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Milliarden-Deal in der Lieferbranche: Uber übernimmt Delivery Hero – Das Ende eines deutschen Börsenstars?

Hans (CC0), Pixabay

Der US-Mobilitäts- und Technologiekonzern Uber übernimmt den Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero für knapp 13 Milliarden Euro. Mit einem Angebot von 41,50 Euro je Aktie sichert sich Uber zunächst 53 Prozent der Anteile und steigt damit zum weltweit größten Essenslieferdienst außerhalb Chinas auf. Für die deutsche Digitalwirtschaft markiert die Übernahme einen weiteren bedeutenden Eigentümerwechsel eines international erfolgreichen Technologieunternehmens.

Milliardenübernahme besiegelt

Nachdem bereits seit Wochen über eine mögliche Transaktion spekuliert worden war, bestätigten beide Unternehmen nun den Zusammenschluss. Uber bewertet Delivery Hero mit rund 13 Milliarden Euro und baut damit seine Position im globalen Liefergeschäft massiv aus.

Bereits zuvor hielt Uber knapp ein Viertel der Anteile und hatte sich über Derivate weitere Beteiligungsrechte gesichert. Entscheidend für den Erfolg der Transaktion ist nun auch die Verkaufsbereitschaft des Großaktionärs Prosus, der rund 17 Prozent der Aktien hält.

Mit der Übernahme entsteht ein neuer Branchenriese, der künftig in 99 Ländern Essenslieferungen anbietet und in 58 Staaten sowohl Fahrdienst- als auch Lieferplattformen betreibt.

Berlin bleibt vorerst Standort

Um politische und wirtschaftliche Bedenken auszuräumen, machte Uber mehrere Zugeständnisse.

Der Unternehmenssitz von Delivery Hero soll mindestens bis 2029 in Berlin verbleiben. Gleichzeitig kündigte Uber Investitionen von bis zu zwei Milliarden Euro in Deutschland an und stellte in Aussicht, die Beschäftigung am Berliner Standort stabil zu halten.

Ob diese Zusagen langfristig Bestand haben, dürfte jedoch maßgeblich von der weiteren Integration und den wirtschaftlichen Entwicklungen abhängen.

Vom DAX-Aufsteiger zum Übernahmekandidaten

Delivery Hero gehörte viele Jahre zu den bekanntesten deutschen Digitalunternehmen. Nach dem Verkauf des Deutschlandgeschäfts an Lieferando konzentrierte sich das Unternehmen auf internationale Wachstumsmärkte in Asien, Afrika, Südeuropa und dem Nahen Osten.

Das aggressive Expansionsmodell brachte zwar hohe Umsätze und Marktanteile, ging jedoch über Jahre mit milliardenschweren Verlusten und einem enormen Kapitalbedarf einher. Erst zuletzt verbesserten sich Profitabilität und operative Kennzahlen deutlich.

Der Aktienkurs spiegelte diese wechselhafte Entwicklung wider. Nachdem das Papier zwischenzeitlich massiv eingebrochen war, setzte in den vergangenen Monaten eine deutliche Erholung ein. Seit März hatte sich der Kurs nahezu verdreifacht.

Wettbewerb zwingt zur Größe

Die Lieferbranche zählt weltweit zu den wettbewerbsintensivsten Digitalmärkten überhaupt. Hohe Marketingkosten, aufwendige Logistik sowie Preiskämpfe setzen viele Anbieter unter Druck.

In der Branche gilt seit Jahren eine einfache Regel: Dauerhaft profitabel ist häufig nur der Marktführer.

Vor diesem Hintergrund überrascht die Übernahme kaum. Durch die Bündelung ihrer Plattformen wollen Uber und Delivery Hero Kosten senken, Technologien gemeinsam nutzen und ihre Marktposition gegenüber Konkurrenten wie DoorDash, Just Eat Takeaway oder regionalen Anbietern stärken.

Chancen für Kunden – Risiken für den Wettbewerb

Aus Sicht der Unternehmen verspricht der Zusammenschluss zahlreiche Vorteile. Uber kündigte an, Innovationen zu beschleunigen und sowohl Verbraucher als auch Restaurants, Fahrer und Händler von der größeren Plattform profitieren zu lassen.

Kritiker sehen die Entwicklung jedoch deutlich skeptischer.

Je stärker sich der Markt auf wenige globale Anbieter konzentriert, desto größer werden die Risiken sinkenden Wettbewerbs. Weniger Konkurrenz könnte langfristig höhere Liefergebühren, schlechtere Konditionen für Restaurants oder geringeren Innovationsdruck zur Folge haben.

Auch die Arbeitsbedingungen der Fahrer stehen weiterhin im Fokus. Plattformunternehmen geraten weltweit immer wieder wegen niedriger Vergütung, hoher Leistungsanforderungen und unsicherer Beschäftigungsverhältnisse in die Kritik.

Kartellbehörden dürften genau hinschauen

Obwohl sich die Geschäftsgebiete von Uber Eats und Delivery Hero vielerorts ergänzen, dürfte der Deal von Wettbewerbsbehörden in mehreren Ländern intensiv geprüft werden.

Insbesondere dort, wo beide Unternehmen bereits aktiv sind, könnten Auflagen oder Teilverkäufe erforderlich werden.

Die Tatsache, dass die Delivery-Hero-Aktie trotz des Angebots zunächst unter dem Übernahmepreis notierte, zeigt, dass Anleger noch mit regulatorischen Unsicherheiten rechnen.

Signal für den deutschen Start-up-Standort

Die Übernahme besitzt über den eigentlichen Liefermarkt hinaus Signalwirkung für den deutschen Technologiesektor.

Delivery Hero war eines der wenigen international erfolgreichen Digitalunternehmen mit deutschen Wurzeln. Mit dem Einstieg von Uber verliert Deutschland erneut die Kontrolle über ein bedeutendes Technologieunternehmen.

Für Investoren ist dies dennoch kein ungewöhnliches Bild: Internationale Übernahmen gehören zum Lebenszyklus erfolgreicher Wachstumsunternehmen. Sie ermöglichen Investoren oftmals attraktive Exits und verschaffen den Unternehmen Zugang zu größerem Kapital sowie globalen Plattformen.

Gleichzeitig wirft der Deal erneut die Frage auf, warum nur wenige große Technologieunternehmen dauerhaft unabhängig in Deutschland bleiben.

Ein neuer Gigant entsteht

Mit der Übernahme setzt Uber seine Strategie konsequent fort, Mobilität, Lieferdienste und digitale Plattformangebote immer stärker miteinander zu verbinden.

Für Delivery Hero endet damit die Geschichte als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen. Für den weltweiten Markt beginnt hingegen eine neue Phase der Konsolidierung, in der Größe, Skaleneffekte und technologische Plattformen immer stärker über den Erfolg entscheiden werden.

Ob der Milliarden-Deal tatsächlich die versprochenen Vorteile für Kunden, Restaurants und Fahrer bringt oder vor allem die Marktmacht eines weiteren Technologiekonzerns stärkt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

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