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P&R REAL VALUE 2024/25: Starkes Renditejahr, aber mit hoher Konzentration, spürbaren Kosten und erhöhtem Liquiditätsrisiko

geralt (CC0), Pixabay

Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht ein insgesamt starkes, aber nicht risikoloses Bild. Der Fonds hat im Geschäftsjahr bis 30.09.2025 beim Anteil P mit +14,59 % überzeugend performt und das Fondsvermögen von 63,1 Mio. EUR auf 72,5 Mio. EUR gesteigert. Positiv ist, dass dieses Wachstum vor allem aus Wertzuwachs stammt und nicht aus starken Mittelzuflüssen: Der Netto-Mittelzufluss lag nur bei rund 0,5 Mio. EUR, während das Jahresergebnis 9,15 Mio. EUR betrug. Das spricht dafür, dass die Wertentwicklung tatsächlich aus dem Portfolio kam.

Inhaltlich verfolgt der Fonds eine klare, fokussierte Qualitäts-/Value-Strategie mit Schwerpunkt auf Small- und Micro-Caps, insbesondere auf sogenannten Serienakquisiteuren und Unternehmen mit wiederkehrenden Umsätzen. Das ist ein nachvollziehbarer, langfristig interessanter Ansatz, weil solche Firmen bei guter Kapitalallokation über Jahre überdurchschnittlich wachsen können. Gleichzeitig ist das Portfolio sehr konzentriert: Die Top-5-Positionen machen 63,6 % des Nettofondsvermögens aus. Allein Software Circle liegt bei 15,28 %, Credit Acceptance bei 14,11 % und Kelly Partners bei 12,97 %. Damit hängt der Anlageerfolg stark an wenigen Einzeltiteln und am Fortbestehen der Investmentthese des Managements.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Fonds nicht indexnah investiert, sondern erkennbar mit Überzeugung. Für Anleger, die aktive, konzentrierte Strategien suchen, ist das attraktiv. Allerdings bedeutet es auch, dass die Schwankungen gegenüber Weltaktienindizes deutlich ausfallen können. Der Bericht sagt das selbst offen: Es gibt kein Hedging, kein Market-Timing und keine gezielte Dämpfung kurzfristiger Volatilität. Wer investiert, muss also bereit sein, zwischenzeitlich auch stärkere Rückschläge auszuhalten.

Kritisch zu sehen sind die Kosten. Die laufenden Aufwendungen waren hoch, insbesondere wegen der Performance Fee von rund 1,07 Mio. EUR. Insgesamt lagen die in der Ertrags- und Aufwandsrechnung ausgewiesenen Aufwendungen bei 2,12 Mio. EUR, während die laufenden Erträge aus Dividenden und Zinsen nur rund 156 Tsd. EUR betrugen. Das ordentliche Nettoergebnis war deshalb deutlich negativ; das positive Gesamtjahresergebnis wurde erst durch realisierte und nicht realisierte Kursgewinne erreicht. Für Anleger heißt das: Der Fonds ist klar darauf angewiesen, dass die Aktienauswahl stark genug ist, um die hohe Gebührenbelastung zu überkompensieren.

Besonders wichtig ist aus Anlegersicht das Liquiditätsprofil. Der Fonds investiert gezielt in kleinere Unternehmen, und laut Bericht lag der Anteil schwer liquidierbarer Vermögensgegenstände bei 15,28 %. Das ist nicht dramatisch, aber für einen Publikumsfonds ein relevanter Punkt. In schwachen Marktphasen oder bei größeren Rückgaben könnte es schwieriger werden, Positionen zügig und zu fairen Preisen abzubauen. Diese Gefahr wird durch die hohe Portfoliokonzentration noch verstärkt.

Die neue Anteilklasse R sollte man separat betrachten. Ihre ausgewiesene Wertentwicklung von +1,20 % ist wegen der Auflage zum 02.01.2025 nicht sinnvoll mit der Klasse P über das volle Geschäftsjahr vergleichbar. Für die Beurteilung der Strategie ist die Klasse P daher derzeit aussagekräftiger.

Auffällig ist außerdem die Angabe einer 10-jährigen durchschnittlichen Wachstumsrate von 13,3 %, obwohl der Fonds in seiner aktuellen SICAV-Struktur erst seit Januar 2024 besteht. Aus Investorensicht sollte man diese Zahl daher nicht unkritisch als echte Fondshistorie lesen, sondern eher als Hinweis auf eine frühere Strategie- oder Track-Record-Darstellung. Für eine saubere Anlegerbeurteilung ist entscheidend, zwischen tatsächlicher Fondshistorie und eventuell übernommenem oder modelliertem Langfrist-Track-Record zu unterscheiden.

Fazit aus Anlegersicht:
P&R REAL VALUE ist ein interessanter, klar positionierter, aktiv gemanagter Aktienfonds mit überzeugender jüngster Performance und einem nachvollziehbaren Fokus auf kapitalstarke Nischenunternehmen und Serienakquisiteure. Gleichzeitig ist er nichts für vorsichtige Anleger: Das Portfolio ist stark konzentriert, teilweise in weniger liquide Titel investiert und mit einer spürbaren Gebührenbelastung versehen. Für Anleger mit langfristigem Horizont, hoher Risikotoleranz und Vertrauen in den Stock-Picking-Ansatz kann der Fonds attraktiv sein. Wer dagegen breite Diversifikation, geringe Kosten und hohe Liquidität sucht, dürfte hier eher nicht richtig aufgehoben sein.

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