Bio-Produkte gelten für viele Verbraucher:innen als nachhaltig, umweltfreundlich und qualitativ hochwertig. Doch gerade bei tiefgekühltem Obst und Gemüse bleibt häufig unklar, aus welchem Land die Rohstoffe tatsächlich stammen.
Die Verbraucherzentrale Brandenburg kritisiert nun die mangelnde Transparenz bei Herkunftsangaben und fordert strengere Kennzeichnungspflichten.
Herkunft oft kaum nachvollziehbar
Laut Ernährungsreport 2025 des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist für rund 77 Prozent der Verbraucher:innen die regionale Herkunft von Lebensmitteln wichtig.
Bei frischem Obst und Gemüse müssen Herkunftsländer bereits klar angegeben werden. Für tiefgekühlte Produkte gelten jedoch andere Regeln.
Denn Tiefkühlobst und Tiefkühlgemüse zählen rechtlich als verarbeitete Lebensmittel. Deshalb müssen Hersteller häufig nur sehr allgemeine Angaben machen, etwa:
- „EU-Landwirtschaft“
- „Nicht-EU-Landwirtschaft“
- „EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft“
- „aus deutscher Landwirtschaft“
Welche konkreten Länder dahinterstehen, erfahren Verbraucher:innen oft nicht.
Verbraucherzentrale fordert klare Kennzeichnung
Nach Ansicht der Verbraucherzentrale Brandenburg reichen diese pauschalen Angaben nicht aus.
Die Organisation fordert eine deutlich transparentere Herkunftskennzeichnung – ähnlich wie sie bereits bei frischem Obst und Gemüse üblich ist.
Wer großen Wert auf Regionalität legt, sollte deshalb gezielt Produkte auswählen, bei denen freiwillig konkrete Herkunftsländer angegeben werden.
Bio bedeutet nicht automatisch regional
Viele Verbraucher:innen setzen Bio-Produkte automatisch mit regionaler Herstellung gleich. Tatsächlich ist das jedoch nicht vorgeschrieben.
Bio-Obst und Bio-Gemüse können auch:
- aus Südamerika
- aus Asien
- aus Afrika
- oder aus anderen weit entfernten Regionen
stammen.
In deutschen Tiefkühlregalen finden sich deshalb beispielsweise:
- Brokkoli aus Ecuador
- Mangos aus Indien
- andere Bio-Produkte aus aller Welt
Gleiche Bio-Standards auch außerhalb der EU
Nach Angaben der Verbraucherzentrale gelten für importierte Bio-Produkte dieselben ökologischen Mindeststandards wie innerhalb der Europäischen Union.
Dazu gehören unter anderem:
- Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel
- Verzicht auf Kunstdünger
- regelmäßige Kontrollen
- Einhaltung der EU-Bio-Vorgaben
Auch Produzenten außerhalb der EU müssen diese Standards erfüllen, wenn ihre Produkte als Bio verkauft werden sollen.
Missverständnisse bei Öko-Kennzeichnungen
Für zusätzliche Verwirrung sorgt häufig die Kennzeichnung mit Nummern wie:
„DE-ÖKO-005“.
Viele Verbraucher:innen interpretieren dies als Herkunftshinweis für Deutschland. Tatsächlich steht das Kürzel jedoch lediglich für den Sitz der Kontrollstelle.
Es bedeutet also nicht automatisch:
- dass die Zutaten aus Deutschland stammen
- oder dass die Rohstoffe hier angebaut wurden
Die Kennzeichnung zeigt nur an, wo die letzte Verarbeitung oder Kontrolle erfolgt ist.
Lange Transportwege oft unvermeidbar
Deutschland zählt zu den größten Absatzmärkten für Bio-Lebensmittel weltweit. Gleichzeitig wird jedoch nur ein Teil der heimischen Landwirtschaft nach Bio-Standards betrieben.
Hinzu kommt:
Viele Obstsorten wie:
- Mangos
- Ananas
- tropische Früchte
lassen sich in Deutschland klimatisch gar nicht anbauen.
Andere Produkte wie Brokkoli oder bestimmte Gemüsesorten sind nur saisonal verfügbar.
Importe bleiben deshalb teilweise unvermeidbar – auch wenn dadurch lange Transportwege entstehen.
Worauf Verbraucher achten können
Wer möglichst regional einkaufen möchte, sollte:
- Verpackungen genau prüfen
- freiwillige Herkunftsangaben beachten
- saisonale Produkte bevorzugen
- regionale Anbieter gezielt auswählen
Denn Bio allein sagt noch nichts darüber aus, wie weit ein Produkt tatsächlich gereist ist.