehr Rohstoffe, Wälder, Böden und Fischbestände, als der Planet nachhaltig bereitstellen kann. Umwelt- und Klimaschützer sehen darin einen deutlichen Beleg dafür, dass der weltweite Ressourcenverbrauch trotz aller Klimaziele weiterhin nicht nachhaltig ist.
Der Erdüberlastungstag – international als „Earth Overshoot Day“ bezeichnet – verdeutlicht das Missverhältnis zwischen dem ökologischen Fußabdruck der Menschheit und der Fähigkeit der Erde, verbrauchte Ressourcen wieder zu regenerieren. Nach Ansicht von Wissenschaftlern und Umweltorganisationen wird damit jedes Jahr sichtbar, dass die Weltwirtschaft nach wie vor auf einem nicht dauerhaft tragfähigen Modell basiert.
Immer früher im Kalender
Besonders alarmierend ist die langfristige Entwicklung. Anfang der 1970er-Jahre fiel der Erdüberlastungstag noch auf Ende Dezember. Seitdem ist der weltweite Verbrauch natürlicher Ressourcen kontinuierlich gestiegen, sodass der Stichtag immer weiter nach vorne gerückt ist.
Kritiker sehen darin ein Zeichen dafür, dass technischer Fortschritt und politische Klimaschutzmaßnahmen den steigenden Konsum bislang nicht ausreichend ausgleichen konnten. Zwar werden vielerorts erneuerbare Energien ausgebaut und Ressourcen effizienter genutzt, gleichzeitig wachsen jedoch Energiebedarf, Flächenverbrauch und Rohstoffhunger der Weltbevölkerung weiter.
Klimawandel und Artensterben verschärfen die Lage
Die Berechnungen berücksichtigen unter anderem den Verbrauch von Wäldern, landwirtschaftlichen Flächen, Fischbeständen und Wasser sowie die Fähigkeit der Natur, den Ausstoß von Kohlendioxid aufzunehmen. Wird diese biologische Kapazität überschritten, entstehen ökologische Schulden, deren Folgen sich unter anderem in Klimawandel, Artensterben, Bodendegradation und dem Verlust natürlicher Lebensräume zeigen.
Umweltverbände warnen seit Jahren, dass die Kosten dieser Übernutzung zunehmend auf kommende Generationen verlagert werden. Die natürlichen Ressourcen würden schneller verbraucht, als sie sich erneuern können – mit langfristigen Folgen für Wirtschaft, Ernährungssicherheit und Biodiversität.
Symbolischer Tag mit deutlicher Botschaft
Der Erdüberlastungstag markiert zwar keinen Zeitpunkt, an dem die Ressourcen tatsächlich erschöpft sind. Er gilt jedoch als eindringlicher Indikator dafür, dass der gegenwärtige Lebens- und Wirtschaftsstil weltweit nicht nachhaltig ist.
Nach Einschätzung vieler Experten reicht es deshalb nicht aus, allein auf technologische Innovationen zu setzen. Gefordert werden unter anderem ein geringerer Ressourcenverbrauch, eine konsequentere Kreislaufwirtschaft, ein schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien sowie nachhaltigere Produktions- und Konsummuster.
Der Erdüberlastungstag macht damit jedes Jahr aufs Neue deutlich, dass die Menschheit weiterhin über die ökologischen Grenzen des Planeten hinaus lebt – und dass ohne grundlegende Veränderungen die Rechnung dafür langfristig Umwelt, Klima und künftige Generationen bezahlen werden.