Der Jahresbericht des Fonds Selektion Perspektive zeigt aus Anlegersicht ein insgesamt solides, nachvollziehbar strukturiertes und risikoarm wirkendes Fondsjahr 2025. Der Fonds erzielte im Berichtszeitraum eine Wertentwicklung von +5,1 %, erhöhte sein Fondsvermögen deutlich auf 31,19 Mio. Euro und profitierte von anhaltenden Mittelzuflüssen. Das Ergebnis ist positiv, aber nicht spektakulär: Es bestätigt eher den Charakter eines breit diversifizierten, defensiv bis moderat chancenorientierten Dachfonds, der Stabilität und Nachhaltigkeitsfilter mit Kapitalmarktbeteiligung verbindet.
Für Anleger ist zunächst wichtig, dass der Fonds nicht auf Einzeltitel, sondern auf zehn gleichgewichtete Zielfonds setzt. Die Struktur per Jahresende ist klar: 59,5 % Aktienfonds, 19,7 % Rentenfonds, 18,8 % Mischfonds und 2,0 % Liquidität. Dadurch entsteht ein gut gestreutes Portfolio, das Marktrisiken abfedern soll, aber gleichzeitig an globalen Aktienmärkten partizipiert. Genau diese Konstruktion erklärt auch die 2025 erzielte Wertentwicklung: Sie fiel ordentlich aus, blieb aber hinter sehr starken reinen Aktienstrategien zurück, weil der Fonds bewusst breiter und vorsichtiger aufgestellt ist.
Positiv zu bewerten ist die kontinuierliche Vermögensentwicklung. Der Anteilwert stieg von 92,72 Euro Ende 2022 über 102,00 Euro Ende 2023 und 114,81 Euro Ende 2024 auf 120,70 Euro Ende 2025. Auch die ausgewiesene 3-Jahres-Performance von 9,2 % p.a. ist ansprechend. Das zeigt, dass der Fonds über mehrere Jahre hinweg Vermögen aufbauen konnte. Gleichzeitig sollte man nüchtern festhalten: Die seit Auflage erzielte Rendite von 3,9 % p.a. signalisiert, dass der Fonds langfristig kein Renditewunder ist, sondern eher ein Produkt für Anleger, die Balance statt maximaler Aktienrendite suchen.
Die Mittelzuflüsse von netto 7,32 Mio. Euro sind ein Vertrauenssignal. Sie sprechen dafür, dass der Fonds im Vertrieb gut angenommen wurde. Aus Investorensicht ist das insofern relevant, als ein wachsendes Fondsvolumen Kosten tendenziell besser skalieren kann und die Produktstabilität erhöht. Allerdings stammt das Wachstum 2025 eben nicht nur aus Performance, sondern wesentlich auch aus neuem Anlegergeld.
Inhaltlich blieb das Management seiner Linie treu. Die Grundstruktur wurde nicht grundlegend verändert, sondern durch selektive Austauschtransaktionen angepasst. Verkäufe erfolgten unter anderem wegen fehlender Übereinstimmung mit den PAI-2.0-Kriterien, also verschärften Nachhaltigkeitsanforderungen. Gleichzeitig wurden Fonds mit anderen Profilen aufgenommen, etwa ein US-Dividenden/Qualitäts-ETF, ein Local-Currency-Bond-Fonds sowie später ein Euro-High-Yield-Bond-Fonds. Diese Umschichtungen zeigen, dass das Management nicht rein passiv verwaltet, sondern versucht, ESG-Konformität, Ertrag und Marktchancen neu auszubalancieren.
Aus Renditesicht ist besonders interessant, woher das Jahresergebnis kam. Der Fonds erwirtschaftete einen ordentlichen Nettoertrag von nur 86.718 Euro, während das realisierte Ergebnis aus Verkäufen mit 906.716 Euro deutlich höher war. Hinzu kam ein nicht realisiertes Ergebnis von 581.779 Euro. Das heißt: Der Performancebeitrag kam 2025 vor allem aus Kursgewinnen und Bewertungsanstiegen, nicht aus laufenden Erträgen. Für Anleger ist das nicht ungewöhnlich, aber es zeigt, dass der Fonds stärker von Marktstimmung und Bewertungsentwicklung abhängt als von stabilen Ausschüttungsströmen.
Ein kritischer Punkt sind die Kosten. Die Gesamtkostenquote von 1,96 % p.a. ist für viele Anleger der größte Belastungsfaktor. Für einen Dachfonds mit aktiver Auswahl und ESG-Filterung ist das zwar nicht untypisch, aber aus Investorensicht dennoch hoch. Denn der Fonds trägt nicht nur eigene Kosten, sondern indirekt auch die Gebühren der Zielfonds. Mehrere der eingesetzten Fonds liegen mit ihren Verwaltungsvergütungen zusätzlich zwischen etwa 0,12 % und 0,80 %, vereinzelt sogar höher. Das bedeutet: Ein relevanter Teil der Bruttorendite wird strukturell von der Kostenebene aufgezehrt. Gerade bei einem Produkt, dessen Langfristrendite seit Auflage unter 4 % p.a. liegt, ist das ein zentraler Punkt.
