Die Preise für Weizen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – unter anderem infolge des Krieges in der Ukraine. Dennoch müssen Verbraucher nach Einschätzung von Marktexperten vorerst nicht mit spürbar höheren Preisen für Brot und Brötchen rechnen. Der Grund: Der eigentliche Rohstoff macht nur einen sehr kleinen Teil des Verkaufspreises aus. Deutlich stärker fallen andere Kosten wie Energie, Personal, Miete und Transport ins Gewicht.
Der Krieg in der Ukraine hat die internationalen Agrarmärkte erheblich beeinflusst. Als einer der weltweit wichtigsten Exporteure von Weizen spielt das Land eine zentrale Rolle für die globale Lebensmittelversorgung. Die Unsicherheit über Ernten, Transportwege und Exportmöglichkeiten ließ die Getreidepreise zeitweise deutlich steigen.
Weizen deutlich teurer als vor zehn Jahren
Aktuell kostet eine Tonne Weizen mehr als 240 Euro. Damit liegt der Preis erheblich über dem Niveau früherer Jahre. Zum Vergleich: Im Sommer 2016 kostete eine Tonne Weizen lediglich rund 135 Euro.
Die Preisentwicklung zeigt, wie stark geopolitische Krisen und internationale Handelsströme die Agrarmärkte beeinflussen können. Neben dem Ukraine-Krieg wirken sich auch Wetterextreme, Ernteausfälle und steigende Transportkosten auf die Preisbildung aus.
Rohstoffkosten spielen bei Brötchen nur eine Nebenrolle
Trotz des deutlichen Anstiegs des Weizenpreises sehen Experten nur geringe Auswirkungen auf den Preis von Backwaren.
Leif Rehder von der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) erklärte gegenüber dem MDR, Modellrechnungen zeigten, dass der Weizenanteil am Verkaufspreis eines Brötchens äußerst gering sei. Bei einem Brötchen, das im Verkauf etwa 60 Cent kostet, entfällt auf den verwendeten Weizen nicht einmal ein Cent.
Selbst deutliche Schwankungen beim Getreidepreis schlagen deshalb nur in sehr geringem Umfang auf den Endpreis durch.
Andere Kosten bestimmen den Verkaufspreis
Für Bäckereien sind die Kosten für den Rohstoff Weizen lediglich ein kleiner Bestandteil der Gesamtkalkulation.
Einen wesentlich größeren Einfluss auf den Verkaufspreis haben unter anderem Energie, Personal, Mieten, Maschinen, Verpackungen, Transport sowie allgemeine Betriebskosten. Gerade in den vergangenen Jahren waren insbesondere die Energiepreise stark gestiegen und hatten vielerorts zu höheren Preisen für Backwaren geführt.
Auch tarifliche Lohnerhöhungen und steigende Mietkosten wirken sich häufig stärker auf die Preisgestaltung aus als Veränderungen beim Getreidepreis.
Internationale Märkte bleiben unter Beobachtung
Obwohl Verbraucher kurzfristig keine deutlichen Preissteigerungen aufgrund des höheren Weizenpreises erwarten müssen, beobachten Marktteilnehmer die Entwicklung aufmerksam.
Die weltweiten Getreidemärkte reagieren empfindlich auf politische Krisen, klimatische Veränderungen und Ernteprognosen. Neue Versorgungsengpässe oder anhaltende Unsicherheiten könnten die Preise künftig erneut beeinflussen.
Experten weisen jedoch darauf hin, dass sich selbst größere Schwankungen beim Weizenpreis nur begrenzt auf den Preis eines einzelnen Brötchens auswirken, solange andere Kostenfaktoren unverändert bleiben.
Verbraucher müssen vorerst keine deutlichen Preissteigerungen befürchten
Nach Einschätzung der Agrarmarkt-Experten besteht daher derzeit kein Anlass, allein wegen des gestiegenen Weizenpreises mit spürbar teureren Brötchen oder Broten zu rechnen. Zwar bleibt die Entwicklung an den internationalen Rohstoffmärkten ein wichtiger Faktor für die Lebensmittelwirtschaft, doch der Anteil des Weizens am Verkaufspreis ist so gering, dass sich selbst deutliche Preisbewegungen nur begrenzt im Portemonnaie der Verbraucher bemerkbar machen.
Für Bäckereien dürften deshalb auch künftig vor allem Energie-, Personal- und Betriebskosten darüber entscheiden, ob Brot und Brötchen teurer werden – und nicht allein der Preis für das Getreide.