Im Insolvenzverfahren gegen die Laura Privatstiftung spitzt sich die Lage weiter dramatisch zu. Vor der ersten Prüfungstagsatzung am Landesgericht Innsbruck wurden Forderungen in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro angemeldet. Damit rückt die Stiftung, die einst zum Einflussbereich des Immobilienunternehmers René Benko gehörte, erneut ins Zentrum eines der größten Wirtschaftsskandale im deutschsprachigen Raum.
Die wirtschaftlichen Folgen der Signa-Krise weiten sich damit weiter aus — und betreffen inzwischen nicht nur Unternehmensgesellschaften, sondern auch private Vermögensstrukturen und Stiftungen.
Stiftung gerät durch Schiedssprüche massiv unter Druck
Die Laura Privatstiftung wurde vor fast zehn Jahren gegründet. Ursprünglich sollte sie der Versorgung der Begünstigten dienen. Im Laufe der Jahre wurde die Struktur der Stiftung jedoch mehrfach verändert.
Auslöser der Insolvenz waren milliardenschwere Forderungen internationaler Investoren und Staatsfonds. Besonders schwer wiegen dabei Forderungen des arabischen Staatsfonds Mubadala. Internationale Schiedssprüche des ICC-Schiedsgerichts in Genf verpflichteten die Stiftung offenbar zur Zahlung von mehr als 900 Millionen Euro inklusive Zinsen.
Die Belastung führte schließlich dazu, dass ein Eigenantrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt wurde.
Insolvenzverwalter rechnet nur mit geringer Anerkennung
Nach Angaben des Masseverwalters wurden bislang mehr als 30 Forderungen angemeldet. Allerdings rechnen Beobachter damit, dass zunächst nur ein kleiner Teil tatsächlich anerkannt wird.
Grund dafür ist vor allem die enorme Komplexität der Vermögensstruktur. Zahlreiche Beteiligungen, Tochtergesellschaften und internationale Verflechtungen müssten zunächst detailliert geprüft werden.
Experten gehen davon aus, dass sich ein ähnliches Bild zeigen könnte wie bereits bei anderen Insolvenzverfahren aus dem Signa-Umfeld: angemeldete Forderungen in Milliardenhöhe, aber deutlich geringere tatsächlich anerkannte Ansprüche.
Unklarheit über das verbliebene Vermögen
Besonders brisant bleibt die Frage, wie viel Vermögen innerhalb der Stiftung überhaupt noch vorhanden ist. Während die Passiva mittlerweile sichtbar werden, herrscht über die tatsächlichen Aktiva weiterhin große Unsicherheit.
Nach Einschätzung von Verfahrensbeteiligten verfügte die Stiftung vor wenigen Jahren noch über deutlich höhere Vermögenswerte als heute. Durch die Krise der Signa-Gruppe kam es jedoch offenbar zu massiven Wertverlusten bei Beteiligungen und Immobilienengagements.
Medienberichten zufolge sollen im Sommer 2023 noch Vermögenswerte von rund 750 Millionen Euro bestanden haben. Im Jahr 2024 sollen davon nur noch etwa 250 Millionen Euro ausgewiesen worden sein.
Hunderte Beteiligungen erschweren Aufarbeitung
Die Insolvenz gilt auch deshalb als außergewöhnlich kompliziert, weil die Stiftung über zahlreiche Beteiligungen in Österreich und im Ausland verfügt. Viele Vermögenswerte liegen nicht direkt bei der Stiftung selbst, sondern in Tochter- und Enkelgesellschaften.
Dadurch müssen Insolvenzverwalter hunderte einzelne Gesellschaften prüfen. Einige davon verfügen offenbar über Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen, andere gelten hingegen als nahezu wertlos oder vermögenslos.
Juristen sprechen deshalb von einer äußerst aufwendigen Aufarbeitung mit internationaler Dimension.
Signa-Krise zieht immer weitere Kreise
Die Entwicklung rund um die Laura Privatstiftung zeigt erneut, wie tiefgreifend die Auswirkungen der Signa-Insolvenzen mittlerweile sind. Was einst als weit verzweigtes Immobilien- und Handelsimperium galt, entwickelt sich zunehmend zu einem milliardenschweren Geflecht aus Forderungen, Beteiligungen und juristischen Auseinandersetzungen.
Für Gläubiger dürfte entscheidend sein, welche Vermögenswerte tatsächlich noch verwertbar sind und welche Forderungen am Ende anerkannt werden. Gleichzeitig wächst der öffentliche Druck auf die Aufarbeitung der komplexen Finanz- und Beteiligungsstrukturen.
Die erste Prüfungstagsatzung in Innsbruck könnte deshalb nur der Beginn eines langen und wirtschaftlich brisanten Insolvenzverfahrens sein.