Die Portfolioqualität wirkt dennoch grundsätzlich ordentlich. Die Positionen sind über verschiedene Fondsanbieter, Regionen und Strategien verteilt. Größere Einzelgewichte um etwa 9 bis 11 % sind für einen gleichgewichteten Dachfonds plausibel. Positiv ist auch, dass die Liquiditätsquote mit rund 2 % niedrig, aber ausreichend erscheint und der Bericht keine wesentlichen Liquiditätsrisiken ausweist. Das operative und administrative Risiko wird ebenfalls als unauffällig beschrieben.
Das Risikoprofil wirkt aus Anlegerperspektive moderat. Der Fonds investiert überwiegend indirekt in Aktien, dazu in Renten und Mischfonds. Dadurch bestehen selbstverständlich Marktpreisrisiken, Zinsänderungsrisiken, Kreditrisiken und Fremdwährungsrisiken. Letztere sind vorhanden, aber mit 6,44 % USD-Exposure auf Fondsebene nicht dominant. Der ausgewiesene Value-at-Risk zwischen 3,88 % und 8,18 %, durchschnittlich 6,60 %, deutet ebenfalls auf ein kontrolliertes Marktrisiko hin. Der Leverage von 100,03 % zeigt, dass Derivate praktisch keine zusätzliche Hebelwirkung erzeugt haben. Für vorsichtigere Anleger ist das ein Pluspunkt.
Ein weiterer Aspekt ist die Ausschüttungspolitik. Der Fonds hat nichts ausgeschüttet, sondern die Erträge vollständig vorgetragen. Das passt zu einem wachstumsorientierten Wiederanlageansatz, ist aber für Anleger, die laufende Erträge suchen, weniger attraktiv. Wer regelmäßige Ausschüttungen erwartet, findet hier kein passendes Produkt. Wer auf thesaurierenden Vermögensaufbau setzt, kann das dagegen positiv bewerten.
Besonders hervorzuheben ist der Nachhaltigkeitsrahmen. Der Fonds bewirbt ökologische und soziale Merkmale nach Artikel 8 SFDR und hat 2025 laut Bericht 98,26 % der Investitionen auf diese Merkmale ausgerichtet. Der Anteil nachhaltiger Investitionen lag bei 9,27 %, der Anteil taxonomiekonformer Investitionen bei 2,26 %. Gleichzeitig gab es keine Verletzungen der Ausschlusskriterien. Das spricht für eine sauber dokumentierte ESG-Umsetzung. Anleger sollten aber differenzieren: Der Fonds ist kein Artikel-9-Impact-Produkt, sondern ein breit gestreuter Multi-Asset-Dachfonds mit ESG-Selektion. Nachhaltigkeit ist hier ein relevanter Filter, aber nicht der alleinige Renditetreiber.
Etwas ambivalent wirkt aus Investorensicht der Hinweis, dass im Berichtszeitraum 60,94 % der Wertpapiertransaktionen über eng verbundene Unternehmen oder Personen abgewickelt wurden. Das muss nicht problematisch sein, ist aber ein Punkt, den anspruchsvolle Anleger in Bezug auf Interessenkonflikte und Best Execution im Blick behalten sollten. Solange die Abwicklung marktgerecht erfolgt, ist das kein Ausschlusskriterium, es bleibt aber ein Transparenzpunkt.
Unterm Strich macht der Fonds einen soliden, professionell verwalteten Eindruck. Er eignet sich vor allem für Anleger, die eine bequeme Komplettlösung mit breiter Streuung, ESG-Filter, gemischtem Risikoprofil und aktiver Fondsselektion suchen. Weniger geeignet ist er für kostenbewusste Anleger, die mit günstigen ETFs eine ähnliche Vermögensaufteilung selbst nachbilden könnten. Denn genau dort liegt die Hauptschwäche: Die Diversifikation ist gut, aber teuer.
Fazit aus Anlegersicht:
Der Fonds Selektion Perspektive hat 2025 geliefert, was sein Konzept verspricht: stetiges Wachstum, kontrolliertes Risiko und saubere ESG-Integration. Er ist kein Performance-Turbo, sondern ein geordnetes Vermögensverwaltungsprodukt für Anleger mit mittel- bis langfristigem Horizont. Die größte Stärke ist die breite Risikostreuung, die größte Schwäche die hohe Kostenquote. Wer Einfachheit, Nachhaltigkeitsfilter und professionelles Rebalancing schätzt, findet hier ein ordentliches Produkt. Wer dagegen maximale Nettorendite sucht, dürfte die Kostenstruktur als zu schwer empfinden.