Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 ein insgesamt sehr starkes Renditejahr, zugleich aber auch ein Produkt, dessen Erfolg nicht aus laufenden Erträgen, sondern vor allem aus Marktbewegungen, Umschichtungen und einer neuen taktischen Strategie gespeist wurde.
Der Fonds erzielte im Jahr 2025 eine Performance von 13,9 %. Das ist auf den ersten Blick überzeugend und liegt auch im Mehrjahresvergleich auf einem soliden Niveau, da über drei Jahre 13,7 % p.a. ausgewiesen werden. Positiv ist außerdem, dass sich der Anteilwert über die letzten Jahre klar erhöht hat: von 85,39 Euro Ende 2022 auf 125,58 Euro Ende 2025. Für Anleger ist das ein Hinweis darauf, dass der Fonds in einem freundlichen Kapitalmarktumfeld bislang gut an steigenden Märkten partizipieren konnte.
Allerdings ist entscheidend, woher der Ertrag kam. Der Fonds erwirtschaftete im operativen Sinne keinen attraktiven laufenden Ertragsstrom. Die ordentlichen Erträge lagen bei nur rund 644 Tsd. Euro, während die laufenden Aufwendungen mit rund 831 Tsd. Euro darüber lagen. Daraus ergibt sich ein ordentlicher Nettoertrag von -186,7 Tsd. Euro. Das heißt: Der Fonds lebt für den Anleger im Kern nicht von Zinsen oder Ausschüttungen, sondern von Kursgewinnen. 2025 kam das gute Jahresergebnis vor allem aus realisierten Veräußerungsgewinnen und noch stärker aus nicht realisierten Bewertungsgewinnen. Für Anleger ist das wichtig, weil diese Ertragsqualität marktanfälliger ist als ein stabiler, einkommensorientierter Ansatz.
Besonders auffällig ist die Strategieänderung ab Mai 2025. Das Management hat das Portfolio neu ausgerichtet und laut Bericht US-Werte gemieden. Stattdessen wurden Gold und Emerging Markets stärker akzentuiert. Genau diese Neuausrichtung hat im Berichtsjahr offenbar funktioniert. Der Bericht nennt Gold und Schwellenländer ausdrücklich als positive Performancebeiträge. Das spricht für taktische Flexibilität und dafür, dass das Management 2025 das Marktumfeld richtig interpretiert hat. Gleichzeitig erhöht das aus Investorensicht die Abhängigkeit vom Timing des Managements. Wer investiert, kauft hier also keinen breit neutralen Weltfonds, sondern einen Fonds mit aktiven, teils deutlichen Allokationsentscheidungen.
Die aktuelle Struktur bestätigt das sehr klar: Zum Stichtag waren 78,4 % in Aktienfonds und 19,6 % in Rohstoffzertifikaten auf Gold investiert. Faktisch ist der Fonds damit ein offensiver Mischansatz mit starkem Aktien- und Goldprofil. Die Goldquote von knapp 20 % ist hoch und kann in Stressphasen stabilisierend wirken. Sie bedeutet aber auch, dass die künftige Entwicklung stark davon abhängt, ob Gold seinen positiven Trend fortsetzt. Anleger sollten den Fonds deshalb nicht als klassischen globalen Aktienfonds verstehen, sondern eher als makrogetriebenen Allokationsfonds mit Aktien- und Goldschwerpunkt.
Positiv zu bewerten ist die Diversifikation außerhalb der USA. Im Portfolio dominieren Europa, Japan, EM Asien, Asien ex Japan und die Schweiz. Damit hebt sich der Fonds von vielen globalen Standardprodukten ab, die stark US-lastig sind. 2025 war diese Entscheidung hilfreich. Für die Zukunft kann sie aber auch ein Nachteil sein, falls US-Aktien erneut die globale Führung übernehmen. Genau hier liegt einer der wichtigsten Punkte für Anleger: Der Fonds ist kein passives „Weltmarkt“-Produkt, sondern ein Fonds, der bewusst von der globalen Standardgewichtung abweicht. Das kann Mehrwert schaffen, erhöht aber das aktive Abweichungsrisiko.
Auffällig ist außerdem das starke Wachstum des Fondsvolumens. Das Fondsvermögen stieg von 21,0 Mio. Euro auf 87,4 Mio. Euro. Dieser Anstieg resultierte aber nicht nur aus Wertsteigerung, sondern vor allem aus sehr hohen Netto-Mittelzuflüssen von rund 58,5 Mio. Euro. Das ist einerseits ein Vertrauenssignal. Andererseits sollte man als Anleger wissen: Stark wachsende Fonds müssen zeigen, dass sie ihre Strategie auch mit größerem Volumen effizient umsetzen können. Da der Fonds überwiegend in liquide ETFs und Goldprodukte investiert, ist das hier zwar grundsätzlich weniger problematisch als bei Nischenfonds, dennoch verändert starkes Wachstum oft die operative Dynamik.
Bei den Kosten wirkt das Produkt ordentlich, aber nicht billig. Die Gesamtkostenquote von 1,29 % ist für einen ETF-Dachfonds mit aktiver Allokationssteuerung noch vertretbar, aber spürbar höher als bei einem einfachen passiven Weltportfolio. Wer investiert, zahlt also für die aktive Steuerung. Ob sich das dauerhaft lohnt, hängt davon ab, ob das Management seinen taktischen Mehrwert auch künftig liefern kann. Für 2025 war das offenbar der Fall. Für die Zukunft ist das offen.
Risikoseitig ist der Fonds insgesamt nachvollziehbar aufgestellt. Laut Bericht bestanden keine wesentlichen Liquiditätsrisiken und auch keine besonderen operationellen Risiken. Der Value-at-Risk lag im Durchschnitt bei 8,77 %, mit einer Spanne von 5,63 % bis 10,51 %, was für einen offensiven, global investierenden Mischfonds plausibel erscheint. Der ausgewiesene Leverage von 113,10 % zeigt, dass Derivate genutzt werden, aber nicht in exzessivem Ausmaß. Dennoch bleibt klar: Das Fondsprofil ist marktabhängig, und die Preisschwankungen der Zielfonds sowie der Goldpositionen können deutlich sein.
Interessant ist auch die Nachhaltigkeitsperspektive. Der Fonds berücksichtigt zwar PAI-Kriterien und schließt schwerwiegende negative Nachhaltigkeitsauswirkungen weitgehend aus, erfüllt aber nicht die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten im Sinne der Taxonomie. Für klassische Renditeanleger ist das meist zweitrangig, für ESG-orientierte Investoren aber ein relevanter Einordnungspunkt.
Mein Fazit aus Anlegersicht: Der Fonds hat 2025 überzeugend geliefert und von einer gelungenen taktischen Neuausrichtung profitiert. Besonders positiv sind die starke Jahresrendite, die klare Allokationslogik und die Nutzung liquider ETFs. Gleichzeitig ist das Produkt kein Selbstläufer. Die Erträge stammen überwiegend aus Marktgewinnen statt aus laufendem Income, die Strategie hängt stark von Managemententscheidungen ab, und die hohe Goldquote sowie das bewusste Meiden der USA machen das Profil deutlich aktiver als der Name „Select Global“ vielleicht vermuten lässt.
Für Anleger ist der Fonds deshalb vor allem dann interessant, wenn sie
aktive Allokation,
bewusste Abweichung vom klassischen Weltindex
und eine spürbare Goldbeimischung
gezielt wollen.
Weniger passend ist er für Anleger, die ein einfaches, kostengünstiges, breit marktneutrales Weltportfolio suchen.