Redaktion: Herr Rechtsanwalt Reime, nachhaltige Geldanlagen gelten derzeit als Trend. Projekte wie The Generation Forest werben mit Klimaschutz, Aufforstung und langfristigen Renditen. Viele Anleger fragen sich aber: Wie sicher ist ein solches Investment wirklich?
Rechtsanwalt Jens Reime:
Man muss sehr klar sagen: Es handelt sich hierbei nicht um ein klassisches Sparprodukt, sondern um eine langfristige unternehmerische Beteiligung mit erheblichen Risiken. Das Unternehmen weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich ist. Genau dieser Hinweis wird von vielen Anlegern oft unterschätzt oder emotional verdrängt, weil der ökologische Gedanke im Vordergrund steht.
Redaktion: Warum ist das Risiko bei solchen Projekten besonders hoch?
Reime:
Weil hier mehrere Risikofaktoren gleichzeitig zusammenkommen. Zum einen sprechen wir über ein Auslandsinvestment in Panama. Zum anderen über ein Projekt mit extrem langfristigem Horizont. Die ersten relevanten Erträge sollen teilweise erst nach vielen Jahren entstehen.
Dazu kommen klassische Risiken wie:
- politische Veränderungen,
- Naturkatastrophen,
- Schädlingsbefall,
- Waldbrände,
- Veränderungen am Holzmarkt,
- Währungsschwankungen,
- Managementfehler
- oder wirtschaftliche Probleme des Betreibers.
Wenn eines oder mehrere dieser Risiken eintreten, kann das massive Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit haben.
Redaktion: Das Unternehmen wirbt mit Transparenz und wissenschaftlicher Begleitung. Reicht das nicht aus?
Reime:
Transparenz ist grundsätzlich positiv. Aber Transparenz ersetzt keine Sicherheit. Anleger dürfen nicht den Fehler machen zu glauben, dass ein nachhaltiges oder wissenschaftlich begleitetes Projekt automatisch wirtschaftlich stabil ist.
Gerade bei langfristigen Aufforstungsmodellen basieren viele Berechnungen zwangsläufig auf Prognosen und Annahmen – etwa zur Entwicklung der Holzpreise oder zu Wachstumsraten der Wälder über Jahrzehnte hinweg. Niemand kann seriös garantieren, wie die Situation in 20, 30 oder gar 100 Jahren aussieht.
Redaktion: Ein weiterer Punkt ist die Kontrolle. Welche Einflussmöglichkeiten haben Anleger überhaupt?
Reime:
Das ist einer der entscheidenden Punkte. Die tatsächlichen Kontrollmöglichkeiten der einzelnen Mitglieder sind in der Praxis eher begrenzt. Natürlich gibt es bei einer Genossenschaft formale Mitwirkungsrechte. Aber operative Entscheidungen werden letztlich vom Management und den Verantwortlichen vor Ort getroffen.
Für einen deutschen Anleger ist es faktisch kaum möglich, regelmäßig selbst zu überprüfen:
- wie die Flächen tatsächlich bewirtschaftet werden,
- ob die wirtschaftlichen Annahmen eingehalten werden,
- welche tatsächlichen Kosten entstehen,
- oder wie sich die Projekte vor Ort entwickeln.
Man investiert also in ein Modell, bei dem man sehr stark auf Vertrauen angewiesen ist.
Redaktion: Kann man sagen, dass viele Anleger die emotionale Komponente unterschätzen?
Reime:
Absolut. Projekte mit Klimaschutz, Regenwald und Nachhaltigkeit sprechen verständlicherweise emotional an. Das Problem entsteht dann, wenn die emotionale Überzeugung die nüchterne wirtschaftliche Prüfung ersetzt.
Viele Menschen möchten „etwas Gutes tun“ und gleichzeitig eine Rendite erzielen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber Anleger sollten niemals vergessen: Auch ein ökologisches Investment bleibt ein unternehmerisches Risiko.
Redaktion: Das Unternehmen spricht von prognostizierten Ausschüttungen über 100 Jahre. Wie sollte man solche Aussagen bewerten?
Reime:
Mit großer Vorsicht. Niemand kann seriös wirtschaftliche Entwicklungen über einen Zeitraum von 100 Jahren vorhersagen. Solche Modelle basieren zwangsläufig auf zahlreichen Annahmen.
Das Unternehmen formuliert immerhin transparent, dass die Prognosen konservativ kalkuliert seien und dass deutlich geringere Ergebnisse möglich sind. Dennoch bleibt für Anleger die entscheidende Erkenntnis: Prognosen sind keine Garantien.
Redaktion: Kritiker sagen, solche Modelle seien für Anleger kaum kalkulierbar. Ist das überzogen?
Reime:
Nein, das ist ein berechtigter Einwand. Gerade weil es sich um ein sehr langfristiges und spezialisiertes Geschäftsmodell handelt, können viele Privatanleger die tatsächlichen Risiken kaum vollständig beurteilen.
Hinzu kommt die geografische Distanz. Wer in deutsche Immobilien investiert, kann sich Objekte ansehen. Bei Aufforstungsflächen in Panama ist das für die meisten Anleger praktisch unmöglich.
Redaktion: Heißt das, Sie würden von solchen Investments grundsätzlich abraten?
Reime:
Nicht pauschal. Nachhaltige Investments können sinnvoll sein. Aber sie sollten nur einen kleinen Teil eines breit gestreuten Vermögens ausmachen.
Wer investiert, muss bereit sein, das eingesetzte Kapital im schlimmsten Fall vollständig zu verlieren. Außerdem sollte man sich bewusst machen, dass es sich um ein sehr langfristiges Engagement mit eingeschränkter Liquidität und begrenzten Kontrollmöglichkeiten handelt.
Redaktion: Ihr Fazit zu The Generation Forest?
Reime:
Das Konzept klingt ökologisch interessant und ambitioniert. Aber Anleger sollten sich nicht ausschließlich von Nachhaltigkeitsversprechen oder emotionalen Bildern tropischer Wälder leiten lassen.
Entscheidend ist die nüchterne Erkenntnis: Es bleibt ein risikobehaftetes Investment mit Totalverlustrisiko, langfristiger Kapitalbindung und vergleichsweise geringen direkten Kontrollmöglichkeiten für Anleger. Genau darüber muss offen gesprochen werden.