Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sieht wachsende Gefahren für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie für die Stabilität des deutschen Finanzsystems. Nach Einschätzung der Finanzaufsicht BaFin hängen Verbraucherschutz und Finanzmarktstabilität unmittelbar zusammen – und genau deshalb will die Behörde künftig noch härter gegen Risiken, Cyberkriminalität und unerlaubte Finanzgeschäfte vorgehen.
BaFin-Präsident Mark Branson machte in Frankfurt am Main deutlich, dass wirtschaftliche Unsicherheiten, geopolitische Spannungen und technologische Risiken zunehmend Druck auf Banken, Versicherer und Anleger ausüben.
„Es geht auf dem Finanzmarkt immer auch um Menschen“, erklärte Branson. Ein stabiles Finanzsystem sei nicht nur für Unternehmen wichtig, sondern auch für die Sicherheit der Bevölkerung.
Cyber-Angriffe werden zur wachsenden Gefahr
Besonders besorgt zeigt sich die BaFin über die steigende Zahl von Cyber-Angriffen auf Finanzunternehmen. Nach Angaben der Behörde nutzen Angreifer immer häufiger künstliche Intelligenz, um Schwachstellen in IT-Systemen schneller zu identifizieren und gezielt auszunutzen.
Die Finanzaufsicht warnt davor, dass Banken, Versicherungen und andere Finanzunternehmen ihre Sicherheitsstrukturen deutlich schneller anpassen müssen.
Nach Einschätzung von Branson könnten moderne KI-Anwendungen Angriffe erheblich beschleunigen und automatisieren. Dadurch steige nicht nur die Zahl möglicher Angriffspunkte, sondern auch die Gefahr großflächiger Störungen im Finanzsystem.
Die BaFin kündigte deshalb an, ihre Aufsicht über Cyber-Risiken deutlich auszubauen und zusätzliche Ressourcen für Prüfungen bereitzustellen.
Risiken im boomenden Markt für Private Debt
Kritisch blickt die Finanzaufsicht außerdem auf den stark wachsenden Markt sogenannter Private-Debt-Anlagen. Dabei handelt es sich um alternative Kreditfinanzierungen außerhalb klassischer Bankstrukturen.
Die BaFin sieht hier mehrere Risiken gleichzeitig:
- mangelnde Transparenz,
- schwer bewertbare Vermögenswerte,
- enge Vernetzungen zwischen Fonds und Banken,
- sowie mögliche Kettenreaktionen im Finanzsystem.
Besonders problematisch sei, dass Banken und Versicherungen zunehmend in solche Anlagen investieren oder diese finanzieren. Dadurch könnten Risiken aus dem weniger regulierten Bereich alternativer Finanzierungen direkt auf den klassischen Finanzsektor übergreifen.
„Alternative Anlagen stellen besondere Anforderungen an das Risikomanagement“, warnte Branson.
Warnung vor Private-Markets-Produkten für Kleinanleger
Besonders vorsichtig äußert sich die BaFin beim Vertrieb sogenannter Private-Markets-Produkte an Privatanleger. Dazu gehören unter anderem ELTIFs – European Long-Term Investment Funds.
Diese Fonds investieren häufig in langfristige, schwer handelbare Vermögenswerte wie Infrastrukturprojekte, Immobilien oder Unternehmensfinanzierungen.
Die BaFin warnt dabei vor mehreren Problemen:
- hohe Kosten,
- geringe Transparenz,
- schwierige Bewertung der Anlagen,
- und erhebliche Liquiditätsrisiken.
Branson machte deutlich, dass Anleger Risikoindikatoren solcher Produkte nicht blind vertrauen sollten. Die Erfahrungen mit offenen Immobilienfonds hätten gezeigt, dass offizielle Risikoeinstufungen nicht immer sämtliche Gefahren widerspiegeln.
Sorge um riskante Immobilienkredite
Auch der deutsche Wohnimmobilienmarkt bereitet der Finanzaufsicht zunehmend Sorgen. Nach Angaben der BaFin liegt der Anteil riskanter Wohnimmobilienkredite im deutschen Neugeschäft vergleichsweise hoch.
Besonders kritisch bewertet die Behörde Kredite, bei denen das Darlehensvolumen den eigentlichen Immobilienwert übersteigt. Laut Branson betrifft dies inzwischen etwa jeden siebten Neukredit.
Das bedeutet:
Sollten Immobilienpreise sinken oder Kreditnehmer in Zahlungsschwierigkeiten geraten, könnten Banken auf erheblichen Verlusten sitzen bleiben. Gleichzeitig drohen auch Verbraucher in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.
Die BaFin schließt deshalb künftig weitere aufsichtsrechtliche Maßnahmen ausdrücklich nicht aus.
Kampf gegen Finanzbetrug intensiviert
Deutlich verschärft hat die BaFin zuletzt auch ihr Vorgehen gegen unerlaubte Finanzgeschäfte und betrügerische Plattformen.
Gemeinsam mit Strafverfolgungsbehörden konnte die Behörde nach eigenen Angaben mehrere Erfolge gegen organisierte Geldwäsche und Cyberkriminalität erzielen.
Besonders alarmierend:
Allein im Jahr 2025 veröffentlichte die BaFin mehr als 800 Warnungen vor unerlaubten Angeboten auf Websites und in Messenger-Diensten.
Dabei geht es häufig um:
- betrügerische Handelsplattformen,
- Fake-Investments,
- illegale Kryptogeschäfte,
- oder vermeintlich lukrative Online-Finanzangebote.
Verbraucherschutz wird zur Stabilitätsfrage
Die Aussagen der BaFin zeigen deutlich, wie stark sich die Finanzaufsicht inzwischen auch als Verbraucherschutzbehörde versteht. Nach Einschätzung der Behörde hängen stabile Finanzmärkte und der Schutz privater Anleger unmittelbar zusammen.
Denn:
Wenn Banken in Schwierigkeiten geraten, Cyber-Angriffe erfolgreich sind oder riskante Finanzprodukte massenhaft verkauft werden, treffen die Folgen letztlich nicht nur Unternehmen – sondern auch Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher.
Die BaFin sendet damit ein klares Signal:
Die Risiken im Finanzsystem wachsen – und Anleger sollten vermeintlich attraktive Angebote, komplexe Produkte und digitale Finanzplattformen kritischer hinterfragen denn je.