Mit einer besonders perfiden Betrugsmasche haben unbekannte Täter ein Seniorenehepaar aus Bayreuth um rund 330.000 Euro gebracht. Die Betrüger gaben am Telefon vor, die Tochter des Ehepaars sei schwer erkrankt und benötige dringend lebenswichtige Medikamente aus dem Ausland. Im Glauben, ihrer Tochter zu helfen, übergaben die Senioren den hohen Geldbetrag an einen unbekannten Abholer. Die Kriminalpolizei ermittelt und bittet nun um Zeugenhinweise.
Nach Angaben der Polizei ereignete sich die Tat im Zeitraum zwischen dem 20. und 27. Juli 2026. Die Geldübergaben fanden jeweils in den Abendstunden zwischen 20 und 23 Uhr im Bereich des Asternwegs in Bayreuth statt.
Betrüger spielten mit den Ängsten der Eltern
Den Ermittlungen zufolge nahmen die Täter telefonisch Kontakt mit dem Ehepaar auf und schilderten eine angebliche Notlage ihrer Tochter. Diese sei schwer erkrankt und benötige dringend Medikamente, die kurzfristig aus dem Ausland beschafft werden müssten.
Mit dieser erfundenen Geschichte setzten die Anrufer die Senioren unter erheblichen emotionalen Druck. In der Überzeugung, ihrer Tochter das Leben zu retten, übergab das Ehepaar schließlich insgesamt rund 330.000 Euro an einen Geldabholer.
Die sogenannte Schockanruf-Masche zählt seit Jahren zu den häufigsten Betrugsformen gegenüber älteren Menschen. Die Täter nutzen gezielt Angst, Zeitdruck und familiäre Sorgen aus, um ihre Opfer zu unüberlegten Geldübergaben zu bewegen.
Polizei sucht Geldabholer
Nach Angaben der Kriminalpolizei soll sich der mutmaßliche Geldabholer vor der Übergabe auf einer Sitzbank im Bereich der Kreuzung Langen Zeile/Asternweg aufgehalten haben.
Der Mann wird wie folgt beschrieben:
- etwa 30 Jahre alt
- rund 1,70 Meter groß
- kurze dunkelbraune Haare
- sprach akzentfreies Hochdeutsch
Die Kriminalpolizei Bayreuth bittet Personen, die im fraglichen Zeitraum verdächtige Beobachtungen gemacht haben oder Hinweise zu dem beschriebenen Mann geben können, sich bei den Ermittlern zu melden.
Schockanrufe verursachen jedes Jahr hohe Schäden
Immer wieder gelingt es Telefonbetrügern, insbesondere ältere Menschen mit erfundenen Notlagen unter Druck zu setzen. Häufig geben sich die Täter als Polizeibeamte, Staatsanwälte, Ärzte oder Angehörige aus. Besonders verbreitet sind Schockanrufe, bei denen behauptet wird, ein Familienmitglied habe einen schweren Unfall verursacht oder benötige dringend Geld für eine lebensrettende Behandlung.
Die Polizei weist regelmäßig darauf hin, dass Behörden, Krankenhäuser oder Angehörige niemals telefonisch Bargeld oder Wertsachen verlangen. Wer einen solchen Anruf erhält, sollte das Gespräch sofort beenden, die angeblich betroffene Person oder andere Familienmitglieder selbst kontaktieren und im Zweifel die Polizei verständigen.
Polizei appelliert zur Vorsicht
Der aktuelle Fall aus Bayreuth zeigt erneut, wie professionell organisierte Betrüger vorgehen und gezielt die Hilfsbereitschaft ihrer Opfer ausnutzen. Die Ermittler raten insbesondere älteren Menschen und deren Angehörigen, über die bekannten Betrugsmaschen zu sprechen und sich auf mögliche Schockanrufe vorzubereiten.
Nur wer misstrauisch bleibt und sich nicht unter Zeitdruck setzen lässt, kann verhindern, Opfer solcher perfiden Betrugsversuche zu werden.