Mit den steigenden Temperaturen beginnt jedes Jahr auch die Hochsaison der Zecken. Die kleinen Blutsauger lauern nicht nur in Wäldern und auf Wiesen, sondern zunehmend auch in Parks, Gärten und städtischen Grünanlagen. Experten warnen regelmäßig vor den gesundheitlichen Risiken, denn Zecken können gefährliche Krankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose übertragen. Wer einige wichtige Verhaltensregeln beachtet, kann das Risiko eines Zeckenstichs jedoch deutlich reduzieren.
Zecken lauern längst nicht nur im Wald
Viele Menschen verbinden Zecken vor allem mit Spaziergängen durch Wälder oder Wanderungen über Wiesen. Tatsächlich sind die Parasiten jedoch deutlich weiter verbreitet. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Zecken nahezu überall vorkommen, wo sich Gräser, Büsche oder andere Pflanzen befinden.
Damit können bereits einfache Gartenarbeiten, das Spielen im Stadtpark oder ein Aufenthalt auf einer Grünfläche ausreichen, um mit einer Zecke in Kontakt zu kommen. Die Tiere sitzen häufig auf Grashalmen oder niedrigem Buschwerk und warten darauf, von vorbeistreifenden Menschen oder Tieren abgestreift zu werden.
Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum lassen sich Zecken nicht von Bäumen fallen. Stattdessen gelangen sie meist über die Beine oder Kleidung auf den Körper und suchen dort nach einer geeigneten Einstichstelle.
Die beste Strategie: Einen Stich verhindern
Der wirksamste Schutz vor FSME und Borreliose besteht darin, einen Zeckenstich von vornherein zu vermeiden. Experten empfehlen daher insbesondere bei Aufenthalten in hohem Gras, Gebüsch oder Unterholz geeignete Schutzmaßnahmen.
Dazu gehört vor allem das Tragen möglichst geschlossener Kleidung. Lange Hosen, langärmelige Oberteile und festes Schuhwerk erschweren es den Zecken, an die Haut zu gelangen. Besonders sinnvoll ist es, die Hosenbeine in die Socken zu stecken. Dadurch verlängert sich der Weg, den die Tiere zurücklegen müssen, bevor sie eine geeignete Einstichstelle erreichen.
Auch helle Kleidung kann hilfreich sein. Auf hellen Stoffen lassen sich die dunklen Parasiten deutlich leichter erkennen und entfernen, bevor sie zustechen.
Zusätzlichen Schutz bieten sogenannte Repellentien. Diese Anti-Zecken-Mittel können auf Haut und Kleidung aufgetragen werden und halten Zecken für eine begrenzte Zeit fern. Allerdings ersetzt kein Spray andere Schutzmaßnahmen vollständig.
Zecken suchen gezielt nach geeigneten Körperstellen
Viele Menschen gehen davon aus, dass Zecken sofort zustechen, sobald sie die Haut erreichen. Tatsächlich verhält es sich anders. Nach dem Kontakt mit dem Menschen suchen die Tiere oft über längere Zeit nach einer geeigneten Einstichstelle.
Nach Angaben von Experten kann diese Suche bis zu einer Stunde oder sogar länger dauern. Bevorzugt werden Körperregionen mit dünner Haut und geschützten Bereichen.
Besonders häufig finden sich Zecken:
- am Haaransatz,
- hinter den Ohren,
- am Hals,
- in den Achselhöhlen,
- in den Ellenbeugen,
- im Bauchnabelbereich,
- im Genitalbereich,
- in den Kniekehlen,
- am Hosenbund,
- sowie unter eng anliegenden Kleidungsstücken oder Armbändern.
Gerade weil Zecken oft längere Zeit über die Haut wandern, lohnt sich das gründliche Absuchen des Körpers nach Aufenthalten im Freien.
Kinder besonders sorgfältig kontrollieren
Kinder gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen. Sie spielen häufig auf Wiesen, klettern durch Gebüsche oder bewegen sich direkt am Boden. Dadurch kommen sie deutlich häufiger mit Zecken in Kontakt als Erwachsene.
Eltern sollten deshalb nach Ausflügen in die Natur oder nach dem Spielen im Garten den gesamten Körper ihrer Kinder sorgfältig kontrollieren. Besonders Kopf, Nacken, Ohren und Kniekehlen verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit.
Eine Dusche nach dem Aufenthalt im Freien kann helfen, noch nicht festgesaugte Zecken abzuspülen. Sie ersetzt jedoch keinesfalls die gründliche Kontrolle des Körpers.
Schnelles Entfernen kann Infektionsrisiko senken
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lässt sich ein Zeckenstich nicht immer verhindern. In diesem Fall kommt es darauf an, die Zecke möglichst rasch und korrekt zu entfernen.
Vor allem bei Borreliose spielt die Zeit eine wichtige Rolle. Die Borrelien-Bakterien befinden sich zunächst im Darm der Zecke und werden meist erst nach mehreren Stunden auf den Menschen übertragen. Experten gehen davon aus, dass das Risiko einer Übertragung nach etwa 12 bis 15 Stunden deutlich ansteigt.
Je früher die Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist deshalb das Infektionsrisiko.
Zur Entfernung eignen sich spezielle Zeckenzangen, Zeckenkarten oder feine Pinzetten. Die Zecke sollte möglichst hautnah gefasst und langsam herausgezogen werden. Hausmittel wie Öl, Nagellack oder Klebstoff werden von Fachleuten ausdrücklich nicht empfohlen, da sie die Übertragung von Krankheitserregern sogar begünstigen können.
FSME-Impfung bleibt wichtiger Schutz
Während Borreliose durch Bakterien verursacht wird und im frühen Stadium meist mit Antibiotika behandelt werden kann, handelt es sich bei FSME um eine Virusinfektion. Gegen FSME existiert keine ursächliche Behandlung.
Deshalb empfehlen Gesundheitsexperten insbesondere Menschen in Risikogebieten eine FSME-Impfung. Diese kann das Risiko schwerer Krankheitsverläufe deutlich reduzieren und stellt neben den Schutzmaßnahmen gegen Zeckenstiche eine wichtige Vorsorgemaßnahme dar.
Gefahr wird oft unterschätzt
Zecken gehören zu den gefährlichsten Krankheitsüberträgern in Mitteleuropa. Dennoch wird die Gefahr häufig unterschätzt, weil die Stiche meist schmerzlos verlaufen und die Tiere sehr klein sind.
Wer sich regelmäßig in der Natur aufhält oder einen Garten besitzt, sollte daher aufmerksam bleiben. Geschlossene Kleidung, Repellentien, gründliches Absuchen des Körpers und das schnelle Entfernen festgesaugter Zecken können entscheidend dazu beitragen, das Risiko schwerer Infektionen zu reduzieren.
Denn der beste Schutz vor FSME und Borreliose beginnt bereits lange bevor eine Zecke überhaupt zustechen kann.