Gleich drei Gesellschaften aus dem Umfeld der Biofabrik sind von Insolvenzanträgen betroffen. Das Amtsgericht Dresden hat am 13. April 2026 in kurzer zeitlicher Abfolge Sicherungsmaßnahmen angeordnet und vorläufige Insolvenzverwalter eingesetzt. Betroffen sind die Verfahren mit den Aktenzeichen 531 IN 676/26, 531 IN 679/26 und 531 IN 685/26.
Drei Verfahren, ein Geschäftsführer
Alle drei Gesellschaften – die Biofabrik Automation Systems GmbH, die Biofabrik Black Refinery GmbH sowie die BIOFABRIK GREEN REFINERY GmbH – werden von Geschäftsführer Oliver Riedel vertreten. Die nahezu zeitgleiche Einleitung der Verfahren deutet auf wirtschaftliche Schwierigkeiten innerhalb der gesamten Unternehmensstruktur hin.
Vorläufige Insolvenzverwalter bestellt
Für jede Gesellschaft wurde ein eigener vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt:
- Für die Biofabrik Automation Systems GmbH: Marko Lachmann
- Für die Biofabrik Black Refinery GmbH: Morten Jochemczyk
- Für die BIOFABRIK GREEN REFINERY GmbH: Bettina Breitenbücher
Alle Verwalter sind ermächtigt, Gelder entgegenzunehmen und die wirtschaftliche Lage der jeweiligen Gesellschaft zu sichern.
Zustimmungsvorbehalt als zentrale Maßnahme
In allen drei Verfahren wurde ein sogenannter allgemeiner Zustimmungsvorbehalt angeordnet. Das bedeutet: Verfügungen der Unternehmen über ihr Vermögen sind nur noch wirksam, wenn der jeweilige vorläufige Insolvenzverwalter zustimmt.
Zudem gilt für Geschäftspartner: Zahlungen dürfen grundsätzlich nur noch an die vorläufigen Insolvenzverwalter erfolgen. Damit wird verhindert, dass Vermögenswerte unkontrolliert abfließen.
Geschäftstätigkeit der Biofabrik-Gruppe
Die betroffenen Gesellschaften sind Teil eines technologieorientierten Unternehmensverbunds im Bereich Recycling und Kreislaufwirtschaft. Die Biofabrik-Gruppe ist insbesondere bekannt für die Entwicklung und den Betrieb von Anlagen zur Rückgewinnung von Rohstoffen aus Abfällen.
Die einzelnen Gesellschaften decken dabei unterschiedliche Bereiche ab:
- Automation Systems GmbH: Entwicklung und Bau automatisierter Anlagen und technischer Systeme für Recyclingprozesse
- Black Refinery GmbH: Betrieb bzw. Entwicklung von Anlagen zur Verarbeitung von Altreifen und Kunststoffen (z. B. Pyrolyseverfahren zur Ölgewinnung)
- Green Refinery GmbH: Fokus auf nachhaltige Rohstoffrückgewinnung und umweltfreundliche Verwertungstechnologien
Die Unternehmensgruppe positionierte sich in den vergangenen Jahren im wachsenden Markt für nachhaltige Technologien und Kreislaufwirtschaft, der politisch und wirtschaftlich als Zukunftsbranche gilt.
Verfahrensstand und Bedeutung
Die Insolvenzverfahren sind derzeit noch nicht eröffnet. Die angeordneten Maßnahmen dienen der Sicherung der Vermögenswerte und der Prüfung, ob ausreichend Masse vorhanden ist, um die Verfahren durchzuführen.
Die parallelen Verfahren innerhalb einer Unternehmensgruppe sind ein Hinweis auf strukturelle finanzielle Probleme, die mehrere operative Einheiten betreffen. Gleichzeitig eröffnen sie die Möglichkeit, Sanierungslösungen auf Gruppenebene zu prüfen.
Einordnung
Die Biofabrik-Gruppe galt als innovativer Akteur im Bereich Recyclingtechnologie. Die aktuellen Entwicklungen zeigen jedoch, dass auch Unternehmen in Zukunftsbranchen nicht vor wirtschaftlichen Risiken geschützt sind – etwa durch hohe Investitionskosten, komplexe Anlagenprojekte oder volatile Rohstoffmärkte.
Ob eine Restrukturierung gelingt oder es zur Zerschlagung einzelner Geschäftsbereiche kommt, dürfte nun maßgeblich von den Ergebnissen der vorläufigen Insolvenzverwaltung abhängen.