Es gibt Fußballspiele, die entscheidet der bessere Plan. Und es gibt Spiele, die entscheidet ein Mann, der offenbar Gefallen daran gefunden hat, als Joker ganze Nationen glücklich zu machen. Willkommen im Merino-Sommer 2026.
Spanien steht im Halbfinale der Weltmeisterschaft – und irgendwie fühlt sich das völlig verdient an. Die Furia Roja hatte mehr Ballbesitz, mehr Ideen und mehr Geduld. Zugegeben: Mitunter erinnerte das spanische Offensivspiel eher an jemanden, der verzweifelt den Wohnungsschlüssel sucht. Viel Kontrolle, viel Kreisen – aber der entscheidende Zugriff wollte lange einfach nicht gelingen.
Belgien? Die Roten Teufel machten genau das, was sie mussten. Tief stehen, Räume eng machen und auf den einen perfekten Konter lauern. Das funktionierte erstaunlich gut. Die Spanier liefen an wie gegen eine rote Backsteinmauer, während Belgien immer wieder gefährliche Nadelstiche setzte. Wer auf einen offenen Schlagabtausch gehofft hatte, musste allerdings starke Nerven mitbringen.
Dann kam die Schlussphase. Und mit ihr wieder dieser Mann: Mikel Merino. Schon gegen Portugal war er der Matchwinner – jetzt wieder. Manche Spieler sammeln Trikots, Merino sammelt offenbar K.-o.-Spiele.
Besonders tragisch verlief der Abend für Belgien. Da muss Stammkeeper Thibaut Courtois angeschlagen vom Feld, Ersatzmann Senne Lammens kommt ins Spiel – und ausgerechnet ihm rutscht der entscheidende Fernschuss nach vorne weg. Merino sagt höflich Danke, staubt ab und schickt Spanien ins Halbfinale.
So grausam kann Fußball sein. 89 Minuten kämpfst du leidenschaftlich, verteidigst diszipliniert und glaubst schon an die Verlängerung. Dann reicht ein einziger Moment – und der Traum ist vorbei.
Für Spanien wartet nun Frankreich. Mehr Fußball-Klassiker geht eigentlich kaum. Zwei Schwergewichte, zwei Weltmeister und zwei Mannschaften, die wissen, wie man große Turniere gewinnt. Sollte Spanien allerdings weiterhin so verschwenderisch mit seinen Chancen umgehen, wird gegen die Équipe Tricolore mehr nötig sein als ein spätes Merino-Wunder.
Und Belgien? Die Goldene Generation ist endgültig Geschichte. Was bleibt, ist eine Mannschaft, die tapfer gekämpft hat, am Ende aber wieder einmal den berühmten letzten Schritt nicht gehen konnte.
Mein Fazit: Spanien gewinnt vielleicht nicht immer spektakulär, aber derzeit gewinnt Spanien genau so, wie Weltmeister gewinnen – mit Geduld, Qualität und einem Joker, der offenbar beschlossen hat, jedes K.-o.-Spiel persönlich zu entscheiden.