Die Finanzbranche in Liechtenstein steht erneut vor strengeren Anforderungen. Die Finanzmarktaufsicht FMA hat die Termine für die Treuhänderprüfungen im Herbst 2026 bekanntgegeben und macht damit deutlich, wie stark Qualifikation, Kontrolle und Geldwäscheprävention inzwischen im Mittelpunkt des Finanzplatzes stehen.
Die schriftlichen Prüfungen sollen vom 21. bis 25. September 2026 stattfinden, die mündlichen Prüfungen folgen am 26. und 27. Oktober 2026. Bewerbungen können zwischen dem 11. Mai und dem 26. Juni 2026 bei der Finanzmarktaufsicht in Vaduz eingereicht werden.
Treuhänder unter besonderer Beobachtung
Treuhänder gelten in internationalen Finanzzentren seit Jahren als besonders sensible Berufsgruppe. Sie verwalten Vermögen, gründen Gesellschaften, begleiten internationale Transaktionen und übernehmen häufig komplexe Mandate für vermögende Privatpersonen oder Unternehmen. Genau deshalb geraten sie zunehmend ins Visier von Aufsichtsbehörden und internationalen Organisationen.
Liechtenstein versucht seit Jahren, seinen Ruf als moderner und regulierter Finanzplatz zu stärken. Hintergrund sind internationale Debatten über Geldwäsche, Steuervermeidung und verschachtelte Firmenkonstruktionen, bei denen Treuhandstrukturen häufig eine zentrale Rolle spielen.
Die FMA betont deshalb verstärkt die Bedeutung fachlicher Qualifikation und regulatorischer Standards. Die Prüfungen sollen sicherstellen, dass Bewerber über ausreichende Kenntnisse in den Bereichen Finanzmarktregulierung, Geldwäscheprävention und Compliance verfügen.
Kampf gegen Geldwäsche bleibt zentrales Thema
Besonders die Bekämpfung von Geldwäsche steht im Fokus. Internationale Kontrollgremien wie die Financial Action Task Force (FATF) erhöhen seit Jahren den Druck auf Finanzplätze weltweit. Auch kleinere Staaten wie Liechtenstein müssen nachweisen, dass sie wirksame Kontrollmechanismen etabliert haben.
Die Treuhänderbranche gilt dabei als besonders anfällig für Missbrauch, etwa bei Briefkastenfirmen, Vermögensverschleierung oder grenzüberschreitenden Finanzkonstruktionen. Deshalb verschärfen viele Länder kontinuierlich ihre Zulassungs- und Prüfungsanforderungen.
Zugang zum Beruf wird anspruchsvoller
Die neuen Prüfungstermine zeigen zugleich, dass der Zugang zum Treuhänderberuf zunehmend professionalisiert wird. Neben der klassischen Treuhänderprüfung gibt es auch eine zusätzliche Prüfung für eine eingeschränkte Treuhandbewilligung.
Bewerber müssen umfangreiche Unterlagen einreichen und nachweisen, dass sie die fachlichen und persönlichen Voraussetzungen erfüllen. Für viele Interessenten wird der Beruf dadurch anspruchsvoller – zugleich soll das Vertrauen in den Finanzplatz gestärkt werden.
Finanzplatz zwischen Tradition und Reformdruck
Liechtenstein zählt trotz seiner geringen Größe weiterhin zu den bedeutenden europäischen Finanzzentren. Gerade Vermögensverwaltung, Stiftungen und internationale Treuhandmodelle spielen wirtschaftlich eine wichtige Rolle.
Doch der internationale Reformdruck wächst. Transparenz, Herkunftsnachweise von Vermögen und strengere Sorgfaltspflichten verändern das Geschäftsmodell vieler Finanzdienstleister grundlegend. Die aktuellen Prüfungsankündigungen der FMA sind daher mehr als nur ein organisatorischer Terminplan – sie sind Teil eines größeren Wandels in der internationalen Finanzwelt.