Liebe Fußballfreunde,
es gibt diese Spiele bei einer Weltmeisterschaft, die man nicht wegen ihrer spielerischen Brillanz in Erinnerung behält, sondern weil beide Mannschaften nach dem Abpfiff das Gefühl haben, mehr verdient zu haben. Genau so ein Spiel war das 1:1 zwischen Tschechien und Südafrika.
Dabei begann die Partie für die Tschechen wie aus dem Lehrbuch. Früh ging man durch Sadílek in Führung und hatte eigentlich alle Trümpfe in der Hand. Doch statt nachzulegen, schien man sich schon nach wenigen Minuten dazu entschlossen zu haben, das Ergebnis über die Zeit zu retten. Ein gefährliches Spiel – besonders bei einer Weltmeisterschaft.
Südafrika übernahm zunehmend die Kontrolle, lief an, kämpfte, ackerte und investierte deutlich mehr in die Partie. Allerdings fehlte lange Zeit die nötige Durchschlagskraft. Viel Ballbesitz, viel Einsatz, aber kaum echte Torgefahr. Die tschechische Defensive stand kompakt und ließ nur wenig zu. Wer auf einen südafrikanischen Treffer wartete, brauchte vor allem eines: Geduld.
Am Ende musste ein Handelfmeter herhalten, um das Kräfteverhältnis auch auf der Anzeigetafel sichtbar zu machen. Der Ausgleich war verdient und eigentlich die logische Konsequenz eines Spiels, in dem Südafrika über weite Strecken die aktivere Mannschaft war.
Spannend wurde es dann noch einmal in der Schlussphase. Plötzlich wollten beide Teams den Sieg. Die Tschechen verließen ihre Komfortzone, Südafrika witterte die Chance auf den ganz großen Coup. Besonders in der Nachspielzeit hatten die Afrikaner die besseren Möglichkeiten. Doch entweder fehlte die letzte Präzision oder das Quäntchen Glück.
So blieb es beim 1:1 – einem Ergebnis, das man durchaus als leistungsgerecht bezeichnen kann. Gleichzeitig ist es aber auch ein Remis, das beide Mannschaften ärgern dürfte. Tschechien wird sich fragen, warum man nach der Führung so passiv wurde. Südafrika wiederum wird sich vorwerfen, aus seiner Überlegenheit nicht mehr gemacht zu haben.
Für die Tabelle bedeutet der Punkt immerhin eines: Das Achtelfinale bleibt für beide Nationen erreichbar. Allerdings gibt es nun keine Rechenspiele mehr. Im letzten Gruppenspiel zählt nur noch ein Sieg.
Besonders gespannt bin ich auf das Duell der Tschechen mit Gastgeber Mexiko. Dort wird man sich deutlich mutiger präsentieren müssen als heute. Südafrika trifft auf Südkorea und wird hoffen, die positive Energie aus der zweiten Halbzeit mitzunehmen.
Mein Fazit: Ein Spiel voller Einsatz, aber mit angezogener Handbremse. Tschechien verwaltete zu früh, Südafrika belohnte sich zu spät. Der Punkt hält beide am Leben – doch in der nächsten Woche ist Schluss mit Taktieren. Dann beginnt für beide Mannschaften bereits die K.o.-Phase vor der K.o.-Phase.
Eure
Wanise