Generative KI gilt oft als kreativ – doch eine neue Studie stellt dieses Bild infrage. Forschende um die Neurowissenschaftlerin Silvia Rondini von der Universität Barcelona kommen zu einem klaren Ergebnis: Beim Zeichnen bleibt künstliche Intelligenz deutlich hinter menschlicher Kreativität zurück.
Die Untersuchung, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Advanced Science, liefert damit eine differenzierte Einordnung eines Themas, das bislang oft überschätzt wurde.
Menschen klar überlegen – selbst ohne künstlerische Ausbildung
Im Zentrum der Studie stand ein direkter Vergleich zwischen Mensch und Maschine. Insgesamt nahmen über 500 Personen teil – darunter sowohl ausgebildete Künstlerinnen und Künstler als auch Menschen ohne künstlerischen Hintergrund. Ihnen wurden einfache visuelle Reize vorgegeben, etwa einzelne Linien, aus denen sie kreative Zeichnungen entwickeln sollten.
Parallel dazu wurde ein KI-System getestet – einmal mit menschlicher Hilfestellung und einmal ohne.
Das Ergebnis fiel eindeutig aus:
- Künstlerinnen und Künstler erzielten die besten Bewertungen
- Laien folgten auf Platz zwei
- KI mit menschlicher Unterstützung landete dahinter
- KI ohne Hilfe bildete das Schlusslicht
Bewertet wurden Aspekte wie Originalität, Ästhetik, Lebendigkeit und die Fähigkeit, Neugier zu wecken.
Kreativität bleibt menschlich geprägt
Besonders auffällig: Selbst ohne künstlerische Ausbildung schnitten Menschen besser ab als KI-Systeme. Das deutet darauf hin, dass Kreativität nicht allein von Technik oder Training abhängt, sondern stark mit menschlicher Wahrnehmung, Erfahrung und Interpretation verbunden ist.
Der Informatiker Xim Cerdá-Company spricht in diesem Zusammenhang von einer „schwachen Leistung“ der KI bei der Erstellung kreativer Bilder. Ohne menschliche Unterstützung verschlechterten sich die Ergebnisse sogar deutlich.
KI ist abhängig vom Menschen
Ein zentrales Ergebnis der Studie:
KI kann Kreativität derzeit nicht eigenständig erzeugen – sie ist auf menschliche Impulse angewiesen.
Das zeigt sich besonders daran, dass die KI mit vorgegebenen menschlichen Beispielen deutlich bessere Ergebnisse erzielte als ohne solche Hilfen. Die Systeme greifen also primär auf bereits vorhandene Muster zurück, statt eigenständig neue Ideen zu entwickeln.
Der Kognitionsforscher Antoni Rodríguez-Fornells betont, dass KI noch weit davon entfernt sei, echte kreative Prozesse nachzubilden – von der Ideenfindung bis zur Umsetzung.
Verzerrte Wahrnehmung durch bisherige Tests
Ein weiterer Kritikpunkt der Forschenden:
Bisher wurde Kreativität von KI häufig anhand sprachlicher Aufgaben bewertet. Dadurch entstand möglicherweise ein verzerrtes Bild, das die tatsächlichen Fähigkeiten überschätzt.
Die aktuelle Studie setzt bewusst auf visuelle Kreativität – ein Bereich, in dem sich die Grenzen der KI deutlicher zeigen.
Einordnung: Werkzeug statt kreativer Ersatz
Die Ergebnisse legen nahe, dass KI derzeit eher als Werkzeug denn als eigenständiger kreativer Akteur verstanden werden sollte. Sie kann Prozesse unterstützen, Inspiration liefern oder bestehende Ideen variieren – ersetzt jedoch nicht die menschliche Kreativität.
Fazit
Die Studie zeigt deutlich:
Künstliche Intelligenz wirkt kreativ, ist es aber nur bedingt.
Während Menschen selbst aus einfachen Reizen originelle Ideen entwickeln, bleibt KI stark abhängig von vorgegebenen Mustern und menschlicher Unterstützung.
Die oft beschworene „kreative KI“ ist damit vorerst eher ein leistungsfähiges Hilfsmittel – aber kein Ersatz für menschliche Vorstellungskraft.