Wenn das Geld knapp wird und Banken keinen Kredit gewähren, suchen viele Menschen nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten. Eine davon erlebt derzeit einen bemerkenswerten Aufschwung: der Pfandkredit. Nach Angaben des Deutschen Pfandkreditgewerbes steigt die Nachfrage spürbar. Verantwortlich dafür sind nicht nur wirtschaftliche Unsicherheiten, sondern vor allem der außergewöhnlich hohe Goldpreis.
Wer Schmuck, Goldmünzen, hochwertige Uhren oder andere Wertgegenstände besitzt, kann diese als Sicherheit in einem Pfandleihhaus hinterlegen und erhält dafür kurzfristig Bargeld. Anders als bei einem klassischen Bankkredit spielen Einkommen, Vermögen oder die Bonität des Kunden dabei keine Rolle.
Rekordpreise bei Gold erhöhen mögliche Kreditsummen
Ein wesentlicher Grund für die wachsende Bedeutung von Pfandkrediten liegt in der Entwicklung des Goldmarktes. Während eine Feinunze Gold vor wenigen Jahren noch deutlich unter 2.000 Euro gehandelt wurde, erreichte der Preis zwischenzeitlich neue Höchststände von mehr als 4.500 Euro.
Auch wenn sich der Goldpreis inzwischen etwas abgeschwächt hat, liegt er weiterhin auf einem historisch hohen Niveau. Dadurch steigt automatisch auch der Beleihungswert von Goldschmuck und anderen Edelmetallgegenständen.
Für Verbraucher bedeutet das: Wer heute Goldschmuck als Pfand hinterlegt, erhält häufig deutlich höhere Kreditsummen als noch vor einigen Jahren.
Wie ein Pfandkredit funktioniert
Das Prinzip der Pfandleihe ist einfach. Kunden bringen einen Wertgegenstand in ein Pfandleihhaus, wo dieser geschätzt wird. Auf Basis des ermittelten Wertes wird ein Kredit angeboten.
Im Gegensatz zu Banken interessiert sich der Pfandleiher dabei nicht für die finanzielle Situation des Kunden. Es erfolgt keine Schufa-Abfrage, keine Einkommensprüfung und keine Bewertung weiterer Vermögenswerte. Die Sicherheit für den Kredit ist ausschließlich der hinterlegte Gegenstand.
Allerdings wird niemals der volle Marktwert ausgezahlt. Üblicherweise erhalten Kunden zwischen 50 und 70 Prozent des geschätzten Wertes. Damit schützen sich Pfandleiher vor möglichen Wertschwankungen und Verwertungskosten.
Wann ein Pfandkredit sinnvoll sein kann
Verbraucherschützer sehen Pfandkredite vor allem als kurzfristige Überbrückungslösung. Wenn beispielsweise unerwartete Ausgaben entstehen und in wenigen Wochen wieder ausreichend Geld zur Verfügung steht, kann ein Pfandkredit eine schnelle Hilfe sein.
Der große Vorteil liegt in der unkomplizierten Abwicklung. Innerhalb weniger Minuten kann Bargeld ausgezahlt werden, ohne langwierige Prüfungen oder umfangreiche Unterlagen.
Dennoch raten Experten dazu, zunächst andere Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen. Ein klassischer Ratenkredit oder ein privates Darlehen von Freunden oder Verwandten kann unter Umständen günstiger sein.
Kosten werden häufig unterschätzt
Auf den ersten Blick erscheinen die Kosten überschaubar. Die gesetzlich geregelten Zinsen für Pfandkredite liegen bei einem Prozent pro Monat. Hinzu kommen jedoch Gebühren für Lagerung, Versicherung und Verwaltung der Pfandgegenstände.
Je länger der Kredit läuft, desto stärker steigen die Gesamtkosten. Deshalb eignet sich die Pfandleihe vor allem für kurzfristige Finanzierungsengpässe.
Wer den Kredit über einen längeren Zeitraum benötigt, sollte die tatsächlichen Kosten sorgfältig mit anderen Kreditformen vergleichen.
Was passiert bei Zahlungsproblemen?
Kann ein Kunde die Kreditsumme nicht fristgerecht zurückzahlen, verliert er nicht automatisch Geld oder gerät in Schulden. Stattdessen wird der hinterlegte Gegenstand versteigert.
Die Versteigerung erfolgt nicht durch das Pfandleihhaus selbst, sondern durch öffentlich bestellte Versteigerer oder Gerichtsvollzieher. Damit soll ein transparenter und fairer Ablauf gewährleistet werden.
Interessant ist dabei ein oft unbekannter Aspekt: Erzielt die Versteigerung einen höheren Erlös als zur Deckung von Kredit, Zinsen und Gebühren notwendig ist, steht der Überschuss dem ursprünglichen Eigentümer zu. Dieser kann den Betrag innerhalb von drei Jahren beim Pfandleihhaus abholen.
Vorsicht bei Goldankäufern
Wer Gold oder Schmuck nicht beleihen, sondern dauerhaft verkaufen möchte, sollte besonders aufmerksam sein. Verbraucherschützer und Kriminalbeamte warnen regelmäßig vor unseriösen Anbietern.
Misstrauisch sollten Verbraucher insbesondere werden, wenn Händler ausschließlich über Mobilfunknummern erreichbar sind oder Hausbesuche anbieten. Solche Angebote können nicht nur finanziell nachteilig sein, sondern unter Umständen auch kriminellen Zwecken dienen.
Auch bei kurzfristig eröffneten Ankaufsstellen in leerstehenden Ladenlokalen ist Vorsicht geboten. Zwar arbeiten viele Anbieter seriös, doch Verbraucher sollten mehrere Angebote einholen und sich ausreichend Zeit für ihre Entscheidung nehmen.
Schnelle Hilfe mit Risiken
Pfandkredite können eine unkomplizierte Möglichkeit sein, kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbrücken. Sie ermöglichen einen schnellen Zugang zu Bargeld und sind unabhängig von Schufa-Einträgen oder Bonitätsbewertungen.
Gleichzeitig bergen sie das Risiko, wertvolle persönliche Besitztümer zu verlieren, wenn die Rückzahlung nicht gelingt. Experten empfehlen deshalb, Pfandkredite nur dann zu nutzen, wenn eine realistische Aussicht besteht, den Kredit innerhalb der vereinbarten Frist zurückzuzahlen.
Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und hoher Edelmetallpreise dürften Pfandleihhäuser jedoch weiterhin von einer steigenden Nachfrage profitieren.