Für viele Verbraucher ist der Schufa-Score ein undurchsichtiges Konstrukt. Dabei kann die Bewertung der eigenen Kreditwürdigkeit erhebliche Auswirkungen auf den Alltag haben – von der Kreditvergabe über Mobilfunkverträge bis hin zum Kauf auf Rechnung im Online-Handel. Verbraucherschützer empfehlen daher, die bei der Schufa gespeicherten Daten regelmäßig zu überprüfen und mögliche Fehler umgehend korrigieren zu lassen.
Neuer Schufa-Score soll transparenter werden
Seit März wird ein überarbeitetes Scoring-Modell eingesetzt. Nach Angaben der Schufa basiert die Bewertung nun auf zwölf klar definierten Kriterien, die unterschiedlich stark gewichtet werden. Zu den wichtigsten Faktoren zählen Zahlungsstörungen, bestehende Kredite, Vertragslaufzeiten sowie weitere bonitätsrelevante Merkmale.
Die Punkteskala reicht von 100 bis 999 Punkten. Grundsätzlich gilt: Je höher der Wert, desto besser wird die Kreditwürdigkeit eingeschätzt.
Schon kleine Fehler können große Folgen haben
Verbraucherschützer warnen jedoch davor, sich blind auf die gespeicherten Daten zu verlassen. Bereits einzelne fehlerhafte oder veraltete Einträge können dazu führen, dass Verbraucher schlechtere Kreditkonditionen erhalten oder bestimmte Zahlungsarten nicht mehr nutzen können.
Während die Schufa darauf verweist, dass Reklamationen nur einen sehr kleinen Teil der gespeicherten Datensätze betreffen, sehen Verbraucherschützer einen anderen Grund: Viele Menschen wissen gar nicht, welche Informationen über sie gespeichert sind und kontrollieren ihre Daten deshalb nicht regelmäßig.
Kostenlose Selbstauskunft nutzen
Experten empfehlen deshalb, mindestens einmal jährlich eine kostenlose „Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO“ anzufordern. Diese Auskunft zeigt detailliert, welche Daten gespeichert wurden und welche Unternehmen darauf zugegriffen haben.
Besonders wichtig: Neben kostenpflichtigen Bonitätsauskünften bieten Auskunfteien auch die gesetzlich vorgeschriebene kostenlose Datenkopie an. Verbraucher sollten darauf achten, nicht versehentlich kostenpflichtige Produkte zu bestellen.
Die Auskunft kann grundsätzlich jederzeit angefordert werden, insbesondere wenn sich persönliche Daten oder finanzielle Verhältnisse geändert haben.
Welche Daten werden gespeichert?
Viele Verbraucher sind überrascht, wie umfangreich die gespeicherten Informationen sein können. Dazu gehören beispielsweise:
- Wohnanschriften
- Kreditverträge
- Mobilfunkverträge
- Leasingverträge
- Zahlungsstörungen
- Gerichtliche Mahnverfahren
- Eidesstattliche Versicherungen
Die Datenkopie enthält zudem Informationen darüber, woher die Daten stammen und an welche Unternehmen sie weitergegeben wurden.
Schufa-Score beeinflusst viele Lebensbereiche
Die Bedeutung des Scores wird häufig unterschätzt. Ein niedriger Wert kann dazu führen, dass:
- Kreditanträge abgelehnt werden,
- höhere Zinsen verlangt werden,
- Ratenkäufe nicht möglich sind,
- Online-Händler den Rechnungskauf verweigern,
- Mobilfunkverträge erschwert werden.
Viele Entscheidungen erfolgen automatisiert auf Grundlage der Bonitätsbewertung.
EuGH stärkt Verbraucherrechte
Der Europäische Gerichtshof hat die Rechte von Verbrauchern zuletzt deutlich gestärkt. Auskunfteien müssen nachvollziehbar erklären können, welche Faktoren in die Bewertung eingeflossen sind. Ein pauschaler Verweis auf Geschäftsgeheimnisse reicht nicht aus.
Dadurch sollen Verbraucher besser verstehen können, wie ihre Bonität zustande kommt und welche Daten möglicherweise problematisch sind.
Fehler müssen korrigiert werden
Wer fehlerhafte Einträge entdeckt, sollte umgehend handeln. Auskunfteien sind gesetzlich verpflichtet, unrichtige oder unzulässig gespeicherte Daten kostenlos zu berichtigen oder zu löschen.
Empfohlen wird ein schriftlicher Antrag, in dem die fehlerhaften Informationen konkret benannt werden. Nachweise sollten möglichst beigefügt werden.
Zudem sollten Verbraucher nicht nur die Auskunftei selbst kontaktieren, sondern auch das Unternehmen, das die fehlerhaften Daten ursprünglich gemeldet hat.
Fazit
Der Schufa-Score beeinflusst heute zahlreiche finanzielle Entscheidungen. Obwohl die meisten Verbraucher nur selten mit der Auskunftei in Kontakt kommen, kann ein fehlerhafter Eintrag erhebliche Nachteile verursachen. Regelmäßige Kontrollen der gespeicherten Daten, die Nutzung der kostenlosen Selbstauskunft und die konsequente Korrektur falscher Angaben gehören daher zu den wichtigsten Maßnahmen für einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Bonität.