Die angekündigten Sommertemperaturen locken derzeit zahlreiche Menschen an die Strände von Nord- und Ostsee sowie an Seen und Flüsse in Schleswig-Holstein. Doch mit den steigenden Besucherzahlen wächst nach Einschätzung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) auch das Risiko schwerer und teilweise tödlicher Badeunfälle. Die Wasserretter warnen eindringlich davor, die Gefahren im Wasser zu unterschätzen.
Anlass zur Sorge geben insbesondere die Erfahrungen der vergangenen Wochen. Allein am Pfingstwochenende kamen bundesweit mindestens elf Menschen bei Badeunfällen ums Leben. Zwar blieb Schleswig-Holstein von solchen tragischen Ereignissen verschont, doch die DLRG sieht mit Blick auf die bevorstehenden heißen Tage erheblichen Handlungsbedarf.
„Wenn viele Menschen gleichzeitig an Seen, Flüsse und die Küsten strömen, steigt erfahrungsgemäß auch die Zahl der Notfälle“, erklärt Ken Blöcker, Landesgeschäftsführer der DLRG Schleswig-Holstein. Besonders problematisch sei, dass viele Badegäste nach längeren Aufenthalten in der Sonne völlig überhitzt ins Wasser springen. Dadurch könne es zu Kreislaufproblemen, Schwindel oder sogar Bewusstlosigkeit kommen.
Hinzu kommt, dass die Wassertemperaturen vieler Gewässer trotz sommerlicher Lufttemperaturen noch vergleichsweise niedrig sind. Dieser starke Temperaturunterschied wird von vielen Menschen unterschätzt. Die DLRG empfiehlt deshalb dringend, den Körper vor dem Schwimmen langsam an das Wasser zu gewöhnen und nicht kopfüber oder unvorbereitet ins Wasser zu springen.
Besonders besorgt zeigen sich die Rettungsschwimmer über die Situation an unbewachten Gewässern. Nach Angaben der DLRG ereignen sich die meisten tödlichen Unfälle nicht an überwachten Stränden, sondern an Flüssen und Seen. Im vergangenen Jahr ertranken in Schleswig-Holstein sechs Menschen in Flüssen und vier weitere in Seen. In Nord- und Ostsee kamen zusätzlich neun Menschen ums Leben. Rund 70 Prozent der Todesopfer waren Männer.
Nach Einschätzung der Experten werden vor allem Strömungen und die Kraft des Wassers häufig unterschätzt. Gerade Flüsse gelten als besonders gefährlich, da Strömungen, Unterwasserhindernisse oder plötzlich wechselnde Tiefen für Badegäste oft nicht sichtbar sind.
Auch an den Küsten von Nord- und Ostsee lauern Gefahren. Wind, Brandung und Strömungen können selbst erfahrene Schwimmer in Schwierigkeiten bringen. Die DLRG appelliert deshalb an Urlauber und Tagesgäste, die Warnhinweise an den Stränden konsequent zu beachten. Gelbe und rote Flaggen weisen auf gefährliche Bedingungen hin und sollten niemals ignoriert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Warnung betrifft Familien mit Kindern. Nach Angaben der Rettungsorganisation geschieht Ertrinken häufig nahezu lautlos und innerhalb weniger Sekunden. Eltern sollten ihre Kinder daher ständig im Blick behalten und sich nicht auf Schwimmhilfen oder die Anwesenheit von Rettungsschwimmern verlassen.
„Bitte legt das Handy weg. Das hat am Strand sowieso nichts zu suchen“, appelliert DLRG-Landesgeschäftsführer Blöcker. Ablenkungen durch Smartphones seien eine häufig unterschätzte Gefahr, wenn Kinder am Wasser spielen oder baden.
Zu den wichtigsten Baderegeln der DLRG gehört, möglichst nur an bewachten Badestellen schwimmen zu gehen. Zudem sollten Badegäste ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen, keine zu langen Strecken schwimmen und auf Alkohol oder Drogen vor dem Baden verzichten. Bereits geringe Mengen können das Reaktionsvermögen erheblich beeinträchtigen.
Angesichts der bevorstehenden Hitzetage rechnen die Rettungskräfte mit einem starken Besucherandrang an den Gewässern. Die DLRG hofft deshalb auf umsichtiges Verhalten der Badegäste. Denn viele Unfälle ließen sich vermeiden, wenn grundlegende Sicherheitsregeln beachtet würden.
Die Botschaft der Wasserretter ist eindeutig: Sommer, Sonne und Badevergnügen gehören zusammen – Leichtsinn am Wasser kann jedoch innerhalb weniger Sekunden lebensgefährlich werden.