Die mögliche Freigabe des Waffenversands über den staatlichen US-Postdienst USPS entwickelt sich in den Vereinigten Staaten zu einem neuen politischen Zündstoff. Während die Trump-Regierung den Schritt als Stärkung verfassungsmäßiger Rechte darstellt, warnen Kritiker vor schwer kalkulierbaren Folgen für die öffentliche Sicherheit.
Im Zentrum der Diskussion steht eine Regelung, die seit fast einem Jahrhundert Bestand hatte. Bereits 1927 hatte der US-Kongress den Versand versteckbarer Schusswaffen wie Pistolen oder Revolver über den staatlichen Postdienst untersagt. Hintergrund waren damals zunehmende Sorgen über Kriminalität, Bandenkriege und illegale Waffenverkäufe während der Prohibitionszeit.
Nun könnte dieses Verbot erstmals aufgehoben werden. Auslöser war eine juristische Neubewertung durch das US-Justizministerium. In einem internen Memorandum erklärte das Ministerium Anfang 2026, das bestehende Versandverbot sei mit dem zweiten Verfassungszusatz nicht vereinbar. Dieser garantiert US-Bürgern das Recht auf Waffenbesitz.
Die Argumentation folgt der Linie zahlreicher konservativer Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs der vergangenen Jahre, die Waffenrechte deutlich ausgeweitet haben. Nach Ansicht der Trump-Regierung dürfe der Staat gesetzestreuen Bürgern keine Nachteile beim Transport legaler Waffen auferlegen.
Konkret sieht der Vorschlag vor, dass Privatpersonen künftig Handfeuerwaffen innerhalb ihres Bundesstaates per USPS verschicken dürfen. Voraussetzung wären Sicherheitsauflagen wie ungeladene Waffen, spezielle Verpackungen und Dokumentationspflichten. Über Staatsgrenzen hinweg bliebe der Versand weiterhin stark eingeschränkt.
Doch genau diese Lockerung alarmiert Sicherheitsbehörden und Organisationen gegen Waffengewalt. Kritiker warnen, dass die Nachverfolgung von Waffenlieferungen deutlich schwieriger werden könnte. Zudem befürchten sie neue Möglichkeiten für sogenannte „Strohkäufer“, die Waffen legal erwerben und anschließend illegal weitergeben.
Besonders umstritten ist, dass die staatliche Post damit möglicherweise liberalere Regeln hätte als private Paketdienste. Unternehmen wie UPS oder FedEx erlauben Waffenversand bislang fast ausschließlich für lizenzierte Händler oder Sammler. Die geplante USPS-Regelung könnte deshalb eine erhebliche Veränderung des bisherigen Kontrollsystems bedeuten.
Auch politische Beobachter sehen in dem Vorstoß mehr als nur eine technische Anpassung der Versandregeln. Vielmehr passt die Maßnahme in eine umfassendere Strategie der Trump-Regierung, Einschränkungen im Waffenrecht zurückzudrängen. Bereits in den vergangenen Monaten hatte die Regierung mehrere Regeln überprüft, die den Zugang zu Waffen erschweren.
Für Gegner der Pläne ist die Diskussion deshalb auch ein Symbol für die zunehmende Polarisierung der USA. Während konservative Kreise von Freiheitsrechten sprechen, sehen Kritiker eine gefährliche Normalisierung des Waffenbesitzes in einem Land, das regelmäßig von Schusswaffen-Gewalt erschüttert wird.
Ob die neue Regelung tatsächlich umgesetzt wird, ist derzeit noch offen. Die öffentliche Kommentierungsphase endete Anfang Mai. Der USPS prüft nun die eingegangenen Stellungnahmen. Sollte die Änderung verabschiedet werden, könnte sie schon in den kommenden Monaten in Kraft treten — und vermutlich schnell vor Gericht landen.
Denn mehrere Organisationen haben bereits angekündigt, juristisch gegen die Lockerung vorzugehen. Sie argumentieren, dass eine Ausweitung des Waffenversands die öffentliche Sicherheit gefährde und den illegalen Waffenhandel erleichtern könne. Damit dürfte die Debatte um Waffenrechte in den USA um ein weiteres hoch emotionales Kapitel erweitert werden.