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Aktiv Strategie IV: Solide Wertentwicklung, aber teuer und stark aktienabhängig

geralt (CC0), Pixabay

Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht zum Aktiv Strategie IV für das Geschäftsjahr 01.12.2024 bis 30.11.2025 ein insgesamt ordentliches, aber nicht herausragendes Bild. Der Fonds hat mit +4,67 % im Berichtszeitraum einen positiven Ertrag erzielt und den Anteilwert auf 132,31 EUR gesteigert. Das ist grundsätzlich erfreulich, vor allem weil das Jahr laut Bericht von Handelskonflikten, geopolitischen Spannungen und einer schwächeren US-Dollar-Entwicklung geprägt war. Positiv ist auch, dass der Fonds zum Ende der Periode ein neues Allzeithoch beim Anteilwert erreicht hat.

Für Anleger entscheidend ist jedoch: Diese Entwicklung wurde mit einer klaren Aktienmarktabhängigkeit erkauft. Der Fonds war zeitweise nahezu vollständig in aktiennahe Zielfonds investiert und hält zum Stichtag rund 94,7 % in Investmentanteilen, während nur 5,4 % als Bankguthaben vorgehalten wurden. Das bedeutet: Der Fonds ist trotz vermögensverwaltendem Ansatz faktisch stark vom globalen Aktienmarkt abhängig. Wer einen defensiven Mischfonds erwartet, dürfte hier eher enttäuscht sein.

Die Portfolio-Struktur wirkt breit gestreut, was positiv zu bewerten ist. Der Fonds investiert über zahlreiche ESG-orientierte ETFs und einige Schutz- bzw. Tail-Protect-Bausteine. Die größten Positionen liegen in breit diversifizierten Aktienmärkten wie Europa, Welt, EMU, USA und Nasdaq-100. Das reduziert Einzeltitelrisiken deutlich. Gleichzeitig fällt auf, dass der Fonds mehrfach ähnliche Regionen und Stile über verschiedene ETFs abbildet. Das erhöht zwar die Diversifikation auf Fondsebene, kann aber auch zu Überschneidungen führen und macht das Portfolio weniger klar strukturiert, als es auf den ersten Blick scheint.

Ein kritischer Punkt sind die Kosten. Die ausgewiesene Gesamtkostenquote von 1,66 % ist für einen Fonds, der überwiegend in ETFs investiert, aus Anlegersicht relativ hoch. Gerade weil viele der gehaltenen ETFs selbst sehr günstige Verwaltungsvergütungen haben, stellt sich die Frage, ob der Mehrwert der aktiven Dachfondssteuerung diese zusätzliche Kostenschicht dauerhaft rechtfertigt. Im Berichtsjahr war der absolute Ertrag positiv, aber nicht so hoch, dass die Kostenbelastung nebensächlich wäre. Langfristig ist das ein wichtiger Punkt, denn hohe laufende Kosten wirken dauerhaft renditemindernd.

Auch die Ertragsstruktur verdient Aufmerksamkeit. Das ordentliche Nettoergebnis war mit -452.385,80 EUR negativ. Der positive Jahreserfolg von 1.123.259,71 EUR stammt also im Wesentlichen aus realisierten Veräußerungsgewinnen und vor allem aus nicht realisierten Kurssteigerungen. Das ist bei aktienorientierten Fonds nicht ungewöhnlich, zeigt aber, dass die Wertentwicklung stark vom Marktumfeld abhängt und nicht aus laufenden Erträgen gespeist wird. Für Anleger heißt das: Die Rendite ist stark kursgetrieben und damit anfälliger für Marktumschwünge.

Beim Risiko ist der Bericht recht eindeutig. Zins- und Bonitätsrisiken spielen eine untergeordnete Rolle, dafür dominieren Aktienmarkt- und Währungsrisiken. Die Fremdwährungsrisiken werden bewusst eingegangen, vor allem über internationale Aktienfonds. Das kann die Diversifikation erhöhen, belastet aber in Phasen eines stärkeren Euro die Rendite. Genau das scheint im Berichtsjahr teilweise passiert zu sein, da die Fondsentwicklung laut Bericht trotz Dollar-Schwäche positiv blieb. Das spricht für eine gewisse Robustheit, zeigt aber auch, dass Währungen künftig wieder bremsen können.

Positiv ist die Liquiditätssituation. Der Fonds investiert ausschließlich in gut handelbare Zielfonds und hielt laut Bericht zu keinem Zeitpunkt illiquide Fonds. Auch Derivate wurden praktisch nicht eingesetzt; das ausgewiesene Derivate-Exposure liegt bei 0,00 EUR. Damit ist die Struktur für Anleger vergleichsweise transparent und operativ sauber. Das Prüfungsurteil des Abschlussprüfers ist zudem uneingeschränkt, was zusätzlich Vertrauen in die formale Ordnungsmäßigkeit des Berichts schafft.

Die Mittelbewegungen verdienen ebenfalls Beachtung. Das Fondsvermögen ist von 39,08 Mio. EUR auf 36,67 Mio. EUR gesunken, obwohl das Geschäftsjahr positiv war. Ursache waren Netto-Mittelabflüsse von rund 3,5 Mio. EUR. Das ist kein Alarmzeichen, aber auch kein Stärkeindikator. Es zeigt, dass Anleger per saldo Kapital abgezogen haben. Für bestehende Anleger ist das nicht automatisch negativ, kann aber ein Hinweis darauf sein, dass der Fonds im Marktumfeld nicht besonders stark nachgefragt war.

Im Bereich Nachhaltigkeit ist das Bild ordentlich, aber nüchtern zu bewerten. Der Fonds ist ein Artikel-8-Produkt, bewirbt also ökologische und/oder soziale Merkmale, verfolgt jedoch kein nachhaltiges Investitionsziel. Immerhin lag der Anteil der Investitionen, die auf ökologische oder soziale Merkmale ausgerichtet waren, im Durchschnitt bei 84,84 %. Der MSCI ESG Quality Score von 7,62 entspricht einem AA-Rating, was solide ist. Die CO2-Intensität hat sich leicht verbessert. Gleichzeitig muss man klar sagen: Das ist kein streng nachhaltiger Impact-Fonds, sondern eher ein breit gestreuter ESG-orientierter Dachfonds mit Mindeststandards und Ausschlüssen.

Fazit aus Anlegersicht:
Der Aktiv Strategie IV ist ein gut diversifizierter, international ausgerichteter Dachfonds mit starkem Aktienfokus, der 2024/25 eine solide positive Rendite erzielt hat. Positiv sind die breite Streuung, die hohe Liquidität, die transparente Struktur ohne nennenswerten Derivateeinsatz und die ordentliche ESG-Ausrichtung. Kritisch zu sehen sind jedoch die vergleichsweise hohe Kostenquote, die starke Abhängigkeit von den Aktienmärkten und die Tatsache, dass der Jahreserfolg vor allem aus Marktwertsteigerungen stammt.

Für Anleger ist der Fonds daher vor allem dann passend, wenn sie:

eine globale Aktienorientierung mit ESG-Fokus suchen,

Schwankungen aushalten können,

und bereit sind, für die aktive Fondsselektion auf Dachfondsebene höhere Kosten zu akzeptieren.

Weniger passend ist er für Anleger, die:

einen kostengünstigen Vermögensverwaltungsfonds suchen,

eine klar defensive Mischfonds-Lösung erwarten,

oder laufende, stabilere Ertragsquellen bevorzugen.

In einem Satz: Der Fonds ist solide, aber nicht günstig – und sein Erfolg steht und fällt wesentlich mit der Entwicklung der globalen Aktienmärkte.

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